Archiv des Autors: Kristin Kopf

Blogspektrogramm 39/2015

Heute im Spek­tro­gramm: Migra­tion, Flüchtlings»wellen«, Kevin, Chan­tal und Lil­ly, Ms und Mx, Hä? und Huh? und warum ein Men­sch und eine Flasche sich gar nicht so sehr unter­schei­den.

  • Für den STANDARD.AT hat Ana­tol eine kleine Sprachkri­tik zu wer­tenden und poten­ziell neu­tralen Wörtern für Men­schen, die in Europa Asyl beantra­gen, geschrieben: »Die Belei­di­gung liegt natür­lich nur im Auge des Betra­chters, der zwis­chen legit­i­men und ille­git­i­men, erwün­scht­en und uner­wün­scht­en, zu uns gehöri­gen und frem­den Flüchtlin­gen unter­schei­den möchte. Wir kön­nten von dieser Unter­schei­dung ablassen und akzep­tieren, dass Men­schen das selb­stver­ständliche Recht haben, frei von Angst, Hunger, Krieg und Ver­fol­gung zu leben, und dass sie dieses Recht unter anderem durch Ortswech­sel zu erre­ichen ver­suchen. Aus dieser Sicht würde es sich vielle­icht anbi­eten, das Wort “Migrant” als neu­trale Beze­ich­nung zurück­zuer­obern.«
  • Wenn er mit Medi­en redet, dann gründlich, also gab es diese Woche auch ein Inter­view mit BAYERN 2 zur Materie, mit ein­er wun­der­baren Zusam­men­stel­lung von O-Tönen am Anfang: »Das Prob­lem ist ja, dass das Wort Flüchtlingskrise so sehr stark die Krisen­haftigkeit der Gruppe, die dort nach Europa drängt, anlastet. Man kön­nte ja auch von ein­er Schlecht-vor­bere­it­et-sein-Krise sprechen, das wäre vielle­icht objek­tiv richtiger […]«
  • Anfang der Woche fand außer­dem die alljährliche Mainz­er Namen­ta­gung statt, dies­mal ein Crossover von Namen­forschung und Sozi­olo­gie. Mit der FAZ sprach Damaris Nübling in diesem Zusam­men­hang all­ge­mein über Vor­na­men und ihre soziale Bedeu­tung,  bei der SZ geht sie etwas weit­er in die Tiefe.
  • Wir haben ja schon vor zwei Wochen ver­linkt, dass OxfordDictionaries.com einen Ein­trag für Mx angelegt hat, ein­er geschlecht­sneu­tralen Anre­de­form. Lau­rie Pen­ny zieht im NEW STATESMAN Par­al­le­len zur Ein­führung von Ms in den 70ern und ruft dann zum Gebrauch der neuen Form auf: »We can only become what we can imag­ine and we can only imag­ine what we can artic­u­late. That’s why lan­guage mat­ters to our lives; that’s why lit­tle changes in gram­mar and vocab­u­lary can affect the entire archi­tec­ture of our polit­i­cal imag­i­na­tion. Today, sign­ing “Mx” on an appli­ca­tion form or an elec­tric­i­ty bill is an act of lin­guis­tic rebel­lion but, tomor­row, it could be ordi­nary. And that is how you change the world.«
  • Einen der diesjähri­gen Ig Nobel-Preise haben drei Lin­guis­ten bekom­men: Für Forschung zu Hä? und seinen Äquiv­a­len­ten in anderen Sprachen. Zum The­ma gibts übri­gens eine schön gemachte Inter­net­seite (Englisch) und einen schon älteren Artikel von Ari­ka Okrent (Englisch).
  • Und zum Schluss noch was zu Guck­en: THE LING SPACE erk­lärt im Video (Englisch), wie Ton­wellen entste­hen — und dass ein Men­sch sich gar nicht so sehr von ein­er Flasche unter­schei­det.

Blogspektrogramm 36/2015

Son­ntagskaf­fee getrunk­en? Dann ist jet­zt höch­ste Zeit für eine gemütliche Leserunde mit einem komis­chen Buch­staben, besorgten Leuten, Baby­na­men, dem Inter­net anno 2000 und Wörter­buchgeschicht­en.

  • Ein ÿ mit Punk­ten drauf? Die GFDS weiß, woher’s kommt und wann es benutzt wurde: »Beson­ders im 16. und 17. Jahrhun­dert, in der Renais­sance und im Barock, sind Schreib­weisen wie zwaÿ, Maÿ, Julÿ, Kaÿs­er oder seÿn zu find­en, sel­tener einige für unser heutiges Sprachge­fühl selt­sam anmu­ten­den Schrei­bun­gen wie wÿr (›wir‹). In dieser Zeit wur­den auch Ort­sna­men oder Namen von Regio­nen wie z. B. Steÿr, Tÿrol und Kÿburg oft mit ÿ ver­schriftet«
  • Wenn besorgte Men­schen sich irgend­wo äußern, dann sind das zunehmend Men­schen­feinde, stellt Mar­tin Haase auf NEUSPRECH fest: »Wer besorgt ist, macht sich Gedanken und will möglicher­weise sog­ar etwas zum Pos­i­tiv­en verän­dern. Jedoch wird b. lei­der auch in einem ganz anderen Kon­text ver­wen­det: als Euphemis­mus für frem­den­feindlich, ras­sis­tisch oder schwu­len­feindlich: b.-e Bürg­er protestieren gegen Flüchtlinge, b.-e Anwohn­er gegen Flüchtling­sun­terkün­fte in ihrer Nähe, wobei nicht sich­er ist, ob alle „Anwohn­er“ wirk­lich dort wohnen, wo sie protestieren. Worum sie sich eigentlich sor­gen, bleibt eben­so unklar. Um das Schick­sal der Flüchtlinge jeden­falls nicht.«
  • Deb­o­rah Cameron sieht sich auf LANGUAGE: A FEMINIST GUIDE an, welche Ruf­na­men Kinder momen­tan in Großbri­tan­nien bekom­men – und wirft einen Blick auf ihre Geschlechts­markierung: »In the ear­ly 20th cen­tu­ry ‘Dana’, ‘Mar­i­on’, Sta­cy’ and ‘Tra­cy’ were all androg­y­nous; but as they became more pop­u­lar with the par­ents of daugh­ters, they fell out of favour with the par­ents of sons. As a result, they have all become girls’ names. There are no exam­ples of a name mov­ing in the oth­er direc­tion, and this reflects the basic fem­i­nist insight that gen­der isn’t just a dif­fer­ence, it’s a hier­ar­chy.«
  • Gretchen McCul­loch hat in ihrer Jugend Stilempfehlun­gen von Wired gele­sen, die sie in ihrem Umgang mit Sprache nach­haltig geprägt haben — jet­zt hat sie sich eine alte Buchaus­gabe davon gekauft und ihr (Wieder-)Leseerlebnis für THE TOAST fest­ge­hal­ten: »The thing that stuck in my mind about the Wired style guide was the atti­tude. I’d read oth­er usage guides […] But while Strunk & White and their inher­i­tors con­sid­ered them­selves the last thing stand­ing between The Eng­lish Lan­guage and Mor­tal Per­il, Wired Style said, essen­tial­ly, No. We’re not the guardians of tra­di­tion, we’re a for­ward-fac­ing tech pub­li­ca­tion, and it’s essen­tial for us to be on the van­guard of lin­guis­tic change. Hyphens will drop even­tu­al­ly, so let’s drop them now; cap­i­tals will even­tu­al­ly de-cap­i­tal­ize, so let’s low­er­case as soon as the oppor­tu­ni­ty presents itself.«
  • Wörter­büch­er enthal­ten nicht nur Wörter, son­dern auch Sätze — und aus denen baut Jez Bur­rows auf DICTIONARY STORIES Kurzgeschicht­en: »Almost every word you’ll find in the dic­tio­nary will be accom­pa­nied by an exam­ple sen­tence. These sentences—researched and writ­ten by fear­less lexicographers—are intend­ed to demon­strate the most prob­a­ble usage of a word, in order to help you use it cor­rect­ly. All the sto­ries col­lect­ed here are writ­ten entire­ly using exam­ple sen­tences from the New Oxford Amer­i­can Dic­tio­nary, with noth­ing added except some punc­tu­a­tion to piece them togeth­er.« Für das Deutsche wurde so etwas auch gele­gentlich schon unter­nom­men, allerd­ings nicht zum Spaß, son­dern als Gesellschaft­skri­tik (z.B. Luise Pusch: Das DUDEN-Bedeu­tungswörter­buch als Triv­ial­ro­man).

