Wellness für Deutsch

Inter­es­san­ter­weise haben wir — die wir uns möglicher­weise als Exper­tin­nen für Anglizis­men beze­ich­nen dür­fen — sel­ten bis nie über Pseu­do- oder Scheinan­glizis­men unter­hal­ten. Das wollen wir ändern. Als Pseudoan­glizis­men beze­ich­net man Wörter, von denen behauptet wird, dass sie a) im Englis­chen nicht existieren oder b) dort ange­blich völ­lig andere Bedeu­tun­gen haben (Klas­sik­er: Handy). Was meist überse­hen wird: Pseudoan­glizis­men bilden keine homo­gene Klasse, deren Mit­glieder ein­deutig von hunds­gewöhn­lichen Anglizis­men abgrenzbar wären (genau­sowenig, wie „nor­male“ Anglizis­men per­fek­te Über­tra­gun­gen wären). Begin­nen wir heute mit Well­ness.

Bei Well­ness wird argu­men­tiert, es existiere nicht, was meist ein­her geht mit dem Argu­ment, dass unser Well­ness im Englis­chen spa heiße. Alter­na­tiv ist Well­ness ein­fach nur eine (deutsche) Erfind­ung. Mit let­zter­er Aus­sage wird auch Bar­bara Brand­stet­ter, Pro­fes­sorin für Wirtschaft­sjour­nal­is­mus, in diesem Artikel zitiert, der mir let­zte Woche bere­its für eine Rep­lik über Shafe diente. Die SÜDWEST PRESSE schreibt ihr die Aus­sage zu, Begriffe wie Handy, Ser­vice-Point und Well­ness „hät­ten sich deutsche Wer­ber aus­gedacht“.1 Was bei der Diskus­sion um Pseudoan­glizis­men natür­lich meist fehlt, sind Ken­nt­nisse um sprach­liche Prozesse bei Bil­dung, Bedeu­tung, Ver­wen­dung und Wan­del.

Warum well­ness im Englis­chen nicht existieren soll, hab ich mich immer schon gefragt. Denn es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass es nicht möglich ist. For­mal fol­gt es dem Wort­bil­dungsmuster ADJ + -ness, dessen Bedeu­tung unge­fähr mit ‚Zus­tand des ADJ-seins‘ umschrieben wer­den kön­nte: ill­ness, busi­nessdark­ness, remote­ness, fair­ness oder cool­ness. Einige davon sind fre­quenter, stärk­er lexikalisiert und somit weniger trans­par­ent (z.B. ill­ness oder busi­ness). Aber mit etwas ety­mol­o­gis­chem Willen ist auch bei busi­ness noch der ‚Zus­tand des busy-seins‘ zu erken­nen.

So sieht es auch das OED, das well­ness definiert als the state of being well or in good health. Es ist seit 1654 belegt, hier in ein­er Ver­wen­dung für ‚Gesundheit/guter Zus­tand‘:

I..blessed God..for my daughter’s weal­nesse. [1654, A. John­ston Diary (S.H.S.) II. 197]

Allerd­ings schreibt das OED well­ness eher den Sta­tus eines Okka­sion­al­is­mus zu („rather a nonce [word]“), also ein­er gele­gentlichen, nicht-lexikalisierten Bil­dung, anders als bei ill­ness. Das Cor­pus of His­tor­i­cal Amer­i­can Eng­lish (COHA, 1810–2009) bestätigt den Ein­druck der spär­lichen his­torischen Ver­wen­dung. Dort find­et sich der erste Ein­trag erst 1964 — der einzige bis in die 1980er — in der Bedeu­tung ‚Gesundheit/Besserung‘:

She was about to add that it was like Helene to blank out and leave her hold­ing the bag, her way of get­ting even for the time when she had told Helene that she saw the pos­si­bil­i­ty of well­ness in her. [COHA, 1964, I Nev­er Promised You A Rose Gar­den]

Bis hier kann man fes­thal­ten: jawoll, well­ness existiert im Englis­chen. Und ja, es hat auch was mit Gesund­heit und Wohlge­fühl zu tun. Ich meine, c’mon, was soll’s denn son­st heißen? Aber ob das dann heute noch so uneingeschränkt rel­e­vant ist und es deshalb nicht doch sein kön­nte, dass well­ness sei eine Erfind­ung der deutschen Wer­bung ist?

