Auf dem Holzweg mit dem Holzweg

Das Bild­blog hat einen taz-Blog­a­r­tikel über Ter­ror­ex­perten ver­linkt, der den Titel »Plä­doy­er zur Abschaf­fung des Ter­ror­ex­perten. Sel­ten waren so viele so schnell auf dem Holzweg« trägt und eine beze­ich­nende Illus­tra­tion besitzt: Einen Steg aus Holz, der durch ein Moor führt.

Die Bild­wahl ist ein schön­er Hin­weis darauf, wie die Bedeu­tung der Wen­dung auf dem Holzweg sein ‘sich irren’ mit der Zeit intrans­par­ent wurde – und zwar, weil das zuge­hörige Konzept für die bre­ite Bevölkerung immer unwichtiger wurde und den meis­ten Leuten heute unbekan­nt ist.

Ein Holzweg, wie in der Wen­dung gebraucht, ist näm­lich nicht ein ‘Weg aus Holz’, son­dern ein ‘Weg für Holz’. Also wie ein Hol­zlager, nicht wie ein Holzbein. Und das kam so:

Beim Holzfällen im Wald entste­hen Schneisen, auf denen man das tiefer im Wald gefällte Holz abtrans­portiert. Diese Schneisen sehen aus wie ein Weg, haben aber kein Ziel. Geht man einen solchen Holzweg ent­lang, dann geht man in die Irre, irgend­wo hört er ein­fach auf, und daher bezieht die Wen­dung ihre Bedeu­tung.

Die sprich­wörtliche Ver­wen­dung find­et sich schon seit dem Mit­tel­hochdeutschen, wo man vom Pfad der Tugend abkom­men kann und dann einen Holzweg beschre­it­et:

dar an sich manger ver­schri­et,
der einen holzwec geri­et:
der dün­ket in der beste;

Darin irrte sich manch ein­er, der auf einen Holzweg geri­et: der schien ihm der beste (Weg)’ (meine Über­tra­gung)

Heute klappt das nicht mehr, die Mehrheit denkt wirk­lich an einen Steg oder ähn­lich­es. Kön­nte ja auch passen, ist vielle­icht ein bißchen wack­e­lig und nicht so zuver­läs­sig? Und über diese schwank­ende Brücke kommt eine schöne Volk­se­t­y­molo­gie zus­tande.

Weit­ere Beispiele für die Sym­bol­fo­toil­lus­tra­tion:

Unglaublich übri­gens, wie oft dieser Phrase­ol­o­gis­mus in Artikel einge­baut wird, wo er wirk­lich über­haupt nicht passt, weil gar nicht von Irren die Rede ist, son­dern nur irgend­wie ganz ent­fer­nt von Holz (neue Schreinerei eröffnet, Gemeinde investiert in Auf­forstung, Pinoc­chio geht spazie…).

Quellen:

8 Gedanken zu „Auf dem Holzweg mit dem Holzweg

  1. Fant

    Bra­vo. Bra­vo!
    Ich hat­te schon über­legt, ob ich da einen Leserkom­men­tar schreibe. Gut, dass ich mir die Mühe ges­part habe, denn das Sprach­blog kann das so viel bess­er …

  2. Jens

    Beim Holzfällen im Wald entste­hen Schneisen, auf denen man das tiefer im Wald gefällte Holz abtrans­portiert. Diese Schneisen sehen aus wie ein Weg, haben aber kein Ziel.”

    Rück­eweg” nen­nt man die meines Wis­sens heutzu­tage.

  3. Achim

    Schön­er Text: Ich war im Urlaub ger­ade in ein­er Gegend, in der es keine Holzwege gibt. Diese vorder­gründig erle­ichternde Infor­ma­tion liegt nicht daran, dass man sich dort nicht im Weg irren kann, son­dern an der in Schot­t­land vorherrschen­den Meth­ode des Flächenkahlschlags 🙁

  4. Kristin Beitragsautor

    Hmmm, mir ging es hier eigentlich nicht darum, die “Unge­bilde­theit” der Bil­dauswäh­ler zu beto­nen oder so etwas — mein­er Ein­schätzung nach wür­den die aller­meis­ten Leute für die Holzweg-Illus­tra­tion zu einem solchen Bild greifen.
    Etwas albern finde ich das oft etwas über­beanspruchte Konzept des Sym­bol­fo­tos allerd­ings schon.

  5. Kristin Beitragsautor

    Ja, so sagt es auch die Wikipedia. Allerd­ings klingt es so, als unter­schieden sich mod­erne Rück­ewege von den alten Holzwe­gen (“Rück­ewege und Rück­egassen sind erst notwendig, seit Holzrück­en mit tech­nisch aufwändi­gem Maschi­nen- und Mate­ri­alein­satz betrieben wird”). Grimms Wörter­buch ken­nt das Wort noch nicht.

  6. Achim

    Für das Holzrück­en wur­den früher Rück­epferde einge­set­zt, die das Rück­en von einzel­nen Stäm­men auch zwis­chen anderen Bäu­men hin­durch bew­erk­stel­li­gen kon­nten.

  7. libuda

    Außer­dem gehören die Holzwege zum Jar­gon der Eigentlichkeit, und manche Philosophen waren nie auf anderen Wegen:

    Holz lautet ein alter Name für Wald. Im Holz sind Wege, die meist verwach­sen jäh im Unbe­gan­genen aufhören. Sie heißen Holzwege.
    Jed­er ver­läuft geson­dert, aber im sel­ben Wald. Oft scheint es, als gle­iche ein­er dem anderen. Doch es scheint nur so. Holz­mach­er und Wald­hüter ken­nen die Wege. Sie wis­sen, was es heißt, auf einem Holzweg zu sein.

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