Pronomen für alle

Auch englis­chsprachige Sprachge­mein­schaften führen mal mehr, mal weniger erhitzte Diskus­sio­nen um geschlechterg­erechte Sprache. Dabei haben sie es sehr leicht: Da die meis­ten Sub­stan­tive im Englis­chen kein gram­ma­tis­ches oder natür­lich­es Geschlecht haben, sind es eigentlich nur die Per­son­al­pronomen für die dritte Per­son Ein­zahl und eine Hand­voll von Per­so­n­en­beze­ich­nun­gen wie chair­man, wait­ress oder clean­ing woman, die Prob­leme bere­it­en. Für let­ztere gibt es längst Alter­na­tiv­en (chair per­son, serv­er, clean­er), sodass genau genom­men nur die Per­son­al­pronomen übrig bleiben.

Bei englis­chen Pronomen wird (genau wie im Deutschen und vie­len anderen Sprachen) in der der drit­ten Per­son Ein­zahl – und nur dort – nach Geschlecht unter­schieden: männlich wahrgenommene Per­so­n­en wer­den mit he, weib­lich wahrgenommene mit she beze­ich­net.1 Das ist in zweifach­er Hin­sicht prob­lema­tisch.

Das erste Prob­lem entste­ht dort, wo auf Indi­viduen aus geschlechtlich gemis­cht­en Grup­pen Bezug genom­men wird. Hier ver­wen­den manche Sprecher/innen das soge­nan­nte gener­ische Maskulinum, andere ver­wen­den Bei­d­nen­nun­gen:

  1. If any­one calls, tell him that I’m in a meet­ing.
  2. If any­one calls, tell him or her that I’m in a meet­ing.

Die erste Lösung ist prob­lema­tisch, weil sie alle Men­schen als männlich darstellt und damit die Exis­tenz weib­lich wahrgenommen­er Men­schen verdeckt (und aus psy­cholin­guis­tis­chen Exper­i­menten wis­sen wir, dass es tat­säch­lich einen gedanklichen Extra-Aufwand erfordert, solche Sätze auf männlich und weib­lich wahrgenommene Men­schen zu beziehen). Die zweite Alter­na­tive scheint zunächst unprob­lema­tisch, wenn sie auch in manchen Tex­ten etwas umständlich wer­den kann.

Das zweite Prob­lem solch­er Pronomen entste­ht dort, wo jemand sich nicht in das Schema „männlich/weiblich“ einord­nen kann oder will. Hier hil­ft auch Ver­sion (2) nicht weit­er; im Gegen­teil, sie ver­stärkt das Prob­lem eher.

In der let­zen Woche erschienen im Guardian und auf Slate am sel­ben Tag aberun­ab­hängig voneinan­der zwei inter­es­sante Beiträge, die sich mit diesem Prob­lem befassten.

Im Guardian befasst sich David Marsh mit ein­er Lösung, die die englis­che Sprachge­mein­schaft schon seit Jahrhun­derten prak­tiziert: Den Gebrauch des Mehrzahl­pronomens they in Zusam­men­hän­gen vertei­digt, in denen eigentlich ein Ein­zahl­pronomen ste­hen müsste:

  1. If any­one calls, tell them that I’m in a meet­ing.

Obwohl dieser Gebrauch von they nicht nur sehr ver­bre­it­et, son­dern auch sehr alt ist (er find­et sich schon bei Shake­speare), wird er von Sprach­nör­glern häu­fig mit dem Argu­ment abgelehnt, es sei unl­o­gisch, Mehrzahl­pronomen für Einzelper­so­n­en zu ver­wen­den.
Marsh weist darauf hin, dass es für dieses Vorge­hen im Englis­chen bere­its ein Vor­bild gibt: Das Pronomen you (2. Per­son) war früher ein reines Mehrzahl­pronomen (wie das deutsche (ihr), das Ein­zahl­pronomen war thou (entsprechend dem Deutschen du). Und natür­lich wird das Mehrzahl­pronomen we („wir“) in bes­timmten Zusam­men­hän­gen (z.B. von König/innen) in Zusam­men­hän­gen ver­wen­det, in denen eigentlich I („ich“) ste­hen müsste. Bei englis­chen Pronomen ist die Unter­schei­dung zwis­chen Ein­zahl und Mehrzahl also ohne­hin sehr schwach aus­geprägt, weshalb Marsh argu­men­tiert, dass der Ein­zahl-Gebrauch von they endlich all­ge­mein akzep­tiert wer­den sollte.

Während es bei Marsh also eher um das Prob­lem der Bezug­nahme auf abstrak­te Per­so­n­en geht, greift Bryan Low­der, Redak­teur für die LGBTQ-Rubrik2 der amerikanis­chen Online-Zeitschrift Slate, die Prob­lematik der Pronomen für Men­schen auf, die sich in der Einord­nung „männlich/weiblich“ nicht wiederfind­en kön­nen oder wollen. Für diesen Fall ist in der LGBTQ-Gemeinde die Idee der „Pre­ferred Gen­der Pro­nouns“ (PGP) entwick­elt wor­den. PGPs stellen eine sehr radikale Lösung des Prob­lems geschlechtsspez­i­fis­ch­er Pronomen dar: Men­schen entschei­den ein­fach indi­vidu­ell, mit welchem Pronomen über sie in der drit­ten Per­son gesprochen wer­den soll. Dabei sind sie nicht auf die sprach­lich etablierten Alter­na­tiv­en he, she und they beschränkt, son­dern kön­nen auch Neuschöp­fun­gen bes­timmter Sub­kul­turen oder sog­ar Eigenkreatio­nen wählen.

Low­der schildert einen konkreten Fall aus dem Som­mer dieses Jahres, in dem es um xoJane-Autor*in s.e. smith ging. Der Gawk­er-Autor Hamil­ton Nolan hat­te sich in einem Beitrag über Yoga mit dem Pronomen she auf smith bezo­gen. Die Social-Media-Man­agerin von xoJane, Made­line Cronin, hat­te ihn daraufhin per E-Mail kon­tak­tiert, dass smiths Pre­ferred Gen­der Pro­noun ou sei, und gebeten, den Artikel entsprechend zu ändern. Nolan erfüllte ihr den Wun­sch bewusst halb­herzig, indem er im gesamten Artikel das she durch­strichen und ein ou dahin­ter set­zte. Außer­dem veröf­fentlichte er die E-Mails von Cronin als Nach­trag zu dem Artikel.

Dieser als respek­t­los emp­fun­dene Umgang mit dem Prob­lem und ein Slate-Artikel, in dem Low­der Zweifel an der Durch­set­zbarkeit von Pre­ferred Gen­der Pro­nouns äußerte löste wohl in Teilen der LBGTQ-Gemeinde Empörung aus. Belege für diese Empörung habe ich nicht gefun­den, ich habe aber auch nicht sehr inten­siv danach gesucht; s.e. smith selb­st reagierte äußerst entspan­nt.

Empörung oder nicht, aus sprach­wis­senschaftlich­er Sicht ist die Indi­vid­u­al­isierung von Pronomen ein inter­es­santes Prob­lem.

Ein­er­seits haben Per­son­al­pronomen ja eine ähn­liche Funk­tion wie Eigen­na­men (wir beziehen uns mit ihnen direkt auf Per­so­n­en), und bei der Ver­wen­dung von Eigen­na­men akzep­tieren wir ja oft (aber nicht immer, wie der Fall von Chelsea Man­ning zeigt) die Wün­sche des Beze­ich­neten. Ander­er­seits sind Per­son­al­pronomen ein Parade­beispiel für eine geschlossene Wortk­lasse (also eine Wortk­lasse, in der sich in der Sprachgeschichte nur über sehr lange Zeiträume Verän­derun­gen ergeben), und sie spie­len in der Gram­matik eine sehr zen­trale Rolle.

An dieser Stelle eine Indi­vid­u­al­isierung vorzunehmen, würde ein­er­seits das Prob­lem der Kat­e­gorisierung in „männlich/weiblich“ lösen, da sowohl Grup­pen als auch Indi­viduen die Möglichkeit hät­ten, Pronomen zu erfind­en, die für sie das gewün­schte dritte, vierte oder fün­fte, oder eben auch gar kein Geschlecht aus­drück­en. Ander­er­seits würde es tief in die Gram­matik ein­greifen und ver­langt allen Beteiligten sehr viel ab. Wir müssten nicht nur sehr tief eingeschlif­f­ene und weit­ge­hend automa­tisierte Sprachge­wohn­heit­en ändern, son­dern wir müssten alle Men­schen, über die wir reden, vorher fra­gen, mit welchem Pronomen wir das tun sollen, und uns die Wün­sche merken. Das ist im Bekan­ntenkreis oder in Sit­u­a­tio­nen, wo wir z.B. einen Artikel über eine bes­timmte Per­son schreiben, mit entsprechend viel gutem Willen und Engage­ment sich­er mach­bar. Als all­ge­meine Prax­is dürfte es allerd­ings schnell unüber­sichtlich wer­den, vor allem, da sich unsere indi­vidu­ellen PGPs jed­erzeit ändern kön­nten.

