Schlagwort-Archive: Eigennamen

Wörter auf -nf

Vor ein­er Weile kam jemand mit der Suchan­frage

wörter mit endung nf

hier­her. Offline kön­nte man so etwas mit einem soge­nan­nten “rück­läu­fi­gen Wörter­buch” her­aus­find­en. Aber was’n Stress!

Meine Online-Stan­dard­lö­sung in solchen Fällen ist canoo.net. Ging hier aber erst­mal nicht, denn da muss man min­destens drei Buch­staben eingeben. Die Anfrage *nf führt zu “Bitte seien Sie genauer: Wild­cards sind erst ab 3 Buch­staben erlaubt”. Wie nervig, es will ja kein­er tausend (= 30) Abfra­gen mit *anf, *bnf, … machen!

Aber elexiko vom Insti­tut für Deutsche Sprache ist koop­er­a­tiv, es spuckt 15 Tre­f­fer aus. Sucht man sich davon nur die ein­fachen Wörter aus, schnur­rt die Zahl der­er auf -nf ganz schnell auf vier zusam­men: Hanf, Senf, fünf und der Eigen­name Genf. Sind das schon alle? Weit­er­lesen

StuTS-Status & Top-100-Language-Blogs-Wahl

Es ist tat­säch­lich StuTS. Irgend­wie nach einem Jahr Vor­bere­itung sehr unre­al, dass es jet­zt wirk­lich so weit ist.

Ich habe heute eine Menge Vorträge gehört und sie waren alle wirk­lich gut:

  • Robert Fuchs über also im Indis­chen Englisch – es kann an Stellen ste­hen, die das Britis­che Englisch nicht erlaubt, wahrschein­lich durch den Ein­fluss eines ähn­lichen Wortes in ver­schiede­nen indis­chen Sprachen,
  • Michael Sap­pir über Porte­man­teau­mor­pheme im Karuk – sie sind sehr wider­spen­stig und wollen sich nicht so recht beschreiben lassen, sodass man zur Vere­in­fachung kom­plizierte Regeln annehmen muss ;),
  • Ludger Paschen über ein Audioko­r­pus zu Vari­etäten des Rus­sis­chen – eine total span­nende Sisyphosar­beit, 1000 Stun­den Tonauf­nah­men sollen extrem detail­liert annotiert wer­den,
  • Sophie ter Schure über Exper­i­mente zum Spracher­werb und zur Wor­tarten­klas­si­fika­tion – beson­ders schön kam hier raus, dass man nicht immer sofort das per­fek­te Exper­i­ment­de­sign find­et und wie man schließlich doch zu aus­sagekräfti­gen Dat­en gelan­gen kann – und
  • Tan­ja Ack­er­mann zu “geschlechtsspez­i­fis­chen” Deon­a­men – lustiger­weise ver­hal­ten sich die Deon­a­men sehr ähn­lich wie die Ruf­na­men z.B. bezüglich der Wortlänge, der Beto­nungsstruk­tur und des Aus­lauts. Strate­gien, die man benutzt, um Frauen- und Män­ner­na­men zu dif­feren­zieren, benutzt man auch, um für sie gedachte Pro­duk­te zu benen­nen.

Außer­dem gab es natür­lich den Gastvor­trag von Mar­i­on Grein zu Kom­pli­menten in ver­schiede­nen Sprachen – muss man gehört haben, kann man nicht beschreiben. Enormer Unter­hal­tungswert plus fach­lich hochin­ter­es­sant.

Schließlich gab es noch eine Stadt­führung, die eigentlich im Mainz­er Dialekt sein sollte – der Stadt­führer hat sich aber nicht so recht getraut. Gel­ernt habe ich trotz­dem was, z.B. dass der Schambes mal Jean Bap­tiste hieß.

