Schlagwort-Archive: Althochdeutsch

Flug-Hund, Meer-Katze, Fleder-Maus

Habt Ihr schon mal drüber nachgedacht, dass viele Tiere nach Tieren benan­nt sind? Obwohl sie gar nicht miteinan­der ver­wandt sind? Also z.B. eine Meerkatze keine Katze ist?

Meis­tens ist der Tierbe­standteil ein Wort für ein schon lange domes­tiziertes Tier – ist ja logisch, dass man von Bekan­ntem aus­ge­ht, um Unbekan­ntes zu benen­nen. In mein­er Samm­lung beson­ders promi­nent1:

Das Schwein

  • Meer­schweinchen
  • Stachelschwein
Das Schwein

Foto: Kumana @ Wild Equines (cc-by-2.0)

Das Pferd

  • Nilpferd, Flusspferd
  • Seepferd(chen)
  • Graspfer­d­chen, Heupferd
  • Wal­roß

Der Hund

  • See­hund
  • Flughund

Foto: gwyrah (cc-by-2.0)

Foto: Nize (cc-by-sa-2.0)

Die Katze

  • Meerkatze
  • Eichkatze, Eichkätzchen (Eich­hörnchen)
  • Seekatze (Fis­chart)

Der Bär

  • Ameisen­bär
  • Koal­abär, Beutel­bär

Foto: Jean-noël Lafar­gue (Copy­left)

CC-

Foto: Christoph Neu­mueller (cc-by-sa-3.0)

Der Igel

Und sonst noch so?

Woran liegt’s?

Die Gründe für solche Benen­nun­gen sind wahrschein­lich sehr vielfältig, jedes Wort hat seine eigene Ety­molo­gie.

Bei vie­len Beze­ich­nun­gen ist ganz klar, dass man niemals dachte, das Tier gehöre zu der Gat­tung, nach der es benan­nt ist (Heupferd, Meer­schweinchen, See­hase). Warum dann die Benen­nung? Der kog­ni­tive Prozess, der hier häu­fig mit­spielt, nen­nt sich “Meta­pher”. Ja, genau, das gibt es nicht nur in Gedicht­en. Ein Heupferd kön­nte zum Beispiel nach dem Pferd benan­nt sein, weil es eben­falls springt. Ein Wasser­floh kön­nte so heißen, weil er ähn­lich klein wie ein Floh ist. Eine Eichkatze kann so gut klet­tern wie eine Katze. Ein Seep­fer­d­chen sieht einem Pferdekopf ähn­lich.
Über­haupt ist die Gruppe der See-Irgend­wasse ziem­lich groß – vielle­icht weil man ver­suchte, das Seetier­re­ich ähn­lich dem Landtier­re­ich zu struk­turi­eren? (Natür­lich nicht bewusst. Und natür­lich ist das nur eine wilde Ver­mu­tung.)

Es gibt aber auch eine Gruppe von Wörtern, bei denen man das Tier YX wirk­lich als eine Art von X betra­chtete. Dazu gehören z.B. die Wal­fis­che, die man lange für eine Fis­chart hielt. (Natür­lich ent­standen die meis­ten Wörter, bevor unsere heutige Tax­onomie ent­stand, sie waren also nicht wirk­lich “Fehlbe­nen­nun­gen”.)

Und schließlich gibt es auch noch die beliebten Volk­se­t­y­molo­gien: Das Tier hieß ursprünglich ganz anders, das Wort ähnelte aber einem bekan­nten Tier und wurde so daran angeschlossen. So nimmt man an, dass Meerkatze auf altindisch marká­ta- ‘Affe’ zurück­zuführen ist. Schon im Althochdeutschen wurde es aber als mer(i)kaz­za beze­ich­net.

Auch noch wichtig ist, dass viele dieser Wörter keine deutschen Bil­dun­gen sind, son­dern Über­set­zun­gen aus ein­er anderen Sprache. So stammt der See­hund aus dem Nieder­ländis­chen oder Niederdeutschen und das Flusspferd aus dem Griechis­chen.

Falls Ihr noch weit­ere Tiere ken­nt, die nach Tieren benan­nt sind … ich freue mich über Kom­mentare! Auch über Beispiele aus anderen Sprachen oder Hin­weise zur Herkun­ft der schon genan­nten Wörter.

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Welli? Selli! Rätsellösen mit der Mittelhochdeutschen Grammatik

Nico, der Gewin­ner der Sch­plock-Jubiläumsver­losung 2009, hat sich nicht damit beg­nügt, ein Buch von mir geschickt zu bekom­men – nein, er hat mir auch post­wen­dend ein Buch zurück­geschickt. Jip­pie! Und zwar die Mit­tel­hochdeutsche Gram­matik von Paul/Mitzka in der 18. Auflage, die (und deren Nach­fol­gerin­nen) ich tat­säch­lich noch nicht besaß. Ich habe mich enorm gefreut und gle­ich ange­fan­gen, zu lesen. Bere­its auf Seite 27 habe ich dann etwas her­aus­ge­fun­den, was ich Euch auf keinen Fall voren­thal­ten will …

Im Ale­man­nis­chen gibt es die Wörter sell­er, sel­li, sell. Sie entsprechen unge­fähr dem hochdeutschen ‘jen­er, jene, jenes’/‘dieser, diese, dieses’/‘der, die, das’. Das sind Demon­stra­tivpronomen, aber zu dem The­ma schreibe ich mal geson­dert was. Jet­zt geht es nur darum, dass ich jahre­lang gerät­selt habe, woher die For­men kom­men.

Hier ein Beispiel aus meinen Auf­nah­men für die Mag­is­ter­ar­beit – ich hat­te danach gefragt, welche Spiele es früher gab:

Un die Karde­schbi­ile, des häm­mer au gho. Des het mo gwän­lich vun de Vewonde irgend­wie mol gschengt griegt, waisch, un … ja. Sell häm­mer au gho. Un mer hänau fil gsch­bielt …

[Und diese Karten­spiele, das haben wir auch gehabt. Das hat man gewöhn­lich von den Ver­wandten irgend­wie mal geschenkt gekriegt, weißt du, und … ja. Das haben wir auch gehabt. Und wir haben auch viel gespielt …]1

For­mal hat sell wed­er mit dies noch mit jenes etwas gemein, und son­st ist mir auch kein neuhochdeutsches Wort einge­fall­en, dem es entsprechen kön­nte. Ich habe immer mal wieder von Leuten den Vorschlag gehört, es kön­nte mit dem franzö­sis­chen cela ‘das’ oder celle, celui ‘die, der’ zu tun haben. Da ist aber nichts dran. Es gibt ein hochdeutsches Wort. Die Mit­tel­hochdeutsche Gram­matik hat mir auf die Sprünge geholfen:

Die neuhochdeutsche Entsprechung ist solch­er (solche, solch­es). Im Althochdeutschen lautete es noch soli­hêr oder sol­her2. Es gab aber die Ten­denz dazu, ein h in unbe­ton­ter Silbe nur noch ganz schwach und schließlich gar nicht mehr auszus­prechen. Das führte zur südale­man­nis­chen Form solêr.

Gle­ichzeit­ig machte auch das Wort welch­er in sein­er althochdeutschen Form uueli­hêr, uuel­her3 diese Entwick­lung mit und wurde zu wel­er. (Auch das gibt es noch heute als weller, welli, wells.)

Und schließlich nahm sich sol­er das wel­er zum Vor­bild und beseit­igte das o zugun­sten des e-Lautes. Das nen­nt man Analo­gie, das eine Wort benutzt das andere als Muster, um mehr Regelmäßigkeit in die For­men zu brin­gen.

Sell­er über­nahm schließlich im Ale­man­nis­chen die Funk­tions des Demon­stra­tivpronomens, in Auf­gaben­teilung mit den Artikeln. Die alten Demon­stra­tivpronomen dieser und jen­er find­en sich im Dialekt über­haupt nicht mehr. Und wenn man die ursprüngliche Bedeu­tung ‘solch­er’ aus­drück­en will, sagt man ein­fach so ein­er.

Heute Nacht werde ich ruhig schlafen kön­nen.

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[Lesetipp] Silbensprachen versus Wortsprachen

Dass das Schweiz­erdeutsche für uns Deutsche oft­mals frem­dar­tiger als andere deutsche Dialek­te klingt, kann man unter anderem mit einem typol­o­gis­chen Unter­schied erk­lären.

Typolo­gie” in der Sprach­wis­senschaft bedeutet, dass man sich einen bes­timmten Aspekt ein­er Sprache her­aus­greift, z.B. die Satzstel­lung, und sich haufen­weise Sprachen anschaut. Dabei fällt einem dann auf, dass es ganz ver­schiedene Arten von Satzstel­lung gibt. Es gibt Sprachen wie das Englis­che, bei denen das Verb zwis­chen Sub­jekt und Objekt ste­ht (I had a beer), aber auch Sprachen wie das Japanis­che, bei denen das Verb ganz am Ende ste­ht (biiru wo non­da ‘(ich) trank ein Bier’). (Man kürzt die Beze­ich­nun­gen ab, ersteres nen­nt man “SVO” und let­zteres “SOV”.)

Das Span­nende an der Typolo­gie ist, dass sich oft Sprachen gle­ich ver­hal­ten, die sowas von gar nicht miteinan­der ver­wandt sind – und gle­ichzeit­ig tun sich bei Sprachen, die eigentlich von ein­er gemein­samen Ursprache abstam­men, enorme Unter­schiede auf. Mit welchem Wort­ma­te­r­i­al, mit welchen Vok­a­beln ein bes­timmter Typ real­isiert wird, ist bei der Typolo­gie näm­lich unwichtig, wichtig ist nur, dass das selbe Prinzip ver­wen­det wird.

