Frohe linguistische Weihnachten!

Die Bescherung ist vor­bei:

Heute Abend will ich noch schnell eine Frage klären, und zwar warum es Wei­h­nachten heißt. Das ist eine alte Plu­ral­form, aber der Plur­al müsste ja eigentlich *Wei­h­nächte laut­en.

Das Wort Nacht war ursprünglich (im Althochdeutschen) ein soge­nan­ntes “Wurzel­nomen” und hat­te über­haupt keine Plu­ral­en­dung. Es hieß also in Ein- und Mehrzahl diu naht. Das war natür­lich äußerst unprak­tisch, weil man wed­er am Sub­stan­tiv selb­st, noch an umgeben­den Adjek­tiv­en o.ä. erken­nen kon­nte, um welchen Numerus es sich han­delte.

Im Mit­tel­hochdeutschen guck­te das Wort sich daher ein anderes Ver­fahren bei ein­er anderen Gruppe von Sub­stan­tiv­en ab: Die Kom­bi­na­tion von Umlaut und -e, die z.B. bei MachtMächte existierte. Viel prak­tis­ch­er. NachtNächte.

Das war aber nicht das einzige Vor­bild: In eini­gen Gegen­den schaute sich Nacht bei Wörtern wie Gaben die Endung -en ab. Die gab es damals aber noch nicht im kom­plet­ten Plur­al, son­dern nur im Gen­i­tiv und Dativ: Später verän­derte sich diese Gruppe weit­er, sodass es zur Endung -en im ganzen Plur­al kam, aber da war die Nacht schon nicht mehr mit von der Par­tie, sie hat­te sich in Nächte ver­wan­delt.

Jet­zt stellt sich nur noch die Frage, warum es Wei­h­nacht­en heißt, wenn das -en doch nur im Gen­i­tiv und Dativ auf­tauchte. Die Antwort? Wei­h­nacht­en war ein­mal eine Kon­struk­tion, und zwar ze den wîhen nacht­en ‘zu/an den geweihten/heiligen Nächt­en’. Man feierte nicht nur eine Nacht lang! Die Prä­po­si­tion ze forderte, wie zu heute, den Dativ, und der besaß die Endung.

Diese Kon­struk­tion wurde so inten­siv gebraucht, dass die Wörter wîhen nacht­en zusam­men­wuch­sen und Wei­h­nacht­en bilde­ten (das nen­nt man “Uni­ver­bierung”). Dabei bewahrten sie den alten Dativ Plur­al.

5 Gedanken zu „Frohe linguistische Weihnachten!

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  2. koma

    * Man feierte nicht nur eine Nacht lang! *

    Das tut man auch heute nicht, denn Wei­h­nacht­en ist am 25. und 26. 12., eben der 1. und der 2. Wei­h­nachts­feiertag.

  3. Antonym

    Und warum ist das Genus, wenn es denn gebräuch­lich ist und nicht als Wun­schformel floskel­haft gebraucht wird, Neu­trum?

    Das DWB meldet alle drei Gen­era als nach­weis­bar…
    “weihnacht,f. weihnachten,m. f. n. mhd. wîhe(n)naht(en) mhd. wb. 2, 302. 3, 613; Lex­er 3, 816. 882,
    mnd. wînacht­en Schiller-Lübben 5, 724. (…)”

  4. Kristin Kopf Beitragsautor

    @koma: Stimmt natür­lich.
    @Antonym: Welch­es Genus? Das von Wei­h­nacht­en? Ich kön­nte mir denken, dass es an das Wei­h­nachts­fest liegt, aber wer weiß.

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