So span­nend ich das Phänomen der PGPs also finde (und aus sprach­wis­senschaftlich­er Sicht ist es zunächst nur eine sprach­liche Prax­is wie alle anderen, die es zu beobacht­en und zu beschreiben gilt), so wenig überzeugt bin ich, dass eine völ­lige Indi­vid­u­al­isierung von Pronomen im Sinne men­schlich­er Sprachen ist. Sprachen sind zwar extrem wan­del­bar, aber im Kern beruhen sie auf möglichst bre­it­en Übereinkün­ften darüber, welche Wörter und Struk­turen Teil ein­er Sprache sind und welche nicht, und was sie bedeuten, wenn sie es sind. Solche Übereinkün­fte sind immer prinzip­iell ver­han­del­bar, aber in so zen­tralen Bere­ichen wie Pronomen über­steigt der Aufwand solch­er Ver­hand­lun­gen meinem Gefühl nach den Nutzen. Es stellte sich dann auch die Frage, wo die Indi­vid­u­al­isierung der Sprache aufhören soll. Sollen auch indi­vid­u­al­isierte Ver­ben­dun­gen hinzukom­men (ein Prob­lem, das sich im Englis­chen weniger stellt als im Deutschen)? Sollen auch Adjek­tive, Ver­ben und Sub­stan­tive prinzip­iell indi­vid­u­al­isiert wer­den? Mir scheint, dass das schnell in einen sprach­lichen Solip­sis­mus führen würde, dem zu entkom­men erfordern würde, dass wir mehr über Sprache sprechen, als dass wir sie tat­säch­lich ver­wen­den.

Das soll nicht bedeuten, dass wir im Einzelfall nicht auch indi­vidu­elle Wün­sche bezüglich zu ver­wen­den­der Pronomen respek­tieren kön­nen. Wenn mir s.e. smith wichtig genug für einen Artikel ist, ist es zumin­d­est keine völ­lig abseit­ige Erwartung, dass mir auch smiths PGP einen Gedanken Wert ist (so wie ich ja in diesem Beitrag auch respek­tiere, dass s.e. smith sich durchgängig klein schreibt).

Aber als all­ge­meine Lösung scheint mir ein neu­trales Pronomen geeigneter, das eben außer „3 Per­son Ein­zahl“ keine weit­eren Infor­ma­tio­nen – über Geschlecht oder son­st etwas – enthält. Das Englis­che hat mit they ein solch­es Pronomen – denn inter­es­san­ter­weise find­et sich they immer häu­figer in Zusam­men­hän­gen, wo es nicht um abstrak­te Per­so­n­en geht, son­dern um konkrete Einzelper­so­n­en, deren Geschlecht der/die Sprechende aus welchen Grün­den auch immer nicht näher benen­nen will. Ein paar Beispiele:

  1. I met an old friend recent­ly and they asked me what I was up to these days. [Link]
  2. I have a friend who played it and they were using win­dows 8 too, they had the sound fine. [Link]
  3. I also asked my boss and they pret­ty much agree. [Link]

Im Deutschen funk­tion­iert das lei­der selb­st bei geschlecht­sneu­tralen Sub­stan­tiv­en nicht (7), und auch der Bezug auf abstrak­te Per­so­n­en ist mit Mehrzahl­pronomen nicht möglich (8):

  1. *Ich habe meinen Boss gefragt, und sie stim­men mir zu.
  2. ??Wenn jemand anruft, sag ihnen, ich bin in einem Meet­ing.

Aber was nicht möglich ist, kann ja möglich wer­den (dazu ein ander­mal mehr).

