Blogspektrogramm 51/2015

Und hier unsere Links der (let­zten) Woche(n): Um welche Art von Sprache ging es eigentlich bei der Ich­habpolizei-Debat­te? Warum sind Punk­te in Textnachricht­en so bedeu­tungss­chwanger gewor­den? Was assozi­iert man so mit dem Wort Flüchtling? Nach welchen Kri­te­rien wählt man in Öster­re­ich das Jugend­wort des Jahres? Und was stellt Migra­tion eigentlich mit Sprache an?

  • In der ZEIT analysiert David Hugen­dick die Debat­te um Jan Böh­mer­manns »Ich hab Polizei« aus, unter anderem, sozi­olin­guis­tis­ch­er Per­spek­tive: »[D]ie Sprache [ist] nicht bloß soziokul­tureller Herkun­ft­snach­weis: Es ist eine arti­fizielle Schöp­fung. Wom­öglich überse­hen das Böh­mer­manns Kri­tik­er, wenn sie sagen, er ver­al­bere nicht bloß Haft­be­fehls Sprach­duk­tus, son­dern damit auch das soge­nan­nte Kanak-Deutsch ein­er Min­der­heit. Es sei gewis­ser­maßen Klassenkampf von oben, in dem ein­er ohne­hin schon minoritären Gemein­schaft und ihrer als authen­tisch zugeschriebe­nen Aus­drucks­form des Gang­ster­raps wieder ihr sozialer und kul­tureller Platz zugewiesen werde. Diese Argu­men­ta­tion birgt mehrere Denk­fehler.«
  • Warum kom­men Punk­te am Ende von Textnachricht­en nicht gut an? Ana­tol kom­men­tiert für DEUTSCHLANDRADIO KULTUR eine aktuelle Studie von Celia Klin: »Wer am Ende ein­er Textnachricht einen Punkt set­zt, wirkt auf den Empfänger borniert und unaufrichtig. Das hat eine amerikanis­che Studie her­aus­ge­fun­den. Die Forsch­er kon­sta­tieren: Satzze­ichen haben eine sym­bol­is­che Eigen­dy­namik entwick­elt.«
  • Dass Flüchtling das Wort des Jahres ist, haben Sie sich­er mit­bekom­men — das FREIE RADIO hat sich mit Ana­tol darüber unter­hal­ten, welche Assozi­a­tio­nen es her­vor­ruft: »Wenn Sie sich so’n Wort wie Asy­lant anguck­en, das ein­deutig neg­a­tiv behaftet ist, dann sehn Sie, dass das mit so Wörtern wie ille­gal und krim­inell und so vorkommt, über­durch­schnit­tlich häu­fig, und das ist bei dem Wort Flüchtling eben nicht der Fall, das kommt mit ganz neu­tralen Wörtern in ganz vie­len ver­schiede­nen Zusam­men­hän­gen vor.«
  • Auch in Öster­re­ich gab’s kür­zlich Wörter­wahlen, der ORF berichtet, darunter ein Jugend­wort, das tat­säch­lich in Gebrauch sein soll: »Das Jugend­wort „zach“, ein echter „Aus­tri­azis­mus“, sei derzeit unter Jugendlichen stark in Ver­wen­dung. „Seine ursprüngliche Bedeu­tung ‚zäh‘ wurde mas­siv erweit­ert, sodass es heute jede Art Neg­a­tives meint und damit für alles ver­wen­det wird, was müh­sam, schwierig, prob­lema­tisch usw. ist“, so die Jury.«
  • Was tut Migra­tion mit Sprache? Für THE ATLANTIC beschäftigt sich John McWhort­er mit Mul­ti­eth­nolek­ten wie Kiezdeutsch, aber auch Black Eng­lish in den USA und Sha­ba Swahili im Kon­go: »If an adult immi­grates to Ger­many, chances are that his or her Ger­man will always be imper­fect. A lan­guage that, like Ger­man, forces you to remem­ber that forks are fem­i­nine, spoons are mas­cu­line, and knives are neuter seems designed to resist any­one speak­ing it well if they learn it after ado­les­cence. On the oth­er hand, that immigrant’s chil­dren, grow­ing up amid native Ger­man-speak­ers, will like­ly be able to speak per­fect Ger­man. But they might also speak some­thing else.«

Ein Gedanke zu „Blogspektrogramm 51/2015

  1. Vilinthril

    Kann bestäti­gen, dass „zach“ in Gebrauch ist. Allerd­ings schon seit Ewigkeit­en, also nicht wirk­lich „Jugend­wort“ im Sinne ein­er Neuerung/Neuentwicklung … aber immer­hin, nicht ganz daneben getrof­fen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .