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Mit Umweg vom Vogel zur Frucht: Die Kiwi

Eben habe ich das Wort Kiwi im ety­mol­o­gis­chen Wörter­buch nachgeschla­gen, um her­auszufind­en, wann es ins Deutsche entlehnt wurde. Das Resul­tat ist unspek­takulär – 20. Jahrhun­dert. Die Geschichte des Wortes ist dafür aber umso inter­es­san­ter:

Kiwi kommt aus dem Maori, ein­er poly­ne­sis­chen Sprache, die von den Ure­in­wohn­ern Neusee­lands gesprochen wurde und wird.

Am Anfang war kiwi einzig und allein ein flu­gun­fähiger Vogel, der in Neusee­land behei­matet ist. Wahrschein­lich ahmt das Wort den Ruf des Tieres nach und ist somit laut­ma­lerisch.

Der Kiwi wurde in Neusee­land ab der Mitte des 19. Jahrhun­derts zunehmend als Sym­bol für alles Mögliche ver­wen­det, Weit­er­lesen

Über flauschige Bibbili

Ich bin ger­ade dabei, die Dialek­tauf­nah­men, die ich für meine Mag­is­ter­ar­beit gemacht habe, zu analysieren. Dabei suche ich zu jedem Wort die althochdeutsche Form – auch zu Wörtern, von denen ich gar nicht weiß, ob es sie im Althochdeutschen schon gab.

Momen­tan halte ich mich ger­ade ein bißchen beim Wort Bib­bili auf, dem badis­chen Wort für ‘Küken’.

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Weil die Beze­ich­nung so offen­sichtlich anders ist als die hochdeutsche Form, ver­suchen die Dialek­t­sprecherIn­nen oft eine ety­mol­o­gis­che Erk­lärung dafür zu find­en. Dabei wird meis­tens der Bib­biliskäs ange­führt (laut Duden Bibeleskäs(e)), ein quarkähn­lich­er Rohmilchkäse – er taugt zur Erk­lärung des Wortes allerd­ings nicht, da er nach den Tieren benan­nt ist: Mit ihm wur­den die Küken früher gefüt­tert.

Friedel Scheer-Nahor von der Uni Freiburg hat sich dem Bib­bili 2001 in einem Artikel für die Badis­che Zeitung gewid­met. Sie führt das Wort auf eine Laut­malerei zurück:

Wer ein­mal gese­hen und gehört hat, wie eine Küken­schar hin­ter der Glucke her­läuft, wird sich denken kön­nen, dass sowohl Bib­bili als auch Zib­bili tre­f­fende laut­ma­lerische Bil­dun­gen sind.

Auf ihrer Seite gibt es auch eine schöne Karte zum The­ma, auf der man die Ver­bre­itung des Wortes in Baden sehen kann:

Leserumfrage Badische Zeitung

Leserum­frage Badis­che Zeitung (mit fre­undlich­er Genehmi­gung von Friedel Scheer-Nahor)

Neben Bib­bili gibt es also noch zahlre­iche weit­ere Wörter für Küken im Badis­chen. Was auf­fällt ist, dass sie alle auf -li oder -le enden. Das ist die badis­che Endung, die dem hochdeutschen -lein entspricht, eine Verkleinerungs­form (“Diminu­tiv”). Die Endung -chen gibt es übri­gend im ale­man­nis­chen Sprachge­bi­et nicht – selb­st das Mäd­chen heißt Maid­li. Ich nehme an, dass -l(i|e) auch bei Bib­bili die Verkleinerungsendung darstellt, also nur bib­bi (bzw. zib­bi) laut­ma­lerisch ist. (Im Hochdeutschen haben wir ja auch piep­piep als Vogel­geräusch.)1

Bib­bili ist aber bei Weit­em nicht aufs Badis­che beschränkt. Auf ein­er Seite mit Schu­lauf­sätzen von Schweiz­er Kindern find­en sich z.B. eine Menge Tre­f­fer:

  • Im näch­sten Raum entwick­el­ten sich die Bibili im Ei.
  • Sie haben sehr viel Bibili und Eier. Wir durften ein Frei­land­bibili und zwei gezüchtete Bibili mit­nehmen.
  • Die Bibili sind gelb. Die Bibili sind gewach­sen. Die Bibili haben schon Schwanzfed­ern. Die Bibili piepsen viel.