  1. Ich kön­nte hier ein­fach „Män­ner“ und „Frauen“ schreiben, aber inter­es­san­ter­weise ver­wen­den wir Pronomen nicht nach dem tat­säch­lichen Geschlecht, für das wir ja bei den meis­ten Men­schen nur indi­rek­te Evi­denz haben, son­dern nach dem ver­muteten. []
  2. LGBTQ ste­ht hier für Les­bian-Gay-Bisex­u­al-Trans­gen­der-Queer []

20 Gedanken zu „Pronomen für alle

  1. ke

    Sollen auch indi­vid­u­al­isierte Ver­ben­dun­gen hinzukom­men (ein Prob­lem, das sich im Englis­chen weniger stellt als im Deutschen)?

    Inwiefern? Ver­ben­dun­gen enthal­ten doch in bei­den Sprachen genau null Infor­ma­tion über geschlechtliche oder son­stige Kat­e­gorisierung von Men­schen.

  2. Wentus

    Die Unter­schei­dung zwis­chen Sin­gu­lar und Plur­al wird bei ver­schiede­nen Sprachen beson­ders bei “die Mehrheit” nicht so genau genom­men:
    Im Franzö­sis­chen sollte das Verb nach “la plus­part” eigentlich den Plur­al haben, aber viele Fran­zosen benutzen den Sin­gu­lar.
    (http://www.projet-voltaire.fr).
    Genau­so unein­deutig wird im Ara­bis­chen “أغلب الناس” benutzt.
    Im Spanis­chen ist es nach “la may­oría” umgekehrt.
    Kein Wun­der, dass es im Deutschen auch keine größere Klarheit gibt:
    “die Mehrheit der Abge­ord­neten stimmte/stimmten zu”
    (http://www.duden.de/rechtschreibung/Mehrheit)

  3. Nathalie

    Das Sin­gu­lar-they ist mir inzwis­chen auch schon oft begeg­net. Ich finde es eine sehr schöne Lösung und habe es in meinen per­sön­lichen Sprachge­brauch über­nom­men. Ein vere­in­heitlicht­es Sin­gu­larpronomen scheint mir ins­ge­samt auch die beste Lösung und im Englis­chen sehe ich da auch eine echte Chance, dass sich das durch­set­zen kön­nte. Im Moment dürften Sätze wie “If John calls, tell them that I’m in a meet­ing.” den meis­ten Men­schen noch nicht gut von den Lip­pen gehen, aber das ist ja vor allem Gewöh­nungssache.

    Im Deutschen ist das lei­der etwas kom­pliziert­er…

  4. Ralf E

    Für das Beispiel 8 gäbe es m.E. die Lösung kom­plett in den plur­al zu wech­seln: “Wenn welche anrufen, sag ihnen …”

  5. Anatol StefanowitschAnatol Stefanowitsch Beitragsautor

    @ Wen­tus: Bei kom­plex­en Nom­i­nalphrasen wie die Mehrheit der Abge­ord­neten schwankt die Kon­gruenz aus einem anderen Grund: sie beste­hen aus einem syn­tak­tis­chen Kopf, der seman­tisch eher mod­i­fizierend wirkt und im Sin­gu­lar ste­ht, und einem abhängi­gen Ele­ment im Plur­al, das aber seman­tisch den Kern der NP bildet. Sprachen (und Sprecher/innen) unter­schei­den sich hier darin, welchem Ele­ment sie bei der Ver­bkon­gruenz den Vor­rang geben. Das Englis­che geht hier aber deut­lich weit­er: Hier kön­nen auch sim­plexe NPs im Sin­gu­lar Plu­ralkon­gruenz aus­lösen, wenn sie sich auf eine Gruppe von Indi­viduen beziehen (The police has/have arrest­ed a sus­pect.).

  6. Anatol StefanowitschAnatol Stefanowitsch Beitragsautor

    @ ke: Bei indi­vid­u­al­isierten Pronomen geht es ja nicht mehr (nur) um geschlechtliche Kat­e­gorien, son­dern eben um indi­vidu­elle Kat­e­gorisierun­gen. Was geschieht z.B., wenn Paare nur noch mit einem speziell für sich erfun­de­nen Dual­pronomen ref­eren­ziert wer­den wollen? Nehmen wir Brad Pitt und Angeli­na Jolie, die ja bere­its einen gemein­samen Namen („Brangeli­na“) haben – die kön­nten jet­zt den Wun­sch nach dem Pronomen bran mit einem spez­i­fis­chen Dual­suf­fix -an äußern: Brangeli­na haan denied rumors that bran bean sep­a­rat­ing. Bran lovan bran­self more than ever.. (Ich merke ger­ade, per­son­al­isierte Pronomen mit eige­nen Ver­ben­dun­gen wären doch extrem cool.)