Blogspektrogramm 35/2015

Nach­dem sich let­zte Woche gezeigt hat, dass der Vorspann, den wir übri­gens deshalb schreiben müssen, damit sich die Ini­tiale nicht unschön auf das Lay­out auswirkt, doch gele­sen wird, denke ich grade darüber nach, dass dieser Satz sich exzel­lent dazu eignen würde, das Mys­teri­um unter- und über­ge­ord­neter Sätze mit meinen Studieren­den zu besprechen. Doch zu Nahe­liegen­derem: Diese Woche hat unser Spek­tro­gramm schwammige Leis­tungs­bere­iche, gener­ische Fem­i­ni­na, Mut­ter­sprach­förderung, englis­che Sprachgeschichte und unbe­merk­te Laute an Bord!

  • Auf NEUSPRECH analysiert Mar­tin Haase, warum man lieber “im Leis­tungs­bere­ich etwas tut” als “Mit­tel kürzt”: »Dass Poli­tik­er etwas tun kön­nen und auch soll­ten, ist unstrit­tig. Im obi­gen Zitat von Innen­min­is­ter Thomas de Maiz­ière ist allerd­ings nur aus dem Kon­text zu erken­nen, was er tun will: Asyl­be­wer­bern sollen Leis­tun­gen gekürzt wer­den.«
  • Lalon Sander hat aus­pro­biert, wie TAZ-LeserIn­nen reagieren, wenn ein Artikel im gener­ischen Fem­i­ninum geschrieben ist: »Die Diskus­sion darum hat jeden­falls deut­lich mehr Zeit gekostet, als ich brauchte, um den Text so zu schreiben. Und die paar­mal fünf Buch­staben mehr haben viel weniger Platz im Inter­net ver­schwen­det, als die vie­len lusti­gen Plä­doy­ers verun­sichert­er Män­nern dafür, alles doch ein­fach so zu lassen, wie es ist.«
  • Har­ald Clah­sen hat mit den POTSDAMER NEUSTEN NACHRICHTEN ein bißchen darüber gesprochen, dass es wichtig ist, Kinder von Asyl­be­wer­berIn­nen auch in ihren Mut­ter­sprachen zu unter­richt­en: »Ich halte es für einen Fehler, sich im Bil­dungs­bere­ich nur auf die deutsche Sprache zu konzen­tri­eren, es darf aber auch nicht ver­nach­läs­sigt wer­den. Kindern – beispiel­sweise von ara­bisch sprechen­den Asyl­be­wer­bern – wird die Chance ver­wehrt, mehrsprachig aufzuwach­sen.«
  • Wo kommt das Englis­che her? Claire Bow­ern erklärt’s im TED-ED-Talk, auch das Deutsche hat einen kurzen Gas­tauftritt. (Bish­er lei­der keine deutschen Unter­ti­tel ver­füg­bar.)
  • In THE WEEK wirft James Har­beck einen Blick auf Laute des Englis­chen, die von den SprecherIn­nen gar nicht so recht bemerkt wer­den: »It’s not sim­ply that there are some sounds we don’t make in Eng­lish. It’s that there are sounds we actu­al­ly make, but we think they’re the same as some oth­er sounds. Here’s your guide to some pairs of sounds that oth­er lan­guages treat as dif­fer­ent sounds, but we in Eng­lish treat as the same — and may not even hear the dif­fer­ence.« Zwei der erwäh­n­ten Phänomene gibt es im Deutschen auch: Die Aspi­ra­tion und den Glot­tisver­schlus­slaut, wobei let­zter­er bei uns an ganz anderen Stellen auf­taucht als im Englis­chen — aber eben­so unbe­merkt.

Blogspektrogramm 33/2015

Woher kom­men Spi­one? Was haben Fam­i­lie Sauerteig und Fam­i­lie Beck­er mit Lin­guis­tik zu tun? Welche amerikanis­chen Schimpfwörter tre­f­fen wo beson­ders? Was passiert eigentlich sprach­lich bei den Min­ions? Und wie schreibt man Zeitungsar­tikel, die pursten Unsinn über Frauen und Sprache verzapfen? Alle Antworten gibt’s in unserem heuti­gen Spek­tro­gramm:

  • DR. BOPP stellt sich die Frage, woher eigentlich das Wort Spi­on stammt, und ent­deckt, dass bei sein­er Entste­hung wohl Worts­pi­onage im Spiel war: »Weil das Aus­pi­onieren und das Fan­gen oder eben Nicht­fan­gen von Spi­o­nen in Deutsch­land ger­ade wieder ein­mal aktuell ist, habe ich mich gefragt, woher das Wort Spi­on eigentlich kommt. Es ist ein Wort, das – gar nicht so unpassend – in sein­er Geschichte die Sprach­gren­zen mehr als ein­mal über­schrit­ten hat.«
  • Das KULTURRADIO hat diese Woche kurz in einem Inter­view das Dig­i­tale Fam­i­li­en­na­men­wörter­buch Deutsch­lands vorgestellt (run­ter­scrollen bis »Online-Lexikon sämtlich­er Fam­i­li­en­na­men in Deutsch­land«), das derzeit entste­ht. Wer schon ein­mal in den ersten Wörter­buchar­tikeln blät­tern will, wird hier fündig.
  • Wie (be)schimpft man in den USA? Twit­ter liefert wun­der­bare Dat­en dazu, wie der GUARDIAN beschreibt: »Call­ing some­one an “ass­hole” in Geor­gia or Alaba­ma might upset some peo­ple, but in these states, it’s appar­ent­ly fine to use “bitch”, “damn” or “shit” to express every­day frus­tra­tion.«
  • Sprechen die Min­ions eigentlich eine Sprache? Car­o­line Zola ist dem für LEXICON VALLEY nachge­gan­gen: »[W]hile some peo­ple do cre­ate com­plex lin­guis­tic sys­tems for made-up char­ac­ters (Na’vi for Avatar, Dothra­ki for Game of Thrones, Klin­gon for Star Trek, and Elvish for Lord of the Rings), it’s tough to call Min­ionese a true lan­guage. It’s more a com­bi­na­tion of cute and vague­ly rec­og­niz­able sounds strung togeth­er and deliv­ered with such mean­ing­ful inflec­tion that they get the mes­sage across.«
  • Deb­o­rah Cameron von LANGUAGE: A FEMINIST GUIDE haben wir hier schon gele­gentlich ver­linkt — in let­zter Zeit plagt sie sich mit Artikeln herum, die Frauen »Ratschläge« dazu geben, wie sie sprechen sollen. Daraus hat sie nun die ulti­ma­tive Anleitung für Bull­shi­tar­tikel zum The­ma des­til­liert: »You can estab­lish that the thing is a real thing by using anec­da­ta and exploit­ing con­fir­ma­tion bias. ‘Have you noticed that thing women do?’ you might begin. If the thing is already a cliché, like uptalk, then you’ll imme­di­ate­ly have them nod­ding; if it’s not then they prob­a­bly won’t have noticed it, but many of them will think that’s only because they’re not as obser­vant or as keen­ly attuned to the zeit­geist as you are. Either way, you’re prim­ing them to accept your premise. Then you can fol­low up with a tedious anec­dote involv­ing some every­day sce­nario your read­er can relate to.«

Blogspektrogramm 31/2015

Die deutschen Blogs scheinen alle Som­mer­pause zu machen — aber an Englis­chem gibt es einiges zu lesen:  Wenn man franzö­sis­ches Scrab­ble kann, kann man dann auch Franzö­sisch? Warum muss Fem­i­nis­mus sneaky sein? Und was tun Men­schen so, die das englis­che th nicht über die Lip­pen brin­gen?

  • Die DW hat sich bei Mar­i­je Michel erkundigt, was es eigentlich bedeutet, dass ein Neuseelän­der franzö­sis­ch­er Scrab­ble­meis­ter ist: »What’s impor­tant is that this guy didn’t learn French — he learned French words. There’s a huge dif­fer­ence between learn­ing a lan­guage and learn­ing words. Learn­ing words is much more com­pa­ra­ble to learn­ing num­bers. […]  But what he learned is just the spelling. He doesn’t know what the words mean or how they’re con­nect­ed to oth­er words. He doesn’t know whether they are arti­cles or nouns or verbs and he doesn’t know how to put them in a sen­tence. He doesn’t even know how to pro­nounce them. In that sense, it’s just like a string of let­ters next to each oth­er for him.«
  • Katy Wald­man wun­dert sich auf LEXICON VALLEY darüber, dass Fem­i­nis­mus in den US-amerikanis­chen Medi­en häu­fig mit Adjek­tiv­en wie sneaky und sly verse­hen wird, wenn über Fernsehse­rien und Filme berichtet wird: »Call­ing some­thing “sneak­i­ly feminist”—the phrase is almost always complimentary—announces that you, unlike equal­ly right-think­ing but less rea­son­able indi­vid­u­als, are chill. You under­stand what it takes to be lik­able, appeal­ing. Not least, when you “dis­cov­er” a show’s “hid­den” fem­i­nism, you seem smart and cre­ative. That’s use­ful for a writer in search of a spark­ly frock in which to wrap her dis­mal obser­va­tion that some new thing in the cul­ture mirac­u­lous­ly doesn’t hate women, yay.«
  • Sis is out­ra­geous! Da haben wir wohl let­zten Okto­ber nicht aufgepasst, als Geoff Lind­sey auf SPEECH TALK über die Aussprache von th — das übri­gen zwei ver­schiedene Laute repräsen­tiert — geschrieben hat. Neben dem typ­isch deutschen s-Laut wird es auch häu­fig durch f erset­zt, w und d sind auch wichtig. Hier wird alles schön erk­lärt und mit vie­len Hör­beispie­len verse­hen: »When we look at vari­a­tion and change in lan­guages with den­tal frica­tives, it’s unsur­pris­ing to find that some accents lack them. Castil­ian Span­ish, for exam­ple, has θ, but words which have this sound in Castil­ian are wide­ly pro­nounced with s in Latin Amer­i­ca – in oth­er words, the Berlitz-Ger­man pat­tern. Native Eng­lish-speak­ing th-chang­ers do not gen­er­al­ly fol­low the Berlitz-Ger­man pat­tern.«

Blogspektrogramm 29/2015

Links, Links, Links: Heute gibt es hier Dessous, ange­blich unsich­er sprechende Frauen, jede Menge Scheiße, ein wenig Inter­netlin­guis­tik und unter­halt­same Reime. Los geht’s:

  • Wer seine her­ren­lose Dame­nun­ter­wäsche sucht, soll sich melden? Auf LAUT UND LUISE amüsiert sich Luise Pusch über eine Zeitungsmeldung.
  • Warum schreibt man Frauen immer wieder vor, wie sie sprechen soll­ten, um ern­stgenom­men zu wer­den? Und sprechen sie wirk­lich so, wie man landläu­fig ver­mutet? Deb­o­rah Cameron sieht sich die Sache auf LANGUAGE: A FEMINIST GUIDE genauer an»Dur­ing an item in which the come­di­an Viv Groskop dis­cussed her new show about women’s habit of con­stant­ly say­ing sor­ry, anoth­er guest, the lin­guist Louise Mul­lany, point­ed out that the stereo­type of women con­stant­ly say­ing sor­ry has not been borne out by research. But the pre­sen­ter and Groskop just brushed this aside. Every­one knows that women ‘over-apol­o­gize’. The ques­tion is—to quote the trail­er on the programme’s website—‘why do women do it, and how can they stop?’« (Via @texttheater)
  • Christo­pher Bergmann macht sich auf ISOGLOSSE Gedanken zu Fäkalien im Deutschen, Englis­chen und Nieder­ländis­chen und trifft auf ein großes Wort­durcheinan­der: »Some hun­dreds of years ago, [the Dutch word shi­jt] still referred to fae­ces, or to liq­uid stool in par­tic­u­lar, but the only mean­ing in con­tem­po­rary lan­guage is ‘the state of hav­ing diar­rhoea’. Unlike ‘Scheiße’ and ‘shit’, ‘schi­jt’ is not used as a swear­word in Dutch.« (Via @Vilinthril)
  • LINGUISTLAURA stellt eine Unter­suchung zur Bedeu­tung von cheeky vor, zu der sie durch ein Meme angeregt wurde: »Do you call a mis­be­hav­ing child a cheeky mon­key? Do you ever go for a cheeky beer after work? Would you take your Sig­nif­i­cant Oth­er out for a cheeky Valentine’s Day din­ner at a nice Ital­ian restau­rant? Chances are you said no to the last ques­tion, not because you wouldn’t make such a roman­tic ges­ture, but because cheeky doesn’t sound right in that sen­tence. What’s more, if you’re from the Unit­ed States, you prob­a­bly aren’t as keen on the word cheeky in the first place. At least that’s what we thought when the cheeky Nando’s meme went viral a few weeks ago.«  
  • Auf SENTENCE FIRST hat Stan Carey Reime zu lin­guis­tis­ch­er Fachter­mi­nolo­gie gesam­melt, die er Anfang Juli getweet­et hat. Für Laien nicht so amüsant, für Men­schen mit ein bißchen Hin­ter­grund umso mehr: »A is for ARBITRARY: a sound’s tie to mean­ing.
    B is for BACK-FORMED, like dry-clean from dry-clean­ing. It is CLEFT that C is for, the clause now divid­ed.
    D is for DESCRIPTIVISM, objec­tive­ly guid­ed.E is for ETYMON, whose ety­mon is Greek.
    F is for FRONT, like the vow­els in sneak peek