Und auch son­st scheint es in der Schweiz ein respek­ta­bles Wort zu sein:

  • Banker helfen Bibeli auf die Beine (blick.ch)
  • Brah­ma Hüh­n­er-Bibeli zu verkaufen (tier-inserate.ch)
  • Was macht ihr mit den Bibeli, wenn sie gross sind? Gehen sie zurück auf einen Bauern­hof? (fichten.ch)

Weit­er nördlich und west­lich find­et sich das Wort eben­falls noch:

  • Pfälzisch (Pfälzis­ches Wörter­buch):
    • Bib, Bibi n.: 1. ‘Huhn’, Sprache des Kleinkindes, Bib (bīb), meist in der Wieder­hol­ung Bibib (bibīb) […]
    • Bibilchens-käse m.: ‘weißer Käse’, eigentl. ‘Käse, mit dem man die Bibichen (Hüh­nchen) füt­tert’ […]
  • Mosel­fränkisch & Ripuar­isch (Rheinis­ches Wörter­buch):
    • Bibb […]: 1. Lock­ruf für Hüh­n­er […], 2. Bibb, meist -che (-ī-) Huhn, Kosen., bes. in der Kinderspr[ache …]
  • Elsäs­sisch (Elsäs­sis­ches Wörter­buch):
    • Bibbele­fleisch n. eig. Fl. von einem Hüh­nchen.
  • Lothringisch (Lothringis­ches Wörter­buch):
    • Bible […] pl. 1. Küch­lein. […] – 2. Huhn in der Kinder­sprache […]

Für östlichere Gebi­ete habe ich lei­der keinen Onlinezu­griff auf wis­senschaftliche Wörter­büch­er. (Bairisch? Thüringisch? Säch­sisch? Öster­re­ichisch?) Ein Öster­re­ichisch-Online­pro­jekt führt aber Pip­pale auf, auch sehr ähn­lich.

Wie alt das Wort ist, kon­nte ich lei­der nicht her­aus­find­en – Grimms Wörter­buch hat keinen Ein­trag dafür, Adelung auch nicht. In den mit­tel­hochdeutschen Wörter­büch­ern find­et sich erst recht nichts, genau­sowenig im althochdeutschen (dort ist ein Küken ein huoniklîn, also ein kleines Huhn). Über mögliche Gründe kann ich nur spekulieren:

Es sieht so aus, als habe es zunächst einen Lock­ruf gegeben, mit dem man Hüh­n­er rief, und zwar Bib(i) – ganz ähn­lich wie Miez für Katzen. Daraufhin wurde der Lock­ruf oder das nachgemachte Piepsen als Beze­ich­nung für das Tier ver­wen­det, und zwar zuerst nur in der Kinder­sprache – also wie Wauwau. Irgend­wann begann man, die jun­gen Hüh­n­er mit ein­er Verkleinerungs­form davon zu beze­ich­nen. Diese Verkleinerung wurde wesentlich bere­itwilliger in die Erwach­se­nen­sprache aufgenom­men als Bib(i) selb­st. So find­et sich im Pfälzis­chen Bib(i) als kinder­sprach­lich, aber man bildet For­men wie Bibilchen­skäse, eine Zusam­menset­zung mit offen­sichtlich exis­ten­tem BibilchenKüken’. Für etwas kleines, flauschig-niedlich­es nahm man ein niedlich­es, kindlich­es Wort wahrschein­lich eher an als für ein aus­gewach­senes Nutzti­er.

Ob es das Wort schon “immer” gab, oder ob es in ver­schiede­nen Dialek­ten unab­hängig voneinan­der ent­standen ist, lässt sich wohl nicht fest­stellen. Es scheint zwar keine alten Quellen in mein­er momen­ta­nen Reich­weite zu geben, aber wenn das Wort kinder­sprach­lichen Ursprungs ist, ver­wun­dert das auch nicht weit­er. Wahrschein­lich hat es die alten Beze­ich­nun­gen für ‘Küken’ irgend­wann ver­drängt, die alten Beze­ich­nun­gen für ‘Huhn’ und ‘Hahn’ blieben aber erhal­ten.

So, jet­zt aber Ende der Speku­la­tion. Lokale Beze­ich­nun­gen für Küken sind in den Kom­mentaren hochwillkom­men!

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Japanische Schrift 1: Warum Hiragana keine Silben darstellen

(Teil 1 | Teil 2)

Ich habe mal wieder die Suchan­fra­gen durchge­blät­tert, die zum Sch­plock führten. Eine davon lautete:

katakana guten tag (24.4.2009)

Auf Japanisch heißt ‘Guten Tag’ kon­nichi­wa. (Zum Anhören dort auf den kleinen Pfeif drück­en.) Das wird nor­maler­weise so geschrieben: 今日は. Die ersten bei­den Zeichen sind soge­nan­nte Kan­ji, das let­zte Zeichen ist ein Hira­gana. In Katakana würde man es so schreiben: コンニチハ. Das tut man aber eigentlich nicht, weil Katakana Schriftze­ichen sind, mit denen man Fremd­wörter notiert, keine alteinge­sesse­nen japanis­chen Wörter (oder vor Ewigkeit­en aus dem Chi­ne­sis­chen entlehn­ten).