Top 100 Language Blogs 2010

Und weil ich dafür keinen Extra­beitrag auf­machen will, noch schnell hier: Das Sch­plock wurde für eine Wahl nominiert, und zwar die Top 100 Lan­guage Blogs 2010, in der Kat­e­gorie Lan­guage Pro­fes­sion­als. Ich bin mir noch nicht so sich­er, wie ich mich dabei füh­le, denn ein­er­seits ist sind so tolle Seit­en wie John Wells phonetis­ches Blog nominiert, ander­er­seits aber auch der Zwiebelfisch.

Eine knapp kom­men­tierte Liste aller Kan­di­dat­en find­et ihr hier (und hier kann man bis 24. Mai abstim­men – für was auch immer man will, ich habe hier extra keinen dieser scham­losen Vote-for-this-Blog-But­tons hinge­set­zt).

Ich hab lei­der gar keine Zeit, mich durch die Kan­di­dat­en durchzuk­lick­en, aber wenn ihr irgendwelche Perlen in der Liste find­et, freue ich mich riesig auf Hin­weise in den Kom­mentaren. Genug Sprach(wissenschafts)bookmarks kann man nie haben 🙂

Wie man unnötig lange Vulkannamen zurechtstutzen kann …

Schon seit Beginn des Aschewolk­endra­mas schreibt FAZ.net (nicht als einzige) ziem­lich kon­se­quent vom Eyjaf­jal­la. Eine Mini­auswahl:

Zu Beginn des ganzen Dra­mas schrieb man zuweilen noch vom Eyjaf­jal­la-Gletsch­er und dem Aus­bruch des isländis­chen Vulka­ns am Eyjafal­la-Gletsch­er, aber auch schon vom Eyjaf­jal­la-Vulkan.

Gletscher = Berg = Vulkan?

Ich habe hin- und herg­erät­selt warum, denn wirk­lich Sinn ergibt das für mich nicht. Ich erin­nere: Eyjaf­jal­la­jökull heißt ‘Insel(n)bergegletscher’. Der Gletsch­er heißt so und der Vulkan unter dem Gletsch­er heißt auch so, sagt die deutsche Wikipedia.

Wenn man den ‘Gletsch­er’ weglässt, wie die FAZ das tut, erhält man also nicht den “echt­en” Namen des Vulka­ns.

Die Hart­näck­igkeit der FAZ hat mich dann aber doch verun­sichert, und so zog ich aus zu klären, ob das Wort auch wirk­lich den gesamten Berg inklu­sive Vulkan beze­ich­net. Weit­er­lesen

[Surftipp] Language Log und der Eyjafjallajökull

Heute nur ein schneller Surftipp: Mark Liber­man hat beim Lan­guage Log über die Aussprache von Eyjaf­jal­la­jökull (dem lusti­gen, asches­puck­enden isländis­chen Vulkan) geschrieben, mit vie­len Hör­beispie­len.

Das ist ein Kom­posi­tum aus drei Wörtern: Eyjafjal­lajökull ‘Insel(n)+berge+gletscher’. fjal­la ist Gen­i­tiv Plur­al, bei eyja bin ich mir nicht sich­er – kön­nte Nom­i­na­tiv Sin­gu­lar oder Gen­i­tiv Plur­al von eyja sein, oder nur Gen­i­tiv Plur­al von ey, bei­des heißt wohl ‘Insel’. (Alle Kasus­bes­tim­mungen nach diesem Wörter­buch.)

Vulkan heißt auf Isländisch übri­gens eld­f­jall ‘Feuer­berg’ oder eld­stöð, dessen Zweit­glied ich aber nicht über­set­zen kann.

Update 20.4.

Da zur Zeit sehr viele Leute über die Suche “Eyjafal­la­jökull Aussprache” herg­er­at­en, aber nur unge­fähr zwei Drit­tel von ihnen zum Lan­guage Log weit­erk­lick­en, hier ein prag­ma­tis­ch­er Aussprachevorschlag mit dem deutschen Schrift­sys­tem: ej.ja.fjat.la.jö.kütl (alle Vokale kurz). Und ein Link zur gesproch­enen Ver­sion der Wikipedia: Eyjafal­la­jökull.

Eldstöð

Die Schwilis in Georgien

Der Tod eines geor­gis­chen Olympiar­o­dlers hat mich let­zte Woche zum Nach­denken über geor­gis­che Fam­i­li­en­na­men gebracht. Eine ganze Menge von ihnen schienen auf -wili zu enden, und ich fragte mich, warum.

Der kür­zlich Ver­stor­bene heißt Nodar Kumar­i­taschwili, auf Geor­gisch ნოდარ ქუმარიტაშვილი. Ich habe ein bißchen herumge­googlet, und noch eine Menge weit­er­er Wil­is gefun­den: Weit­er­lesen

Sind Sie ernsthaft eine Frau? Eigennamen und Geschlecht

Ich habe heute ein Online­for­mu­lar aus­ge­füllt. Als alles fer­tig war, klick­te ich auf “weit­er”, aber es gab da ein Prob­lem …

Da ste­ht: “Stimmt die Anrede mit dem Vor­na­men übere­in?”, das For­mu­lar scheint ern­sthafte Zweifel an mein­er Weib­lichkeit zu haben.  Aber warum nur? Weit­er­lesen

Wann wird’s mal wieder richtig Juni?

Heute gibt es mal wieder ein bißchen Ety­molo­gie. Anlass war die fol­gende, som­mer­lich anmu­tende Suchan­frage, die zum Sch­plock führte:

wörter mit juni (26.1.2010)

Deutsche Zusam­menset­zun­gen, die den Monat Juni enthal­ten, scheint es kaum zu geben. Canoo.net liefert nur den Junikäfer.

Es gibt natür­lich auch Wörter, die die Zeichen­kette Juni enthal­ten, aber keinen Bezug zum Monat aufweisen – aber auch nur sehr wenige, z.B. Junior, Jeju­ni­tisEntzün­dung des Leer­darms’ oder Junipe­rusWachold­er’.

Indi­rekt beste­ht aber doch zumin­d­est zwis­chen Junior und Juni eine Beziehung:

Der Juni kommt vom lateinis­chen (mên­sis) Iûnius, also dem Monat der Göt­tin Juno. Deren Name wiederum scheint auf das indoger­man­is­che *yeu- zurück­zuge­hen, das u.a. ‘jung’ oder ‘vital’ bedeuten kon­nte. Die Göt­tin hat­te wahrschein­lich ursprünglich ein jungfräulich­es Ele­ment.

Der Junior stammt vom lateinis­chen iûnior ‘der Jün­gere’, dem Kom­par­a­tiv von iuve­nis ‘jung’, das auf dieselbe indoger­man­is­che Wurzel zurück­ge­führt wird.

Unser heutiges jung ist übri­gens, eben­so wie das englis­che young mit diesen For­men ety­mol­o­gisch ver­wandt.

Das Jejunum, das der Jeju­ni­tis ihren Namen ver­lei­ht, ist aber ander­er Herkun­ft – es geht auf das lateinis­che ieiunus zurück, das ‘hun­grig, durstig, fas­tend’ hieß. Wohl weil dieser Darmab­schnitt nach dem Tod leer ist. Der Arme.

Die Herkun­ft von Junipe­rus ist ungek­lärt.

Wörter mit irgen­dein­er bes­timmten Buch­staben­kette kann man bei Canoo.net übri­gens aus­geze­ich­net suchen. Man set­zt ein­fach Sternchen rund um die Buch­staben, also *juni*, et voilà. Lei­der geht das aber erst ab drei Buch­staben, was mich schon öfter geärg­ert hat.

So, jet­zt geh ich einen Schnee­mann bauen!

Bei Familie Kistenpfennig

2009-08-Kistenpfennig

Vor zwei Wochen bin ich durch ein Indus­triege­bi­et ger­adelt (roman­isch, was?) und habe dabei die Fir­ma Kistenpfen­nig ent­deckt. (Es scheint ihr da aber auch nicht so gut zu gefall­en, denn im Sep­tem­ber zieht sie um.)