Unwahrschein­lich. So schaut’s näm­lich ab den 1970ern in Google­Books aus — amerikanis­ches Englisch (blau), britis­ches Englisch (rot) und Deutsch (orange):

wellnessGB_2

Ver­lauf von *well­ness* in amerikanis­chen (blau), britis­chen (rot) und deutschen (orange) Büch­ern; Quelle: Google­Books via ngramr

(Erra­tum: An dieser Stelle war heute mor­gen noch diese Grafik zu find­en — meine kri­tis­che Reflex­ion der Dat­en & Meth­ode hat diesen Fehler jet­zt halb­wegs kor­rigiert. Das entsprechende R-Paket und/oder die Google­daten­bank kön­nten fehler­haft sein: ignore_case=T hat für deutsche Dat­en offen­bar nur well­ness, aber nicht Well­ness gefun­den, was das Bild natür­lich mas­siv verz­er­rt (aber nicht das Argu­ment zer­stört)). Wer helfen möchte, den Fehler zu lokalisieren, hier das Skript.)

Öh.

Das hätte man jet­zt auch ohne lin­guis­tis­che Grun­daus­bil­dung her­aus­find­en kön­nen (diese Über­prü­fung gebetsmüh­le­nar­tig wieder­holter Behaup­tun­gen find­et übri­gens sel­ten statt). Man sollte aus dem Ver­gle­ich der Kur­ven aber keine vorschnellen sprachver­gle­ichen­den Schlüsse ziehen.2 Aber was vom Tisch ist: well­ness erfreut sich auf bei­den Seit­en des Atlantiks steigen­der Gesund­heit. Und: well­ness ist keine Erfind­ung der Wer­bung — offen­bar schon gar nicht der deutschen — die macht sich seit den 1970ern (höch­stens) ver­stärkt einen Bedeu­tungsaspekt von well­ness zu Nutze.

Und das geht so.

Auch in COHA und seinem Pen­dant für die Gegen­wartssprache, COCA, find­et sich ab den 1980ern plöt­zlich eine ganze Menge well­ness. Hier sind sechs Beispiele, die zwei Bedeu­tungss­chat­tierun­gen verdeut­lichen. Der Über­sichtlichkeit hal­ber fan­gen wir mit dem Genre „Akademisch“ an:

Devel­op­ing spir­i­tu­al com­pe­ten­cy with Native Amer­i­cans: Pro­mot­ing well­ness through bal­ance and har­mo­ny. [COCA, 2009, Fam­i­lies in Soci­ety]

Accord­ing to Dr. Don­ald B. Ardell, a major pro­po­nent of well­ness since the 1970’s. Well­ness is not a fad, but a grow­ing move­ment. He defined well­ness as ” a con­scious and delib­er­ate approach to an advanced state of phys­i­cal and psychological/spiritual health ” (Ardell, 1985). Well­ness is also a move­ment away from tra­di­tion­al health care prac­tices. [COCA, 1992, Phys­i­cal Edu­ca­tor]

Women’s nar­ra­tives sug­gest a holis­tic per­spec­tive of health that involved the inte­gra­tion of atti­tudes and behav­iors aimed at pro­mot­ing phys­i­cal, emo­tion­al, and spir­i­tu­al well­ness. [COCA, 2007, Health & Social Work]

Und zum Ver­gle­ich das Genre „Mag­a­zin“:

15 read­ers will each win a Spa & Well­ness Gift Card from Spa Week. [COCA, 2012, Red­book]

the Well­ness Cen­ter offers state-of-the-art exer­cise equip­ment for use, as well as videos and lit­er­a­ture on the appro­pri­ate meth­ods to use when under­tak­ing an exer­cise pro­gram. [COCA, 1994, Chil­dren Today]

3. WELLNESS AND YOUTH-ENHANCING PRODUCTS. Amer­i­ca may be aging, but many old­er con­sumers want to look and feel as young as pos­si­ble. [COCA, 1992, Futur­ist: When Gray Is Gold­en — Busi­ness In An Aging Amer­i­ca]

Die ersten drei sind nah an der his­torischen Grundge­sund­heits­be­deu­tung dran. Dementsprechend viele Belege haben dann auch die Gesund­heitsver­sorgung sozial benachteiligter Grup­pen zum The­ma. Aber es geht weniger um Fieber­mit­tel und Imp­fun­gen, son­dern bere­its um eine Bal­ance der — Verzei­hung — ganzheitlichen Gesund­heitsver­sorgung. Und von da bis zur abstrak­teren Bedeu­tungskom­po­nente „auch-so-n-Yuppie-Anti-Stress-Tralala“-Wellness ist es sowohl konzeptuell wie sprach­lich natür­lich nur noch ein klein­er Schritt.

Und so ist es also wenig über­raschend, dass das OED im Jan­u­ar 2005 einen Zusatz in die Def­i­n­i­tion von well­ness einge­fügt hat: des­ig­nat­ing health care which is pre­ven­ta­tive rather than cura­tive (‚Gesund­heitsver­sorgung, die präven­tiv, weniger kura­tiv angelegt ist‘) — was bei­de Schat­tierun­gen abdeckt, die ich etwas deut­lich­er voneinan­der getren­nt habe.

Und im Deutschen? Hier liegt über­wiegend nur die zweite Bedeu­tung vor, die mit der — über­spitzt gesagt — „Anti-Stress-irgendwie-Yuppie“-Komponente. Zumin­d­est sug­gerieren das die Nom­i­nalkol­lokate (Part­ner­a­gen­tur, Fit­ness, Kur, Lifestyle, Shop­ping, Wohlfühlen; Quelle: DWDS). Wobei man ein­schränken muss, weil Well­ness im DWDS-Kernko­r­pus nicht vorkommt (bis 2000) und mit den son­sti­gen Bele­gen im ZEIT-Kor­pus eventuell eine Genre-Verz­er­rung vor­liegt.

Es ist aber auch kein Wun­der, dass wir nicht alles übernehmen, wenn wir was übernehmen. Regelmäßige Leserin­nen unser­er Anglizis­mus des Jahres-Beiträge wis­sen das längst. Aber von diesem — und anderen möglichen Unter­schieden in der Ver­wen­dung — darauf zu schließen, Well­ness sei ein Pseudoan­glizis­mus als Folge ein­er Erfind­ung von Wer­beagen­turen, ist dann doch etwas sehr unplau­si­bel.

Und was sagen Sie beim näch­sten Mal den Men­schen, die behaupten, Well­ness sei im Englis­chen eigentlich spa? Die kurze Antwort: Well­ness beze­ich­net Abstrak­tes, bei spa ist fast auss­chließlich Konkretes im Spiel: eine geografis­che Lokalität (we arrived at the old spa resort of Bux­ton [BNC, CFT]) oder ein Gebäude (The Cres­cent Hotel is adja­cent to the Brunswick Pavil­ion and car park, with the beach, Spa and rail­way sta­tion close by [BNC, B3K]). Spa kann auch alleine auf Konkre­ta referieren, well­ness braucht in diesem Fall eine „Ergänzung“ (v.a. cen­ter). Das ist auf­grund der Ety­molo­gien und Bil­dungsmuster nicht ver­wun­der­lich: spa wird gemein­hin auf das bel­gis­che Spa zurück­ge­führt und well­ness kom­biniert mit einem Suf­fix, das Abstrak­ta aus Adjek­tiv­en ableit­et.

