Autorarchiv: Anatol Stefanowitsch

Flüchtlinginnen und Flüchtlinge

Dass das Wort „Flüchtling“ bezüglich seiner Wortbildung und vor allem seiner Verwendung im allgemeinen Sprachgebrauch nicht unbedingt abschätzig ist, habe ich ja im vorangehenden Beitrag gezeigt, aber anlässlich der Wahl zum Wort des Jahres greift mein Kollege Peter Eisenberg (bis zu seiner Emeritierung an der Universität Potsdam, also gleich um die Ecke, tätig), in der […]

Flüchtlinge zu Geflüchteten?

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat in der Begründung zu ihrer Wahl von Flüchtlinge zum Wort des Jahres am Rande thematisiert, dass das Wort „für sprachsensible Ohren tendenziell abschätzig“ klinge, und das deshalb „neuerdings … öfters alternativ von Geflüchteten die Rede sei. Es bleibe aber abzuwarten, ob sich diese Alternative „im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen“ würde. […]

Wort des Jahres 2015: Flüchtlinge

Die Gesellschaft für deutsche Sprache versucht mit dem „Wort des Jahres“ jedes Jahr, Wörter zu präsentieren, die „das zu Ende gehende Jahr besonders gut charakterisieren“. Das gelingt nur selten: Im letzten Jahr war es das schnell verflogene Lichtgrenze, im Jahr davor das bleiern-ansgestrengte GroKo, und im Jahr davor das völlig abstruse Rettungsroutine. In diesem Jahr […]

Revolutionär*innen, die auf Sternchen starren

Die Grünen haben am Wochenende auf ihrer Bundesdelegiertenkonferenz unter anderem beschlossen, in Parteitagsbeschlüssen in Zukunft verbindlich den Gender-Stern (Student*innen, Kindergärtner*innen, Terrorist*innen) zu verwenden. Angesichts der Empfindlichkeit, mit der die deutsche Öffentlichkeit auf geschlechtergerechte Sprache reagiert, wurde diese Satzungsänderung natürlich vor, während und nach dem Parteitag in den Medien diskutiert. Die Fronten waren dabei vorhersehbar verteilt: […]

Wörterwahl mit Freudentränen

Die Entscheidung der Oxford Dictionaries, ein Emoji zu ihrem Wort des Jahres zu machen, begrüße ich selbstverständlich (schließlich bin ich ja zumindest nebenberuflich der „Emoji-Professor“, wie mich eine Journalistin des Berliner Kurier gestern am Telefon begrüßte). Emoji sind ein wichtiger Teil der Online-Kommunikation geworden, und wozu sonst sollte eine Wörterwahl gut sein, wenn nicht dazu, […]

Man ist so Wort, wie man sich fühlt

Das Jugendwort des Jahres 2015 wurde eben bekannt gegeben. Wie auch in den letzten Jahren (2013, 2014) sind dem Sprachlog die Aufzeichnungen der Beratungen aus den Redaktionsräumen des Wörterbuchverlags Schlangeneidt zugespielt worden, die wir im Folgenden ungekürzt veröffentlichen.

Asylgegner und Asylbefürworter

Eins der Unwörter, das mir in der Berichterstattung über Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte bisher entgangen ist, ist das Wort Asylbefürworter. Tatsächlich konnte ich zunächst kaum glauben, dass es wirklich verwendet wird, als ich es heute früh in diesem Tweet des MDR Sachsen las: Polizei: Angriff auf #Asyl–Befürworter in #Chemnitz–Markersdorf. Insgesamt 5 Verletzte. Auseinandersetzungen […]

Kulturkämpfe

Ein Kampf der Kulturen tobt in unserem Land. Nicht so sehr zwischen Christen und Muslimen oder Abend– und Morgenland, sondern vielmehr unter Politiker/innen, die sich darin überschlagen, ständig neue Komposita mit dem Zweitglied –kultur zu erfinden und in Pokémon-Manier gegeneinander in den Kampf zu schicken. Angefangen hat der Kulturkampf ganz unauffällig und noch wenig kämpferisch: Seit […]

Das Netz kann alles, außer Gender

In den vergangenen Tagen hat das Netz, wie man so schön sagt, viel gelacht, und zwar über einen Text der Fachschaft Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin. In dem Text, den Sie zum Verständnis des Folgenden kurz lesen sollten, falls Sie ihn noch nicht kennen, geht es um den Ausschluss eines Mitglieds der Fachschaft […]

Pack, Vertriebene und die verunsicherte Mitte

Da ich dieser Tage immer noch viele Anfragen zum Unwort Asylkritik bekomme, hier aus der Ferne ein paar kurze Notizen zu anderen Untiefen des aktuellen Sprachgebrauchs. Mitte, verunsicherte. Von Sigmar Gabriel ins Spiel gebrachte Bezeichnung für Menschen, die zwar weder verunsichert noch Mitte sind, die man aber nicht mehr als „asylkritisch“ oder als „besorgt“ bezeichnen […]