Blogspektrogramm 27/2015

Heute gibt es ein min­i­mal­is­tis­ches Spek­tro­gramm, aber dafür the­ma­tisch per­fekt abges­timmt: Über Like-Dau­men, Ironie im Inter­net und Hash­tags.

  • Ein kleines Kom­mu­nika­tion­ss­chnipselchen habe ich diese Woche im TECHNIKTAGEBUCH fest­ge­hal­ten.
  • Sarkas­mus und Ironie gehen im Inter­net oft ver­loren — wie man versucht(e), sie schriftliche zu trans­portieren, hat Gretchen McCul­logh für THE TOAST aufgeschrieben: »But while these genius­es were com­ing up with fan­ci­ful addi­tions to the key­board, reg­u­lar cit­i­zens were tak­ing mat­ters into their own, air-quot­ing hands. We’ve end­ed up with a whole lot of them, and for the most part they’ve been spon­ta­neous­ly invent­ed by res­i­dents of the inter­net. Let’s take a look — and then we’ll get back to why these meth­ods suc­ceed­ed where cen­turies of pro­posed irony punc­tu­a­tion had failed.« (Via @inkbotkowalski)
  • Vyvyan Evans argu­men­tiert im GUARDIAN dafür, dass Hash­tags für sprach­liche Inno­va­tion sor­gen: »[T]he hash­tag, devel­oped for use in dig­i­tal com­mu­ni­ca­tion, is now cross­ing over into more tra­di­tion­al modes of lan­guage pro­duc­tion, such as sto­ry writ­ing. So what has prompt­ed chil­dren, nor­mal­ly too young to hold Twit­ter accounts, to begin to use the hash­tag in this new way? And what does this inno­va­tion say about new forms of dig­i­tal com­mu­ni­ca­tion: is tech­nol­o­gy giv­ing rise to new types of lan­guage?« 

Blogspektrogramm 25/2015

Da ist es wieder, das Spek­tro­gramm! Wir liefern Links zu Deos, Geschlecht­sor­ga­nen, Lexiko­grafie und Aus­tralien und set­zen am Ende noch eine Umfrage zum Englis­chen drauf. Viel Spaß!

  • Über den Plur­al von Deodorant…s…e…? hat sich DR. BOPP Gedanken gemacht: »Woher kom­men nun die Plu­ral­for­men Deodor­antien und Anti­tran­spi­rantien, die Sie eben­falls ent­deckt haben. Aus dem Englis­chen oder Franzö­sis­chen stam­men sie ja nicht.«
  • Weib­liche Geschlecht­sor­gane: Erstaunlich wenige Frauen (und Män­ner) haben laut ein­er britis­chen Umfrage Wörter dafür — wed­er formellere noch intimere Beze­ich­nun­gen. Auf LANGUAGE: A FEMINIST GUIDE denkt Deb­bie Cameron darüber nach und stellt Stu­di­en zum The­ma vor: »In some situations—informal ones, inti­mate ones—you might feel the need for non-clin­i­cal terms; ide­al­ly you might want these to be nei­ther coy euphemisms like ‘lady parts’ or taboo words like cunt. For the male gen­i­tals, this mid­dle ground is occu­pied by words like willy, knob and balls. But what are the female equiv­a­lents?«
  • Was tut eigentlich eine Lexiko­grafin so? Auf MENTAL FLOSS erzählt Kory Stam­per von ihrem Job: »She explains what it takes to become a word, why angry let­ters are also inspir­ing, and how a day in the life of a dic­tio­nary edi­tor includes both death threats and mar­riage pro­pos­als.«
  • Auf SUPERLINGUO dreht es sich diese Woche um Schreibentschei­dun­gen im aus­tralis­chen Englisch: Warum hat die Ori­en­tierung an der britis­chen Norm so einen hohen Stel­len­wert während die amerikanis­che ver­achtet wird? »We’ve long since reject­ed the posh British ‘received pro­nun­ci­a­tion’ spo­ken accent that iden­ti­fied ele­vat­ed class in Aus­tralia (…).  But it seems that spelling and lex­i­cal pref­er­ences for UK Eng­lish remain cul­tur­al and class mark­ers, which is espe­cial­ly con­tra­dic­to­ry when peo­ple who oth­er­wise reject impe­r­i­al arte­facts get shouty about main­tain­ing the “right way” of spelling a word in Aus­tralia, using UK Eng­lish forms.«
  • Und zulet­zt noch etwas zum Mit­machen: Robert Fuchs führt eine Studie zum Englis­chen in Deutsch­land durch und sucht noch Teil­nehmerIn­nen. Er hat ver­sprochen, das Sprachlog dann auch über die Ergeb­nisse zu informieren — wir sind ges­pan­nt! »Englisch ist in Deutsch­land in vie­len Bere­ichen all­ge­gen­wär­tig. Wir inter­essieren uns für Ihre Erfahrun­gen und Ihre Mei­n­ung zu diesem The­ma. Wenn Sie diesen Frage­bo­gen aus­füllen, kön­nen Sie Ihre Ansicht­en und Erfahrun­gen mit der englis­chen Sprache aktiv teilen. [..] Der Frage­bo­gen richtet sich an alle Men­schen in Deutsch­land unab­hängig davon ob und wie gut sie Englisch sprechen. Es inter­essiert uns, wie Sie per­sön­lich über jede Frage denken.«