Well­ness kann mit ziem­lich­er Sicher­heit von der Liste der Pseudoan­glizis­men gestrichen wer­den. Es ist ein hunds­gewöhn­lich­er Anglizis­mus. Die Diskus­sion um Pseudoan­glizis­men als het­ero­gene Klasse müssen wir also irgend­wie kurz verta­gen.

Statt Fußnote

Der VDS stuft well­ness übri­gens auf sein­er dreistu­fi­gen Skala als „ver­drän­gend“ (Stufe 3) ein und gibt als Alter­na­tive Wohlge­fühl, in Kom­posi­ta für well­ness-cen­ter (sic)3 die Wohlfühloase. Inter­es­sant ist bei well­ness-cen­ter übri­gens, dass dies als „dif­feren­zierend“ (Stufe 2) eingestuft sind, obwohl bei­de Ele­mente well­ness & cen­ter jew­eils „ver­drän­gend“ (Stufe 3) sein sollen. Offen­bar gibt – + – sowas wie ±.

  1. Brand­stet­ter äußert sich auch zum Shit­storm — das müssen wir für den Moment lei­der unkom­men­tiert so ste­hen lassen. []
  2. Textba­sis, Tex­tauswahl, Genre etc. diese Liste ist bei Google­Books bekan­ntlich lang. []
  3. Weil der VDS sich gegen Inte­gra­tion sträubt und angepassten Orthografiem­i­granten wie Well­ness­cen­ter keinen Raum bieten möchte. []

18 Gedanken zu „Wellness für Deutsch

  1. Martin

    Hmm…ich habe gle­ich mal den Ngram-View­er für Handy aus­pro­biert und da liefert der Ver­gle­ich zwis­chen Deutsch, br. Englisch, am. Englisch — als Nomen — nur Tre­f­fer für Deutsch. Das ist natür­lich inter­es­sant aber da ich nicht genau weiß, was in Google Books so alles drin ist, bin ich mit Rückschlüssen vor­sichtig. Ich meine aber schon vor Jahren gele­sen zu haben, dass die Briten und Amerikan­er die “deutsche” Ver­wen­dung von Handy zumin­d­est ken­nen; der schön­ste Clip zu diesem The­ma ist mein­er Mei­n­ung nach immer noch der hier: http://www.youtube.com/watch?v=8WIscxut_ak

  2. peer

    Well­ness beze­ich­net Abstrak­tes, bei spa ist fast auss­chließlich Konkretes im Spiel (…)” — wie im Deutschen, oder? “Well­ness” im Deutschen beze­ich­net ja auch noch nix-konkretes, da wird erst durch Anhän­gen wie “Drink” oder “Cen­ter” etwas konkretes draus. (Und das wieder englis­che Wörter ange­hängt wer­den ist eigentlich auch nicht ver­wun­der­lich — son­st kommt man wieder mit “Back­shop”…

  3. Susanne Flach Beitragsautor

    @Martin: Kor­rekt. Das ist etwas missver­ständlich for­muliert, Handy wird im Englis­chen nicht als Nomen ver­wen­det und falls es doch mal irgend­wo auf­taucht, dann in ein­er Metaver­wen­dung. Handy ist also auf der Skala tat­säch­lich deut­lich näher dran am Pseudoan­glizis­mus — aber auch hier ist nicht alles so klar, wie’s scheint. Stay tuned!

    @Peer: „wie im Deutschen?“ — anzunehmen.