Vielle­icht wollte die Per­son aber auch wis­sen, wie die deutschen Wörter Guten Tag ausse­hen wür­den, wenn man sie auf Japanisch auf­schreiben wollte? Da wäre mein Vorschlag: グテン ターク (gu-te-n ta-a-ku).

Ein schön­er Anlass, um das mit den Kan­ji, Hira­gana und Katakana mal ein bißchen aufzu­dröseln:

Drei Schriftsysteme für eine Sprache?

Im Japanis­chen gibt es drei ver­schiedene Schrift­sys­teme. Zwei davon, die Katakana und die Hira­gana, sind sich sehr ähn­lich, das dritte, die Kan­ji, ist ganz anders und wird erst über­mor­gen behan­delt 😉 Welch­es Schrift­sys­tem wann ver­wen­det wird, ist klar definiert.

Die Kan­ji wer­den ver­wen­det für:

  • Sub­stan­tive
  • Wort­stämme von Adjek­tiv­en und Ver­ben

Die Hira­gana für:

  • gram­matikalis­che Endun­gen (Kon­ju­ga­tion), Par­tikeln, Hil­fsver­ben (Okuri­g­ana)
  • Wörter, für die kein Kan­ji mehr existiert
  • als Lese­hil­fe über/neben schwieri­gen Kan­ji (Furi­g­ana)

Und die Katakana für:

  • Fremd­wörter, die nicht aus dem Chi­ne­sis­chen kom­men (auch aus­ländis­che Eigen­na­men)
  • laut­ma­lerische Wörter (Ono­matopo­et­i­ka)
  • zur Her­vorhe­bung (wie Kur­sivschrift bei uns)
  • in der Wer­bung häu­fig für japanis­che Eigen­na­men

Die drei Schrift­sys­teme repräsen­tieren zwei sehr unter­schiedliche Ansätze des Schreibens. Die sich wiederum sehr deut­lich von unser­er Art unter­schei­den:

ABC und Alphabet

Alpha­betschriften fol­gen mehr oder weniger dem Prinzip, dass jed­er Laut (bzw. genauer jedes Phonem) durch einen Buch­staben (bzw. genauer ein Graphem) repräsen­tiert wird. Es beste­ht also eine Phonem-Graphem-Beziehung. Wed­er das gesproch­ene noch das geschriebene Wort haben irgen­deinen Bezug zur Wortbe­deu­tung, sie sind dem Beze­ich­neten gegenüber völ­lig willkür­lich. (Das ist nur bei laut­ma­lerischen Wörtern anders, da ähnelt der Klang dem Beze­ich­neten.)

2009-07-07-Alphabet

Man sieht hier also, dass zwar die Laut­struk­tur und die Schrei­bung von Geld miteinan­der verknüpft sind, der Bezug der bei­den zum realen Objekt aber extra gel­ernt wer­den muss.

Die meis­ten Sprachen der Welt wer­den in ein­er Alpha­betschrift notiert. Dazu gehört das lateinis­che Alpha­bet (a, b, c, …), das sich wie das kyril­lis­che (а, б, в, …) aus dem griechis­chen Alpha­bet entwick­elt hat (α, β, γ, …).

In Japan benutzt man keine Alpha­betschrift, son­dern:

Sil-ben-schrif-ten und die ominöse Mo-o-re

Es gibt auch Schrift­sys­teme, die nicht einen Laut, son­dern eine ganze Silbe in ein Zeichen steck­en.

2009-07-07-SilbeMoreHier sieht man, dass das japanis­che Wort für Geld in Hira­gana aus zwei Sil­ben beste­ht, ka und ne, und jede dieser Sil­ben hat ein Zeichen1. Wobei das etwas gel­o­gen ist – es passt zwar zufäl­lig für dieses Wort, aber eigentlich schreibt man bei Hira­gana keine Sil­ben, son­dern Moren. Moren sind Ein­heit­en, die etwas klein­er sind als Sil­ben. Wenn näm­lich eine Silbe einen lan­gen Vokal bein­hal­tet, dann wird der extra geschrieben.