Blogspektrogramm 22/2015

Langes Woch­enende, langes Spek­tro­gramm: Bunt gemis­cht geht es heute zunächst um gierige Wörter, dann aus zwei ver­schiede­nen Per­spek­tiv­en um Emo­ji und schließlich um geschlecht­sneu­trale Pronomen. Wer sich außer­dem für Pfin­g­sten inter­essiert, kriegt ganz am Schluss noch einen Archivtipp.

  • Was haben Gier, Begierde und Neugi­er miteinan­der zu tun? Schon so einiges, aber auf ver­schlun­generen Pfaden, als man so denken kön­nte! FRAGEN SIE DR. BOPP hat’s aufgeschrieben: »[Ä]hnliche Wörter bee­in­flussen einan­der häu­figer im Laufe der Wort­geschichte, auch wenn ihr Entste­hungs­geschichte nicht ganz gle­ich ist. In diesem Fall haben wir es mit drei Wörtern zu tun, deren Geschichte unter­schiedlich­er ist, als man auf den ersten Blick annehmen würde.«
  • Sind Emo­ji Sprache? NEWS.COM.AU hat mal unter Lin­guistIn­nen rumge­fragt: »Dr Bryant, who said she found using emo­ji as fun, gave the exam­ple of a sim­ple text mes­sage you might send your part­ner: “Pick up some bread on the way home and by the way the babysit­ter has to leave ear­ly because her moth­er is sick”. “Now say that in emo­ji,” she said.«
  • Auch in der ZEIT ging es diese Woche um das The­ma, unter anderem wurde Ana­tol befragt: »Emo­jis, so sehen es sowohl Ste­fanow­itsch als auch Leb­dus­ka, ver­mit­teln einen Ein­druck von der Sit­u­a­tion, in der eine Nachricht geschrieben wurde. (“Kann ger­ade nicht”💃.) Auch Assozi­a­tio­nen des Ver­fassers kön­nen sich in den Bildern wider­spiegeln. Mitunter könne ein Tweet mit Emo­jis darum ger­adezu poet­isch wer­den und Dinge aus­drück­en, die sich son­st wed­er in Gestik noch in Mimik und Beto­nung fassen lassen. Emo­jis geben der Schrift­sprache eine neue Ebene und erlauben ihr sog­ar, das gesproch­ene Wort in manchen Momenten zu übertrumpfen.«
  • Hier im Sprachlog haben wir ja auch schon über neue, geschlecht­sneu­trale oder gar indi­vidu­elle Per­son­al­pronomen geschrieben — auf Gretchen McCul­loughs ALL THINGS LINGUISTIC ging es kür­zlich darum, ob und wie sich Pronom­i­nal­sys­teme geplant und unge­plant verän­dern kön­nen: »More gen­er­al­ly, I think it’s use­ful to rec­og­nize that learn­ing to use a pro­noun you’ve nev­er encoun­tered before is just not as easy as learn­ing, say, a person’s name that’s equal­ly unfa­mil­iar. […] It’s just that this dis­com­fort is, from what I’ve been told, far milder and more tem­po­rary than the feel­ing of being mis­gen­dered, so it’s a ques­tion of what you want to pri­or­i­tize. It’s a pity we won’t be around in a cou­ple hun­dred years to see how it’s turned out, but until then, well, lan­guage is an open-source project, and we won’t know which parts are hack­able unless we try.« Eben­falls zum The­ma: Dieses Inter­view von HERE & NOW mit Ben Zim­mer.
  • Und zulet­zt: Woher kommt Pfin­g­sten, wie heißt es ander­swo und was hat das alles mit der 2. Lautver­schiebung zu tun? Hier wird’s erk­lärt.