Kistenpfen­nig ist ein­er der schillern­deren Fam­i­li­en­na­men des Deutschen – und zwar ganz beson­ders, wenn man sich anschaut, wo er herkommt. Spon­tan ver­muten wohl die meis­ten Men­schen, dass es etwas mit ein­er Kiste zu tun hat – vielle­icht eine Schatztruhe oder sowas – aber dem ist nicht so.

Was hat Bleibtreu mit Kistenpfennig zu tun?

Kistenpfen­nig ist ein soge­nan­nter “Satz­name”, also ein Name, der ursprünglich ein richtiger Satz war. Satz­na­men sind rel­a­tiv sel­ten, dazu gehören z.B. Diene­gott, Bleib­treu, Nährdich, Lach­nitt ‘lach nicht’, Thu­dichum, Sprin­gins­feld, Kehrein, Flick­en­schild ‘flick den Schild’. Ich habe hier Beispiele aus­gewählt, die heute noch recht gut ver­ständlich sind (übri­gens alle aus Kun­ze, S. 152). Viele dieser Satz­na­men haben aber laut­liche Verän­derun­gen mit­gemacht oder sind dialek­tal geprägt, sodass man heute nicht mehr so klar sehen kann, woher sie kom­men.

So ist das auch mit Kistenpfen­nig. Der Name bein­hal­tet das Verb küssen, wörtlich heißt er also ‘küss den Pfen­nig’ (kis ten pfen­nig). Dass ein i- statt eines ü-Lautes benutzt wird, ist dialek­tal gar nicht so sel­ten. Man nen­nt das Phänomen “Entrun­dung”, weil der einzige Unter­schied zwis­chen den bei­den Laut­en darin beste­ht, dass beim ü die Lip­pen gerun­det wer­den, beim i aber nicht. (Ein­fach mal pro­bieren: Wenn Ihr ein i aussprecht und dann langsam die Lip­pen zu einem Kuss­mund formt, wird automa­tisch ein ü draus.)

Es gibt den Namen auch in der gerun­de­ten Vari­ante, näm­lich als Küssenpfenig (in Öster­re­ich). Olschan­sky gibt auch noch Küstenpfen­nig an, aber da finde ich zumin­d­est keine Tele­fon­buchein­träge, muss also sehr sel­ten (oder schon aus­gestor­ben) sein.

Kistenpfen­nigs gibt’s aber auch nicht ger­ade viele. Eine Abfrage mit Geogen, ein­er Kartierungssoft­ware für Fam­i­li­en­na­men, ergibt 37 Tele­fo­nan­schlüsse in Deutsch­land:

2009-08-Kistenpfennig-absolut

Und wer heißt so?

Wie kam man über­haupt auf die Idee, jeman­den Kistenpfen­nig zu nen­nen?

Der Name ist ein soge­nan­nter “Über­name”. Über­na­men beschreiben eine charak­ter­is­tis­che Eigen­schaft oder das Ausse­hen der benan­nten Per­son. So kann jemand mit schwarzem Haar Schwarz genan­nt wer­den, jemand von eher unter­durch­schnit­tlich­er Kör­per­größe Klein, eine unan­genehme Per­son wird zum Greulich. Und ein Kistenpfen­nig ist ein Geizhals – ein­er, der jeden Pfen­nig küsst.

Es gibt noch einige weit­ere Satz­na­men mit dieser Bedeu­tung, z.B. Wehrenpfen­nig ‘vertei­di­ge den Pfen­nig’, Zip­penpfen­nig ‘spare den Pfen­nig’ und Wrief­pfen­nig ‘reib Pfen­nig’.

