Schlagwort-Archive: Metaphern

Jenseits des Gastrechts: Sprachbilder und ihre Grenzen

Als Sahra Wagenknecht let­zte Woche vom „Gas­trecht“ der Flüchtlinge sprach, und davon das der­jenige, der es miss­brauche, irgend­wann dann auch ver­wirkt habe, war die Empörungswelle vor­pro­gram­miert.

Erstens, weil sie eben Sahra Wagenknecht und Linke nichts lieber tun als andere Linke all­ge­mein, und Wagenknecht im Beson­deren, mit Empörung zu über­schüt­ten. Schließlich hat­ten sowohl die rhein­land-pfälzis­che CDU-Vor­sitzende Julia Klöck­n­er als auch die Bun­deskan­z­lerin Angela „Wir-schaf­fen-das“ Merkel nur ein paar Tage zuvor fast wortwörtlich das­selbe gesagt, ohne dass das das kle­in­ste biss­chen link­er Kri­tik nach sich gezo­gen hätte („Wer das Gas­trecht ver­wirkt, der wird irgend­wann vor die Tür geset­zt“, Julia Klöck­n­er; „Einige Straftäter von Köln haben ihr Gas­trecht ver­wirkt“, Angela Merkel).

Zweit­ens, weil das Wort Gas­trecht einen offen­liegen­den Nerv der deutschen Flüchtlings­de­bat­te trifft, für den Wagenknecht, Klöck­n­er und Merkel eigentlich gar nichts kön­nen, son­dern der etwas mit Sprache, Welt­sicht und Wirk­lichkeit zu tun hat: der Frage, wie wir über Flüchtlinge reden und denken und worauf wir uns damit ein­lassen. Weit­er­lesen

Spähmetaphorik und ihre Grenzen [re:publica]

Auch auf der re:publica wurde natür­lich viel disku­tiert über die Überwachung des Inter­nets durch die Geheim­di­en­ste (diskur­siv immer vertreten durch die NSA) und die Apathie, mit der die über­wälti­gende Mehrheit der Bevölkerung auf diese Überwachung reagiert. Ich sage „natür­lich“, weil dieses The­ma für die Net­zge­meinde seit vie­len Monat­en beherrschend ist, nicht, weil es zwin­gend beson­ders dringlich ein­er Lösung durch die Net­zge­meinde har­rt.1 Weit­er­lesen

  1. Wom­it ich nicht sagen will, dass sie kein­er Lösung bedarf, aber es stellt sich natür­lich die Frage, ob es eine solche Lösung über­haupt gibt und ob es, wenn es eine solche Lösung gibt, die Net­zge­meinde oder ihre net­zpoli­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen sind, die sie find­en wer­den. Es stellt sich weit­er­hin die Frage, ob das Prob­lem der Überwachung durch Geheim­di­en­ste das dringlich­ste zu lösende Prob­lem der Net­zpoli­tik ist. Ich sage das alles nicht, weil ich gerne überwacht werde oder Überwachung grund­sät­zlich für harm­los halte, son­dern, weil das Fra­gen sind, die meines Wis­sens bis­lang wenig disku­tiert wor­den sind. []

Macht, Meme und Metaphern

Am Woch­enende habe ich auf der Open Mind 2013 einen Vor­trag über „Macht, Meme und Meta­phern“ gehal­ten. Darin stelle das Konzept des Fram­ings vor, wie es der amerikanis­che Sprach­wis­senschaftler George Lakoff ver­tritt:

Frames sind men­tale Struk­turen, die for­men, wie wir die Welt sehen. Daraus fol­gt, dass sie unsere Ziele und Pläne for­men, wie wir han­deln, was als gutes oder schlecht­es Ergeb­nis unser­er Hand­lun­gen zählt. … Frames sind Teil dessen, was in den Kog­ni­tion­swis­senschaften „das kog­ni­tive Unbe­wusste“ genan­nt wird – Strukturen/Muster in unserem Gehirns, auf die wir nicht bewusst zugreifen kön­nen, die wir aber an ihren Kon­se­quen­zen erken­nen kön­nen: Wie wir argu­men­tieren und
was als gesun­der Men­schen­ver­stand gilt. Alle
 Wörter wer­den rel­a­tiv zu konzeptuellen Frames
 ver­standen.“ [Lakoff 2004, eig. Übers.]

Die Aufze­ich­nung des Vor­trags ist jet­zt online: Weit­er­lesen