  7. Segantini

    Das Beispiel will mir ein wenig akademisch erscheinen. Entwed­er ich erwarte einen bes­timmten Anruf, dann kenne ich auch das Geschlecht (“wenn Hei­di anruft, sag ihr…”). Oder ich rechne all­ge­mein mit Anrufen, dann paßt der Plur­al (“wenn Leute anrufen, sag ihnen…”). Möglicher­weise rechne ich auch mit einem einzel­nen Anruf aus ein­er Gruppe von Per­so­n­en her­aus (“wenn die Fir­ma xy anruft, sag ihnen…”). Somit wäre — man möge mich ggf. eines besseren belehren — jed­er prak­tisch denkbare Fall abgedeckt.

  8. ki

    Was soll diese “Wohin soll das denn führen”-Rhetorik? Das sprach­wis­senschaftliche Urteil endet doch mit der Ein­schätzung von (sehr) indi­vidu­eller PGPs als, naja, ein­er der momen­ta­nen Funk­tio­nen von Pronomen ent­ge­gen­ste­hend und all­ge­mein zu unüber­sichtlich.
    Let­zteres ist schon eine Stroh­puppe: Ein­er­seits sind die Forderun­gen nach unüblichen Pronomen ger­ade noch eher vere­inzelt, ander­er­seits muss nicht jedes unübliche ein kom­plett selb­st erfun­denes sein.
    Ander­er­seits, und das finde ich wichtig, fehlt hier eine Dimen­sion: Nicht alle Men­schen *möcht­en* ihre PGPs in allen Sit­u­a­tio­nen ver­wen­det sehen, schon aus Grün­den der per­sön­lichen Sicher­heit. (Beispiel: http://fabianromero.com/post/43609714723/fabians-gender-pronoun-guidelines) Nicht mit allen losen Bekan­ntschaften käme eine also zwin­gend in die Sit­u­a­tion, sich mehr oder weniger obskure Pronomen über­haupt merken zu müssen.

    Wohin das alles führen soll, ach. Ja, sich­er gibt es Men­schen, die sich auf ihrem Blog gerne als Quing tit­ulieren lassen, oder alle auf sie bezo­gene Ver­ben­dun­gen durch * erset­zt haben möcht*. Das ste­ht dann aber auch dort. Dass in Abwe­sen­heitssi­t­u­a­tio­nen der Infor­ma­tion­ss­chicht Inter­net solche Infor­ma­tio­nen anders präsen­tiert wer­den müssen und wahrschein­lich auch anders aufgenom­men wer­den, dürfte diesen Per­so­n­en schon klar sein.

    Wichtig nur: Wer mir Pronomen­spräferen­zen mit­teilt, kann davon aus­ge­hen, dass ich mich ern­sthaft bemühe, die einzuhal­ten.

    (Davon bleibt natür­lich unberührt, dass das Deutsche kein Ein­zahl-they hat und so etwas drin­gend nötig wäre.)

  9. ke

    @ Ana­tol Ste­fanow­itsch:

    (Ich merke ger­ade, per­son­al­isierte Pronomen mit eige­nen Ver­ben­dun­gen wären doch extrem cool.)

    In der Tat! 😀 Und so weit­er: Ana­tiana habig sön mal wieder eine tolle Kolumne fürs Migazin ein­fall­en lassen…

  10. Kristin Kopf

    Ist natür­lich die Frage, ob man PGP in ein­er der­art indi­vidu­ellen Form noch als Pronomen beze­ich­nen kann, oder ob sie nicht eher eine Form von Eigen­na­men sind. Ander­er­seits scheinen sie kürz­er zu sein, laut­lich nicht unbe­d­ingt mit dem Eigen­na­men ver­wandt und dort ver­wen­det zu wer­den, wo man ein Pronomen erwartet. Span­nend!