Mut­ter heißt auf Japanisch okaasan (お母さん2). Das Wort beste­ht aus drei Sil­ben:

2009-07-07-okaasan

Es beste­ht aber gle­ichzeit­ig aus fünf Moren. Um Moren zu bes­tim­men, muss man die Silbe noch ein­mal in kleinere Teile zer­legen. Wer sich nicht für Sil­ben­struk­tur inter­essiert, kann den näch­sten Abschnitt ein­fach über­sprin­gen, aber ich ver­suche es leicht ver­ständlich zu erk­lären.

Eine Silbe beste­ht aus mehreren Bestandteilen. Wichtig für uns ist jet­zt mal nur das, was nach dem Kon­so­nan­ten kommt (falls ein Kon­so­nant am Anfang ste­ht). Wenn es ein kurz­er Vokal ist und die Silbe dann zuende ist, haben wir gar kein Prob­lem, Silbe und More sind iden­tisch. Das ist z.B. beim o von okaasan so. Deshalb bekommt das o auch nur ein einziges Hira­gana, näm­lich お.

Wenn aber ein langer Vokal fol­gt wie bei kaa, oder sog­ar ein Kon­so­nant wie bei san, ver­hält sich die Sache anders. Bei Lang­vokalen zählt nur der halbe Vokal zur ersten More, die andere Hälfte bildet die zweite More: ka|a. Dadurch bekom­men bei­de Teile ein eigenes Zeichen: か ka und あ a.

Bei Kon­so­nan­ten am Sil­be­nende zählt der Kon­so­nant eben­falls als Extramore: sa|n mit den Zeichen さ sa und ん n.

In Hira­gana hat das Wort also fünf Zeichen: okaasan. (Yeah, ich wollte schon immer mal ne retro-bon­bon­bunte Seite!)

Eine Sprache mit echter Sil­ben­schrift ist zum Beispiel das Chero­kee.

Über­mor­gen geht’s dann weit­er mit den Kan­ji …

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Fragen an das Internet beantwortet

Word­Press ver­fügt über eine elende Sta­tis­tik­funk­tion, die man stun­den­lang sinn­los anstar­ren kann. Um die vergeudete Zeit etwas zu recht­fer­ti­gen, will ich ein paar “Fra­gen” beant­worten, die über Suchan­fra­gen zum Sch­plock geleit­et wur­den, wo dann zwar die Such­wörter, nicht aber die Antworten vorhan­den waren.

schmettern ethymologisch (12.3.2009)

Wahrschein­lich ist es ein laut­ma­lerisches Wort, das irgend­wie mit mit­tel­hochdeutschem smîzen ‘stre­ichen, schmieren’ (das ist die Vor­form von schmeißen) und niederdeutschem schmad­dern ‘schmieren’ ver­wandt ist.

Im Mit­tel­hochdeutschen hieß es sme­tern und hat­te die Bedeu­tung ‘klap­pern, schwatzen’. Das Wort hat ab dem 16. Jahrhun­dert die Bedeu­tung ‘mit Geräusch hin­schleud­ern’, man musste also immer etwas schmettern. Später dann brauchte das Verb kein Objekt mehr, es beze­ich­net sei­ther eher die Tat­sache, dass etwas einen ‘krachen­den Schall’ verur­sacht. Wenn man ein Objekt ver­wen­den will, benutzt man hin­schmettern.

Danke übri­gens für die Inspi­ra­tion mit ethymol­o­gisch!

eichhörnchen etymologisch (22.3.2009)

Voll­tr­e­f­fer – eine Volk­se­t­y­molo­gie! Klas­sis­ch­er Fall für Olschan­sky: Schon im Althochdeutschen hat man das Wort als Zusam­menset­zung aus Eiche und Horn analysiert (eih­horno), dabei geht es eigentlich auf das ger­man­is­che Wort *aikur­na- zurück, was die indoger­man­is­che Wurzel *aig- bein­hal­tet, ‘sich heftig bewe­gen, schwin­gen’.

Obwohl also ety­mol­o­gisch von einem Horn nicht die Rede sein kann, wurde das Wort Mitte des 19. Jahrhun­derts zu ein­er generellen Beze­ich­nung für alle ver­wandten Nagetiere der Famile Sci­uri­dae wie z.B. Baumhörnchen, Erd­hörnchen, Flughörnchen.