Es gibt auch noch weit­ere Fam­i­li­en­na­men mit Pfen­nig. Men­schen, die geschickt mit Geld umge­hen kön­nen, heißen Wucherpfen­nig, Win­nepfen­nig. Wer es nicht schafft, sein Geld gewinnbrin­gend einzuset­zen, ist ein Schim­melpfen­nig oder Sulzepfen­nig (von salzen, also ein­pökeln). Und wer ver­schwen­derisch lebt wird Zehrenpfen­nig (von zehren, früher in der Bedeu­tung ‘ver­prassen’) oder Schmeltzpfen­nig genan­nt.

Wie konnte das passieren?

Fam­i­li­en­na­men gab es nicht immer. Im Früh­mit­te­lal­ter und vorher tru­gen die Men­schen Ruf­na­men (Sigfried, Kriemhilt, …) und, wenn das nicht aus­re­ichte (weil z.B. jemand anders auch so hieß), Beina­men. Gab es also zwei Sigfrieds im Dorf, kon­nte ein­er Klein und der andere Groß genan­nt wer­den, oder nach den Berufen ein­er Müller und der andere Schnei­der, … man war sehr kreativ, es gab auch Benen­nun­gen nach dem Wohnort, dem Herkun­ft­sort oder dem Vater.

Nun spitzte sich allerd­ings die Lage immer weit­er zu, und zwar weil die Städte immer weit­er wuch­sen, also immer mehr Men­schen den sel­ben Ruf­na­men tru­gen, und weil man sich bei der Benen­nung tra­di­tions­be­wusst zeigte: Die Nach­be­nen­nung war in Mode. Kinder wur­den auf den Namen der Eltern, der Pat­en oder der Großel­tern getauft, auch Herrsch­er­na­men waren sehr beliebt. Und Schutzheilige – und mit ihnen die bib­lis­chen Namen. Im Spät­mit­te­lal­ter hießen 23% aller Frauen Mar­gare­ta, 18% Katha­ri­na. Bei den Män­nern hieß fast jed­er dritte Johannes.

Schließlich wur­den die Beina­men “fest”: Sie wur­den auf die Kinder weit­er­vererbt und somit zu Fam­i­li­en­na­men. Sigfrid Klein hieß noch so, weil er klein war, aber sein Sohn Johannes Klein war vielle­icht der größte Junge der Straße – trug aber trotz­dem den Namen des Vaters. Man geht davon aus, dass dieser Prozess im 12. Jahrhun­dert in Süd­deutsch­land begann und nach und nach das ganze deutsche Sprachge­bi­et erfasste. Als Gründe dafür sieht man neben Bevölkerungswach­s­tum und Nach­be­nen­nung die Sicherung von Erbansprüchen und die zunehmende Bürokratie (Steuerlis­ten, Urkun­den, …).

Und so ste­hen heute die armen Kistenpfen­nigs mit ihrem Namen da, obwohl sie wom­öglich sehr großzügig sind. Also vielle­icht ein Segen, dass man die Herkun­ft des Namens nicht mehr direkt erken­nt …

Willkommen in Raiputsihi!

Kür­zlich kam hier jemand her auf der Suche nach ein­er

deutschlandkarte auf japanisch

Ja, wie kann man so etwas find­en? Wahrschein­lich wird ja nicht “Deutsch­land­karte” dabeis­te­hen, wenn’s auf Japanisch ist. Ich hat­te mehrere semi­b­ril­lante Ideen, die schiefge­gan­gen sind: In der japanis­chen Wikipedia hat der Ein­trag für Deutsch­land nur eine deutsche Karte, bei GoogleMaps-Japan sind die Orte in Orig­i­nal­sprache beze­ich­net. Dann also doch das Offen­sichtlich­ste: Bilder­suche bei Google mit dem Such­wort ドイツ (doit­su ‘Deutsch(land)’). Gle­ich auf der ersten Seite gibt es drei Karten: eine zweis­prachige, und zwei rein japanis­che. Ver­fein­ert man die Suche noch mit den Schriftze­ichen für Land­karte, 地図, find­et man u.a. noch eine etwas detail­liert­ere zweis­prachige Karte.