  11. Katie

    Ich benutze Sätze wie “Wenn jemand anruft, sag ihnen, ich bin kurz weg”. Ver­mut­lich bin ich durchs Englis­che bee­in­flusst.
    Ich würde mich nur wün­schen, dass die Form mit dem neu­tralen “they” viel öfter in Schulen in Deutsch­land ver­wen­det würde. Als Englis­chlehrerin tue ich das, meinen Schü­ler­I­nen fällt das aber schw­er und sie sagen eigentlich immer “him” oder vielle­icht, wenn sie gen­der­be­wusst sind, “him or her” mit der schö­nen Nach­stel­lung des weib­lichen Pronomens. Meine Ver­mu­tung ist, dass deutschsprachige Englis­chlehrerIn­nen das sin­gu­lar­ische they nicht genü­gend ken­nen. Ich wün­schte, es wäre Teil der Aus­bil­dung an den Unis und würde auch in Schul­büch­ern durchgängig ver­wen­det.

  12. Ariane

    Das indi­vid­u­al­isierte Pronomen wäre wirk­lich cool, aber ich glaube auch, es wäre zu aufwendig und Sprache läuft ja meis­tens automa­tisch ab und das bräuchte dauer­hafte bewusste Konzen­tra­tion.
    Neulich erzählte mir jemand, er hätte noch einen Nach­barn, der statt “Du” das alte “er” ver­wen­det. Also statt “Kannst du bitte wegge­hen?” “Kann er bitte wegge­hen?” (Gibts das eigentlich auch in der weib­lichen Form?)
    Mein Bekan­nter ging recht ver­wirrt aus diesem Gespräch hin­aus. 🙂
    Ich selb­st mag den Plur­al auch, finde es aber ein­fach­er, wenn man einen indi­rek­teren Bezug hat. Z.b. “Wenn jemand anruft, sag allen, ich bin im Gespräch”

  13. Pingback: Femännliche Womänner | Schrift, Sprache, K11n, Wissenschaft

  14. RedPony

    Wozu der Stress? Ein­fach­ste Lösung im Deutschen: PP ein­fach weglassen.
    Bsp: Wenn jemand anruft, sag: Ich bin im Meet­ing!

    Ich hab mit meinem Boss gesprochen und bekam Zus­tim­mung.

    etc…

    Klingt auch nicht schlim­mer als so manch­es poli­tisch kor­rek­tes Kon­strukt 😉

  15. Ralf Muschall

    Sind per­son­al­isierte Pronomen dann eigentlich noch Pronomen (dem Sinn nach — syn­tak­tisch bleiben sie es ja)?. Wenn man etwas per­son­al­isiertes ver­wen­det, ist man doch wieder da, wo man ohne Pronomen wäre und kön­nte auch gle­ich den Namen ein­set­zen.

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  17. Anatol StefanowitschAnatol Stefanowitsch Beitragsautor

    @ Ralf Muschall: Ja, wenn sie völ­lig per­son­al­isiert­er sind, sind es im Prinzip Namen sodass man dann eben­sogut den Namen selb­st ver­wen­den kön­nte – so habe ich es ja im Beitrag mit s.e. smith gemacht, um das Prob­lem der Pronomen zu umge­hen. Vielle­icht habe ich aber die Möglichkeit indi­vidu­eller Pronomen etwas zu sehr in den Vorder­grund gestellt: Wenn ich es richtig sehe, wählen Vertreter/innen der PGP im Nor­mal­fall einen der vie­len vorhan­de­nen Vorschläge für geschlecht­sneu­trale Pronomen – ou ist so ein Fall. Durch die PGP bilden sich also Grup­pen von Men­schen, die mit dem­sel­ben Pronomen beze­ich­net wer­den wollen. Im Sprachge­brauch macht das die Sache aber nicht viel leichter und es stellt sich die Frage, ob es der Funk­tion von Pronomen gerecht wird. Pronomen haben im Kern ja die sim­ple Funk­tion, für eine im Diskurs bere­its bekan­nte Per­son oder Sache zu ste­hen. Dass sie über­haupt Infor­ma­tio­nen über das Geschlecht ein­er Per­son enthal­ten, ist dafür schon über­flüs­sig und die Sache wird m.E. nicht bess­er, wenn wir der Kat­e­gorie Geschlecht an dieser Stelle noch mehr Platz ein­räu­men. Ich finde deshalb Über­legun­gen zu all­ge­mein anwend­baren geschlecht­sneu­tralen Pronomen zielführen­der als eine Indi­vid­u­al­isierung. Aber aus sprach­wis­senschaftlich­er Sicht ist das Phänomen PGP natür­lich extrem span­nend, da es eben Fra­gen nach der Funk­tion von Pronomen und deren Abgren­zung zu Namen aufwirft.

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