  4. Susanne

    Kön­nte die man­gel­nde Tra­di­tion des Begriffs “Well­ness” als “Pro­dukt” vielle­icht auch damit zu tun haben, dass dieses Pro­dukt noch nicht beson­ders lange existiert. Schließlich ist in let­zter Zeit um diesen Begriff eine ganze Indus­trie ent­standen, die es ver­mut­lich auch in den englis­chsprachi­gen Län­dern früher nicht gab. Wom­it wir wieder bei der üblichen Anpas­sung der Sprache an verän­derte Leben­sum­stände wären…

  5. Susanne Flach Beitragsautor

    @Susanne: der starke Anstieg des Begriffs hat sicher­lich damit zu tun, klar. Das war ja gar nicht in Frage gestellt. Ob man daraus die doch eher hochtra­bende, gen­er­al­isierende Annahme von „Anpas­sung der Sprache an verän­derte Leben­sum­stände“ sollte, weiß ich nicht — aber auf der lexikalis­chen Ebene defin­i­tiv.

  6. Ferrer

    Und was gäbe es zum klas­sis­chen Old­timer und zum neueren Young­timer zu sagen? Das sind doch schöne Scheinan­glizis­men!

  7. Statistiker

    @ Fer­rer: Stimmt schon, ein Old­timer ist bei uns ein altes Auto, im Englis­chen eher ein alter Men­sch. Der Begriff “Vin­tage Car” ist aber in der Fach­szene bekan­nt und ver­bre­it­et.

    Die deutsche Old­timer-Szene unter­schei­det sich aber von den inter­na­tionalen Def­i­n­i­tio­nen. In der inter­na­tionalen Szene wer­den ver­schieden­ste Begriffe für ver­schiedene Zeiträume gebraucht, für VOR-WK1-Autos, Autos zwis­chen den Weltkriegen etc. Dabei ist regelmäßig das Erstau­flage­da­tum (!) eines Autos entschei­dent.

    Die deutsche Def­i­n­i­tion richtet sich sehr stark nach den Bedin­gun­gen von Autover­sicher­ern. Dem­nach ist jedes Auto, das ab der Erstzu­las­sung (!) älter als 25 Jahre ist, ein Old­timer, wenn es älter als 15 Jahre ist, ein Young­timer.

    Damit hat man zwei schöne Begriffe, bei denen ich mich schw­ertuen würde, ähn­lich kurze, knack­ige deutsche Begriffe zu find­en.

    Wie würdest Du denn einen sehr gut erhal­tete­nen 82´er Golf 1 beze­ich­nen? “Altes Auto” trifft es wohl nicht ganz, damit beze­ich­net man Schrot­t­lauben, wenn man höflich ist. Wenn Du knack­ige Begiffe für solche älteren Fahrzeuge kennst, wür­den und wer­den sie sich durch­set­zen, aber mir sind keine bekan­nt.…

    Clas­sic Car Cen­ter und die Zeitschrift “Markt” kön­nten Dir vielle­icht weit­er­helfen, was ich in Hin­blick auf die Beze­ich­nun­gen jedoch bezwei­fle.…

    Alt-Auto” und “Sehr-Alt-Auto” würde ich als sprach­lich irgendi­we komisch empfind­en.…

  8. TMB

    @peer: Zum The­ma abstrakt vs. konkret passt auch der Klas­sik­er unter den Pseu­do-Pseudoan­glizis­men, näm­lich das “Pub­lic View­ing” — von dem sich auch hart­näck­ig das Gerücht hält, es bedeute etwas völ­lig anderes, näm­lich das öffentliche Anschauen eines aufge­bahrten Leich­nams… was es je nach Kon­text tat­säch­lich bedeuten *kann*, aber: Das Zauber­wort ist hier wieder mal *Kon­text* – während “Pub­lic View­ing” im Deutschen etwas sehr konkretes bedeutet, näm­lich das öffentliche Anse­hen ein­er Sportüber­tra­gung, ist es im Englis­chen sehr viel abstrak­ter (das öffentliche Anschauen von *irgen­det­was*) und somit kon­textab­hängiger. Zahlre­iche Beispiele dafür hier: http://j.mp/19UPf9o.

    Diese Diskrepanz zwis­chen Abstrak­theit im Englis­chen und Konkretheit im Deutschen dürfte die Wurzel des Missver­ständ­niss­es sein, diese Alloka­tion bedeute im Englis­chen etwas völ­lig anderes.

  9. Erbloggtes

    Wenn das englis­che “spa” vom bel­gis­chen Kurort Spa stammt, dann sind die Deutschen dort wohl nicht baden gegan­gen. Das deutet auch eine Ngram-Abfrage an, in der zwis­chen 1840 und 1914 Spa sehr sel­ten ist. (Häu­fig sind es Fund­stellen, in denen Spa-nien o.ä. als zwei Wörter erkan­nt wurde.) Ab dem Ersten Weltkrieg kommt im Deutschen wohl ein Spa-Diskurs auf, in dem der Ort als Kriegss­chau­platz (HQ der OHL) und dann Ort ein­er Repa­ra­tionskon­ferenz 1920 belegt wird, so dass die Benen­nung von “Wohlfühloasen” als “Spa” nur für his­torisch unempfind­liche Deutsche in Frage gekom­men sein dürfte.

    Die Briten scheinen da vor dem Ersten Weltkrieg häu­figer Urlaub gemacht zu haben, oder ab dem Krieg nicht so oft darüber gesprochen. Die Well­ness-Bedeu­tung wäre dann wohl ab etwa 1975 in der Schrei­bung “spa” im Auf­stieg.

    (Toll, Ngrams gibt’s jet­zt in case-sen­si­tiv!)

  10. Susanne Flach Beitragsautor

    @TMB: Nicht ganz das, was mit abstrakt vs. konkret gemeint ist. Was Sie meinen, ist eine engere Bedeu­tung, die bei der Entlehnung häu­fig passiert, d.h. dass wir nicht das gesamte Bedeu­tungsspek­trum eines Wortes importieren, son­dern nur einen Teil davon. Bei Pub­lic View­ing ist das sog­ar noch mal was anderes, weil öffentliche Fußbal­lüber­tra­gun­gen in der Form, die wir heute Pub­lic View­ing nen­nen, vorher über­haupt nicht da war (und deshalb nicht benan­nt wurde). Dann haben wir eine Beze­ich­nung dafür etabliert, die im Englis­chen sowohl für öffentliche Vor­führun­gen, wie auch für Leichen­schauen ver­wen­det wer­den kön­nen. Pub­lic View­ing ist bei uns ja nicht auf Fußball beschränkt, allerd­ings sind die Mas­sen­guck­events eben über­wiegend Fußbal­lüber­tra­gun­gen (kön­nte aber auch Bas­ket­ball, Ten­nis oder Hal­len­hal­ma sein, wenn sich genü­gend Inter­essentIn­nen find­en kön­nten).

    @Erbloggtes: ob die Deutschen in Spa waren, ist aber irrel­e­vant für die Frage, ob sie die Beze­ich­nung über­nom­men haben oder nicht. Also auch wenn Deutsche und Briten gle­icher­maßen dort gebadet haben, muss es nicht automa­tisch bedeuten, dass bei­de Sprachge­mein­schaften gle­icher­maßen damit, öh, baden gehen.

  11. Dierk

    @susanne Flach

    Ich will ja nicht klein­lich sein*, aber eine Leichen­schau ist was anderes als eine Auf­bahrung. Erstere find­et in der foren­sis­chen Patholo­gie statt und soll u.a. klären, woran jemand ver­stor­ben ist. Let­ztere ist z.B. bei Katho­liken bekan­nt — ver­mut­lich wollen die ganz sich­er gehen, dass die Leiche auch wirk­lich tot ist. Kein Wun­der, eine Leichen­schau ist mit dem aus­geübten Glauben nicht vere­in­bar.

    Die Auf­bahrung ist, zurück zur Sprache, genau das, was jene Sportüber­tra­gun­gen an frei zugänglichen Orten für alle waren: eine öffentliche Vor­führung. Und nichts weit­er heißt ‘pub­lic view­ing’ im Englis­chen. Es kann dabei die Leiche eines ehe­mals geliebten/-has­sten Men­schen Objekt der Ansicht sein.**

    *Selb­stver­ständlich will ich das; ich schreibe hier doch zum Vergnü­gen und nicht unter Druck.
    **Obwohl die englis­che Sprache dafür bere­its ein eigenes Wort hat: ‘wake’.