All diese Karten sind in Katakana beschriftet, also der Schrift für Fremd­wörter. Dabei ver­sucht man, den deutschen Klang so gut wie möglich mit den japanis­chen Laut­en und vor allem der japanis­chen Phono­tak­tik wiederzugeben.

Phono­tak­tik beze­ich­net die in ein­er Sprache möglichen Lautkom­bi­na­tio­nen. Beson­ders was die Kon­so­nan­ten anbe­t­rifft, gibt es da zwis­chen ver­schiede­nen Sprachen große Unter­schiede. Im Deutschen kön­nen Sil­ben mit mehreren aufeinan­der­fol­gen­den Kon­so­nan­ten begin­nen oder enden, wie ʃt-, ʃpr-, ʃl-, kr-, … (stehen, sprechen, schlafen, kriechen) oder -nf, -rm, -ln, -rbst … (Hanf, Arm, stre­icheln, Herbst). Solche Kom­bi­na­tio­nen heißen auch “Kon­so­nan­ten­clus­ter”. Im Japanis­chen gibt es das qua­si nicht. Am Anfang ein­er Silbe kön­nen max­i­mal zwei Kon­so­nan­ten ste­hen, aber auch nur ganz bes­timmte, und am Ende nur ein­er.

  • Sil­be­nan­fang: max­i­mal ein Kon­so­nant+j (geschrieben als <y>) wie in hap-pya-ku ‘800’, gya-ku ‘Gegen­teil’
  • Sil­be­nende: nur ein Kon­so­nant wie in jin ‘Men­sch’, hap-pya-ku ‘800’ – und wenn der Kon­so­nant nicht n ist, dann geht es auch nur als Teil eines Dop­pelkon­so­nan­ten, d.h. die näch­ste Silbe muss mit dem­sel­ben Kon­so­nan­ten anfan­gen.

Wenn man mit solchen Sil­ben nun deutsche Wörter erfassen will, wird’s schwierig. Was ist mit ein­er Stadt wie Stuttgart? Die Lösung ist ein­fach: Man schiebt ein paar Vokale zwis­chen die stör­rischen Kononan­ten­clus­ter: shu-tut-to-ga-ru-to (シュトゥットガルト). Schwup­ps, entspricht das Wort den phono­tak­tis­chen Regeln des Japanis­chen. Die Vokale zwis­chen stimm­losen Kon­so­nan­ten wer­den übri­gens fast gar nicht aus­ge­sprochen (bzw. sie wer­den stimm­los, aber dazu ein ander­mal), so dass der Wor­tan­fang für deutsche Ohren wie scht- klingt. Den Effekt kann man bei diesem Wort, shukudai ‘Hausauf­gaben’, hören – es klingt wie shku­dai.

Und für alle, die gerne rät­seln …

  • ライプツィヒ raiput­si­hi
  • ガルミッシュ=パルテンキルヒェン garu­mis­shu-parutenkiruhen
  • ボットロプ bot­toropu
  • ハノーファー hanoofaa
  • フリードリヒスハーフェン furi­idori­hisuhaafen
  • ベルリン berurin
  • シュヴェリーン shu­veri­in

Die Lösun­gen:

Weit­er­lesen

Skurrile Ortsnamen – heute: Katzenelnbogen

Das Sch­plock wurde in den let­zten Wochen immer wieder mit Such­abfra­gen wie lustige städte name (8.7.), land­karte lustige städte (6.7.), lustige städte­na­men (3.7., 27.6.), lustige städt­de­na­men deutsch­land­karte (30.6.) und lustide städte namen (28.6.) gefun­den. Auch die Nach­frage nach lusti­gen Deutsch­land­karten war enorm.

Der lustig­ste Ort, der mir so spon­tan ein­fällt, ist Katzenelnbo­gen. Fragt nicht wie, auf dem Weg zu irgen­deinem Fach­schaftswoch­enende sind wir eines Nachts dort vor­beigekom­men.