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia (Ray eye), CC-by-sa-2.0-de

paumen hochdeutsch (19.3.2009)

Wahrschein­lich geht es hier um eine alte dialek­tale Form des Wortes Bäume. Zu Beginn der althochdeutschen Zeit gab es die soge­nan­nte “Zweite Lautver­schiebung”, und ein Teil davon, die “Medi­en­ver­schiebung”, verän­derte die west­ger­man­is­chen Laute b, d und g.

  • [d] wurde zu [t], das sieht man z.B. an Wörtern wie Tag, auf Englisch day, weil das Englis­che keine Zweite Lautver­schiebung hat­te. Es gibt noch massen­haft weit­ere Beispiele (Tochterdaugh­ter, Tordoor, Tierdeer, …).
  • [b] und [g] blieben im Hochdeutschen weit­er­hin [b] und [g] – ver­glichen mit dem Englis­chen ist also kein Unter­schied festzustellen: Buch book, Bierbeer, gutgood, graugrey, …

Im Alto­berdeutschen aber, vor allem im Alt­bairischen, wurde teil­weise [b] > [p] und [g] > [k]. (Es ist aber zumin­d­est in der Schrei­bung nicht kon­se­quent durchge­führt, oft ste­hen auch <b> und <g>.) Wir find­en in alt­bairischen Tex­ten also Wörter wie perg ‘Berg’, kot ‘Gott’ und paum, ‘Baum’. Hier ist z.B. ein Auss­chnitt aus dem Wes­so­brun­ner Gebet, dessen Entste­hung auf ca. 790 geschätzt wird:

Dat gafre­gin ih mit firahim fir­i­u­uiz­zo meista,
dat ero ni uuas noh ûfhim­il,
noh paum nih­heinîg noh pereg ni uuas,
ni suigli ster­ro nohheinîg noh sun­na ni scein,
noh mâno ni liuh­ta noh der mâręo sêo.
Dô dâr niu­ui­ht ni uuas enteo ni uuenteo
enti dô uuas der eino almahtî­co cot, …

(Text nach TITUS)

Das habe ich bei den Men­schen als größtes Wun­der erfahren: dass es die Erde nicht gab und nicht den Him­mel, es gab nicht den Baum und auch nicht den Berg, es schien nicht ein einziger Stern, nicht die Sonne, es leuchtete wed­er der Mond noch die glänzende See. Als es da also nichts gab, was man als Anfang oder Ende hätte ver­ste­hen kön­nen, gab es schon lange den einen, allmächti­gen Gott, …” (Über­set­zung aus Nübling 2006:23)

Und im Grimm­schen Wörter­buch gibt es einige Beispiele für paumen:

  • FRUCHTTRÄGERLEIN, n. frucht­knospe, bei MEGENBERG 93, 15: (vor dem blitz) ver­hül­let diu nâtûr diu fruht­trager­lein, daჳ sint die frühti­gen knödel (knötchen) auf den paumen, mit pletern, sam dâ ain amme ir kint ver­hül­let mit windeln.
  • FÜRBASZ , adv. weit­er, weit­er fort. […] STEINHÖWEL (1487) 64; doch nach langem seinen bedunken in gůt dauchte, seyt­mal er der fin­ster nacht hal­ben nitt fürpasz mochte, auf einen paumen ze steigen.
  • NACHSPÜREN, verb.1) intran­si­tiv, spürend fol­gen, aufzus­püren (zu erforschen, zu ergrün­den) suchen […] die aich­hörn­lein lof­fen / auf den paumen, der ich keim kund / nach-spüren, weil ich het kein hund. H. SACHS 4, 286, 8 K.

So. Auf die näch­sten Suchan­fra­gen ist das Sch­plock vor­bere­it­et!

Was bedeutet eigentlich … Schplock?

Ich habe mich ja naiver­weise für die Wortschöpferin gehal­ten, aaaaaber Urban Dic­tio­nary ist mir zuvorgekom­men:

Sch­plock: The noise a £2 coin in a con­dom makes when you hit some­one with it.

Wom­öglich ist das Wort in dieser Bedeu­tung auch noch fre­quenter als in mein­er …

Bei­de Wörter, Sch­plock1 (meines) und Sch­plock2 (das andere) klin­gen zwar gle­ich (sind also homophon), sind aber durch ganz unter­schiedliche Prozesse ent­standen.
Sch­plock1 ist eine Abkürzung von Sprach­blog (diese Art der Abkürzung nen­nt man “Kon­t­a­m­i­na­tion” oder “Kof­fer­wort”) mit Ver­schrif­tung der Palatal­isierung von s vor Plo­siv und der Aus­lautver­här­tung, Sch­plock2 hinge­gen ein laut­ma­lerisches (ono­matopo­et­is­ches) Wort.