  12. peer

    Mir ist doch ein gemis­cht­es Wort einge­fall­en: “Well­ness-Bere­ich” (auch hier wird durch anhän­gen konkretisiert).

    Davon unab­hängig: Gibt es einen Grund warum Sie antworten kön­nen, bevor die Frage gestellt wurde? 😉

  13. Kristin Kopf

    @peer: Man darf sich den Grund aus­suchen — entwed­er Hellse­herei, oder der Antwort­but­ton bei der Kom­men­taran­sicht im Admin­is­tra­tions­bere­ich denkt noch, wir hät­ten ver­schachtelte Kom­mentare und postet deshalb direkt unter den entsprechen­den Beitrag.
    Mir gefällt ja die erste Möglichkeit bess­er …

  14. Susanne Flach Beitragsautor

    @Kristin/peer: Kristin, hat­ten wir das mit den Ver­schachtelun­gen nicht mal abgeschafft? Es gibt ja keinen Grund dafür, das Tem­plate gibt das auch nicht her, offen­bar.

    @Dierk: jupp, Klein­lichkeit­en sind gut — ander­er­seits ist mir der Unter­schied trotz früh­bis­spät­mor­gendlichen Ver­wirrung und früh­pu­bertieren­der Abkehr vom katholis­chen Tra­di­tion­s­glauben dur­chaus bewusst, gell?

  15. Pingback: die ennomane » Links der Woche

  16. Ferrer

    Danke für die Erläuterun­gen, Sta­tis­tik­er. Die Zeitschriften kenne ich, aber ich fürchte, Du hast mein Anliegen falsch ver­standen. Ich finde Old­timer und Young­timer her­vor­ra­gende Begriffe, auch dann, wenn sie kein Englisch sind. Wenn “clas­sic car” oder “vin­tage car” damit nicht ganz deck­ungs­gle­ich sind, ist das kein Bein­bruch. Das schlimm­ste was passieren kann, die Über­set­zung wird schwierig. So what? Falls es Zweifel geben sollte: Ich bin NICHT vom VDS, ich mag Lehn­worte. Ich finde sie sind eine Bere­icherung für andere Sprachen, wie man an den vie­len Lehn­wörtern sehen kann, die in allen Sprachen vol­lkom­men inte­gri­ert sind. Und Scheinan­glizis­men sind pri­ma, in diesem Fall drück­en sie etwas schön und präg­nant aus. Sub­jek­tive Mei­n­ung, natür­lich. Bei Old­timer und Young­timer würde mich neben­bei inter­essieren, wo diese Worte herkom­men. Wer hat sie sich aus­gedacht? Sind sie in AT und CH auch geläu­fig? So in der Art. Ich lehne diese Begriffe nicht ab, kri­tisiere sie nicht. Ich erwähne sie, weil ich sie mag. Nochmals danke für Deine Antwort.

  17. JDHafner

    Ein Arbeit­skol­lege von mir ist Amerikan­er, Kali­fornier, genauer gesagt, und kommt, da schon mehr als 10 Jahre im deutschen “Out­back” daheim, mit­tler­weile sehr gut mit bei­den Sprachen zurecht, und so reden wir nicht sel­ten auch über Pseudoan­glizis­men, wobei zumeist er damit anfängt, grin­send ver­ste­ht sich, so wie let­zthin, als er sich mir schalkhaft zuwandte: “Well­ness? WELL-NESS? What’s that?”
    Natür­lich wusste er, was im tief­er­en Sinne damit gemeint ist, aber er macht sich, was mich jedes Mal selt­sam beschämt (warum eigentlich?) wahnsin­nig gern lustig über diese irreführende “ger­man spe­cial word­ness” …

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