Die Wikipedia bietet eine Ety­molo­gie für den Namen an, näm­lich das lat. Cat­timeli­bo­cus als Zusam­menset­zung aus Cat­ti (ein­er Volks­beze­ich­nung) und Meli­bo­cus (‘Berg, Gebirge’). Als Quelle wird Mey­ers Kon­ver­sa­tion­slexikon angegeben, aber ich bin damit nicht so glück­lich. Der erste zitierte Ein­trag gibt zwar “lat. Cat­timeli­bo­cus, ‘Meli­bokus der Kat­ten’” in Klam­mern nach dem Ort­sna­men an, das heißt aber noch lange nicht, dass die deutsche Beze­ich­nung darauf zurück­ge­ht. Die zweite “Quelle” zeigt, dass Meli­bokus keines­falls ‘Berg, Gebirge’ bedeutet, son­dern vielmehr ein Eigen­name ist und auch Malchen heißt: “ein­er der bemerkenswertesten Gipfel an der hes­sis­chen Bergstraße, am nord­west­lichen Rande des Oden­waldes, östlich von Zwin­gen­berg”. Hier seht ihr, dass der nicht ger­ade in der Nähe von Katzenelnbo­gen liegt. Auch die Infor­ma­tion “Bei Ptolemäos beze­ich­net Meli­bokon oros den Thüringer Wald oder den Harz rückt den Meli­bokus nicht näher an Katzenelnbo­gen her­an.

Suchbild mit Katze

Such­bild mit Katze

Die zweite Ety­molo­gie, auf die die Wikipedia ver­weist (“Eine andere Inter­pre­ta­tion besagt…”), stammt von der pri­vat­en Home­page von Hein­rich Tis­chn­er. Die Seite ist ein Kurio­sum – Herr Tis­chn­er liefert beispiel­sweise Über­set­zun­gen in ver­schiedene Sprachen kosten­los, aber expliz­it nicht, wenn man sie sich dann tätowieren lassen will. Und der sprach­wis­senschaftliche Bere­ich bedi­ent sich höchst selt­samer Ter­mi­ni, die Darstel­lung der zweit­en Lautver­schiebung würde ich mal als eigen­willig beze­ich­nen. Der Ein­trag zu Katzenelnbo­gen sieht aber nicht so schlecht aus, lei­der kann ich die genan­nten Quellen momen­tan nicht über­prüfen. Er ken­nt die Geschichte mit den Chat­ten auch, hält sie aber für eine gelehrte Neu­bil­dung. Nach Tis­chn­er kommt die Beze­ich­nung wirk­lich von Katze – als Syn­onym für etwas Kleines/Minderwertiges – und Ellen­bo­gen – als Beze­ich­nung für eine Bach­biegung. Als Ern­st­nen­nung führt er Cazenele­bo­gen (1102) an.

Alles nicht so ganz befriedi­gend … also dachte ich mir, ich schaue mal, was die Katzenelnbo­gen­er selb­st sagen, die wer­den ja hof­fentlich jeman­den haben, der sich mit der Orts­geschichte ausken­nt. Und scheint tat­säch­lich so: “Die wohl warschein­lich­ste [sic!] Deu­tung des Namens ist: ‘Ort an der kleinen Bachkrüm­mung (Dörs­bach)’.” Damit ste­ht es 2:1 für Tis­chn­er & Katzenelnbo­gen vs. IP 89.60.232.82. Ich würde das noch nicht als End­stand beze­ich­nen, aber als Ten­denz.

Auf dieser Karte hier habe ich Euch Katzenelnbo­gen markiert, und noch ein paar andere Orte mit skur­rilen oder net­ten Namen: Dün­fus, Möcht­enich, Ken­n­fus, Erpel, Hohn, Guck­heim, Ich­st­edt und Neuglück. Weit­ere Nen­nun­gen sind her­zlich willkom­men!