Blogspektrogramm 20/2015

Diese Woche geht es im Spek­tro­gramm recht monothe­ma­tisch, aber keineswegs lang­weilig, fast nur um Dialek­te und sprach­liche Vari­a­tion — und am Ende gibts noch einen tollen Audi­olink zu Namen. Viel Spaß!

  • Vor­let­zte Woche haben wir ja ein Inter­view zu deutschen Dialek­ten mit Ste­fan Elspaß ver­linkt — der SPIEGEL hat das The­ma kurzzeit­ig für sich ent­deckt und noch einen Artikel über das Image von Dialek­ten veröf­fentlicht: »Wie aus­tauschbar die Zuschrei­bun­gen von Dialekt und Hochsprache sind, zeigt ein Pro­jekt von Plew­nias Kol­le­gen an der Uni­ver­sität Mannheim. Sie spiel­ten Schülern in Tansa­nia ohne Deutschken­nt­nisse Sprach­proben von Plattdeutsch-, Saar­ländisch- und Hochdeutschsprech­ern vor. Die Teil­nehmer der Unter­suchung bew­erteten die Hochdeutschsprech­er durch­weg als kom­pe­ten­ter — wenn der Dialekt als solch­er beze­ich­net wurde.«
  • Und aus der gle­ichen Quelle gibts auch einen Mit­mach­link: Das unter­halt­same Dialek­tquiz Grüezi, Moin, Servus! von SPIEGEL und TAGESANZEIGER ist Ihnen vielle­icht schon über den Weg gelaufen. Sie ver­rat­en, was Fußball­spie­len bei Ihnen heißt und wie man sagt, wenn man eine Klasse­nar­beit schreibt — das Quiz rät, wo Sie herkom­men. Und zwar gar nicht schlecht. Oder? (Es gibt übri­gens auch eine App, die noch zusät­zliche Fea­tures hat.)
  • Wenn wir schon bei Dialek­ten sind: Was macht der Gruß Moin eigentlich in der Schweiz? WORTGESCHICHTEN hat es sich ange­se­hen: »Let­zthin wurde die Redak­tion ange­fragt, warum man denn das «bern­deutsche» Gruss­wort moin im Idi­otikon nicht finde. Nun, da moin also defin­i­tiv in der Schweiz angekom­men ist, darf es auch eine unser­er Wort­geschicht­en beanspruchen!«
  • Wie kann vergön­nen zwei völ­lig gegen­sät­zliche Dinge beze­ich­nen? FRAGEN SIE DR. BOPP weiß die Antwort: »Ich ver­mute, dass der NZZ eine dialek­tale Bedeu­tung von vergön­nen in die Tas­tatur gerutscht ist. In eini­gen Dialek­ten bedeutet vergön­nen näm­lich nicht gön­nen, gewähren, son­dern im Gegen­teil nicht gön­nen, miss­gön­nen
  • ABC Aus­tralia hat eine sehr span­nende Serie zu Namen: Tiger Webb sieht sich inter­es­sante Aspek­te zu Ruf­na­men, Fam­i­li­en­na­men, selb­st­gewählten Namen und Ort­sna­men an und spricht auf  unter­halt­same Weise mit allen möglichen Men­schen darüber: »What do our names say about us? From expec­tant par­ents ago­nis­ing over what to call their chil­dren to econ­o­mists using sur­names as a mea­sure­ment of track­ing soci­etal inequal­i­ty, Giv­en Names reveals the hid­den sto­ries behind some­thing all of us have, yet rarely think twice about. Find out what would lead musi­cians and authors to dis­guise their real names, and check in with the sur­pris­ing his­to­ry of place names – where an unas­sum­ing Queens­land beach might have links to pro­to-sci­ence fic­tion nov­els, Nazi mys­ti­cism, and a pop­u­lar salty meat extract.«