Tag-Archive: Diskriminierende Sprache

Eine Straße für Nelson Mandela

Wenn es den Vorschlag gäbe, die Straße, in der ich wohne, in „Nelson-Mandela-Straße“ umzubenennen, wäre ich begeistert. Nicht, weil mit dem Namen meiner Straße irgendetwas nicht stimmte – sie ist nach irgendeinem harmlosen Dorf vor den Toren Berlins benannt, dessen Name leicht von der Zunge geht und keine Erklärungen erfordert. Nein, ich würde einfach gerne […]

Zum Feste nichts Neues

Wertkonservative deutsche Feuilletonisten – also deutsche Feuilletonisten – haben es zunehmend schwer, die imaginäre Beschneidung ihrer Freiheiten zu bekämpfen: Mangels ernsthafter Bedrohungen müssen sie sich inzwischen damit zufrieden geben, gegen die Entfernung rassistischer Verunglimpfungen aus Kinderbüchern oder der Entfernung männlicher Pronomen aus Universitätssatzungen zu Felde zu zetern. Ihre nordamerikanischen Geistesgenossen tun das auch gerne und […]

Blogspektrogramm 51/2013

So, kurz vor Weihnachten machen wir das informativ und schmerzlos, ganz ohne Weihnachtsduselei und mit Personalpronomen, Akzenten, Politischem und einem selfie: Auf THE LAST WORD ON NOTHING beschreibt Michelle Nijhuis, wie sie auf Wunsch ihrer Tochter beim Vorlesen vom „kleinen Hobbit“ aus Bilbo Baggins ein Mädchen gemacht hat. Dazu passend: Anatol hat vor einigen Jahren schon […]

Meine Suppe ess’ ich nicht unter anderem Namen!

Ein kurzer Nachtrag zur Sache mit dem Zigeunerschnitzel: Wie der Tagesspiegel berichtet, folgen Teile der Hannoveraner Gastronomie dem Beispiel der Stadt, und streichen dieses und ähnliche Wörter (z.B. Zigeunersauce und –gulasch) von der Speisekarte. Die Gerichte nennen sie stattdessen Puzsta-Schnitzel oder Schnitzel Ungarischer Art, Pikante Sauce oder Paprika-Sauce und Paprikagulasch.

Die Kunst der Nichtschuldigung

Im Englischen gibt es das Wort „Notpology“ für die Äußerungen von Politiker/innen, Unternehmen und anderen Organisationen, die sich für etwas entschuldigen müssen, das aber nicht einsehen. Sie tätigen deshalb entschuldigungsähnliche Äußerungen, die aber tatsächlich keinerlei Entschuldigung enthalten, sondern die Schuld auf diejenigen verlagern, bei denen sie sich eigentlich entschuldigen sollen. Ein lehrbuchartiges Beispiel bietet gerade […]

Lustig ist das Rassistenleben, faria, faria, ho

Wenn man sich die fast wöchentlich hochkochenden Diskussionen um politisch korrekte Sprache betrachtet, bekommt man schnell das Gefühl, der Deutschen heiligste Kulturgüter seien Schnitzel mit Paprika-Zwiebel-Soße, aufgeschäumter Zucker mit Schokoladenüberzug und schwedische Kinderbücher aus den vierziger Jahren in ihrer deutschen Übersetzung aus den fünfziger Jahren. Die ersten zwei dieser Dinge dürfen keinesfalls ihre „althergebrachten“ Namen […]

Warum der Plural kein Femininum ist

In unserem Lektüretipp vom Dienstag ging es unter anderem um einen Beitrag, in dem der Sprachwissenschaftler André Meinunger die eigenwillige These vertritt, dass das generische Maskulinum1 keine Ungerechtigkeit gegenüber Frauen darstelle, da ihm im Plural ein generisches Femininum gegenüber stehe. Der Kern seiner Argumentation geht so: Das Deutsche ist so gerecht und frauenfreundlich, wie es mehr […]

Von der Neutralität der Linguistik

Auf Anatols gestrigen Literaturhinweis zu Luise Puschs Repliken auf Maskulinguisten kommentierte Leser Martin, dass er nicht versteht, wie man „aus sprachwissenschaftlicher Sicht einen aktiven Eingriff in den Sprachgebrauch befürworten“ könne. Auf diese Art Argumentation wollte ich schon seit langem mal eingehen. Die Gelegenheit ist günstig.

Pusch 2, Maskulinguisten 0

Da wir Sprachlog-Autorinnen so eine Art Mischung aus Hitzefrei und Hausarbeitenkorrekturzwang haben, hier ein Lesetipp für zwischendurch. Die Universität Leipzig hat mit ihrer Entscheidung, in ihrer Satzung das generische Femininum zu verwenden, eine interessante öffentliche Debatte um geschlechtergerechte Sprache ausgelöst, bei der – anders als es bei Diskussionen um Sprache sonst häufig der Fall ist […]

Sprachbrocken 24/2013

Die Überschrift „Sprachreform an der Uni Leipzig: Guten Tag, Herr Professorin“, mit der Spiegel Online die Meldung über das generische Femininum in der Grundordnung der Universität Leipzig versehen hat, hatte ihr Gutes und ihr Schlechtes. Schlecht war, das die deutsche Presse diese Überschrift flächendeckend wörtlich nahm und einer erstaunten Öffentlichkeit mitteilte, dass (männliche) Professoren in […]