So, jet­zt aber zum Schweiz­erdeutschen. Beim Schweiz­erdeutschen geht es nicht um so etwas wie Wort­stel­lung, son­dern um Phonolo­gie. Das Schweiz­erdeutsche ist näm­lich eine “Sil­ben­sprache”, das Stan­dard­deutsche eine “Wort­sprache”. Die Unter­schiede kann man also nicht sehen, wenn man sich Texte anschaut – aber man hört sie ganz gewaltig. Wie das funk­tion­iert, hat Rena­ta Szczepa­ni­ak – meine Ex-Chefin – in einem Artikel für Natur & Geist erk­lärt. Ihr find­et ihn hier (pdf), ab Seite 49:

Auf typol­o­gis­che Unter­schiede stoßen wir schon in unserem täglichen Umgang mit dem Deutschen. So beacht­en wir in der Stan­dar­d­aussprache von Wörtern wie Vere­in oder über­all die mor­phol­o­gis­che Struk­tur (Ver+ein, über+all). Hier fall­en die Sil­ben- mit den Mor­phem­gren­zen zusam­men: Ver.ein und ü.ber.all. Punk­te markieren dabei die Sil­ben­gren­zen. Doch viele von uns ken­nen auch die regionalen, süd­deutschen Vari­anten Ve.rein und ü.be.rall. Hier­bei wer­den die Wörter ungeachtet der Mor­phem­gren­zen in Sil­ben zerteilt. (weit­er)

Und weil sie ein paar Fachter­mi­ni benutzt, die Nichtlin­guis­ten wohl nicht geläu­fig sind, habe ich Euch ein Miniglos­sar gebastelt – in der Rei­hen­folge ihres Auftretens:

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Aller guten Dinge sind 2: Alles Gute, liebes Schplock!

Heute wird das Sch­plock zwei Jahre alt! Weil man einem Blog nichts schenken kann, schenkt das Sch­plock aus diesem freudi­gen Anlass Euch was! Ich ver­lose unter allen, die bis ein­schließlich Son­ntag einen Kom­men­tar oder ein Ping­back hin­ter­lassen, eines der Buchtipp-Büch­er. Zur Wahl ste­hen:

Aus gegeben­em Anlass geht es heute um die Zahl 2, und zwar auf zweier­lei Wegen:

Drei Formen der Zahl zwei und ihre Verstecke

Im Indoger­man­is­chen hieß ‘zwei’ *dwôu und hat­te bere­its dieselbe Bedeu­tung – ziem­lich unspan­nend eigentlich. Was aber inter­es­sant ist: zwei kon­nte früher flek­tieren, d.h. die Zahl richtete sich im Genus nach dem Gezählten. Wie Adjek­tive heute. Die For­men waren im Alt- und Mit­tel­hochdeutschen zwêne (maskulin), zwô, zwâ (fem­i­nin), zwei (neu­trum). Ein paar Beispiele?

  • di zwene mar­c­graven gere vnt ekke­wart ‘die zwei Mark­grafen Gere und Ekke­wart’ (Der Nibelunge Not I,9,3) – mar­c­grav ist maskulin → zwene
  • Under im in eyn­er kamern waren zwo jungfrauwen besloßen ‘unter ihm in ein­er Kam­mer waren zwei Jungfrauen eingeschlossen’ (Pros­alancelot 1281) – jungfrauw ist fem­i­nin → zwo
  • der worhte zwei mezzer, diu ez sniten ‘der schuf zwei Mess­er, die es schnit­ten’ (Wol­fram von Eschen­bach: Parzi­val 490,21) – mezzer ist neu­trum → zwei

Dieses Phänomen hat sich teil­weise dialek­tal erhal­ten, zum Beispiel in manchen schweiz­erdeutschen Dialek­ten. Munske (1983:1007) gibt die Beispiele

  • zwee Hünd ‘zwei Hunde’
  • zwoo Chüe ‘zwei Kühe’
  • zwäi Hüen­er ‘zwei Hüh­n­er’

Im Neuhochdeutschen gibt’s neben zwei auch noch die Vari­ante zwo, durch die man eine Ver­wech­slung mit drei ver­hin­dern will (“An Gleis zwo fährt jet­zt ein …”). Das ist die alte fem­i­nine Form.

zwei selb­st ist zwar ety­mol­o­gisch recht ein­fach, aber es steckt in ein­er ganzen Rei­he von Wörtern, in denen wir es heute nicht mehr unbe­d­ingt ver­muten wür­den:

  • als Zwi- in Zwieback (zweimal geback­en), Zwillich (zweifädi­ges Gewebe), Zwill­ing, Zwirn (urspr. zwei­drähtiger Faden), zwis­chen (urspr. zweifach, bei­de), Zwist, Zwit­ter
  • als Zwei- in Zweifel (von zweifältig, ges­pal­ten), Zweig (in zwei gega­belt)
  • und in Zuber (Gefäß mit zwei Henkeln).

Einzahl, Zweizahl, Mehrzahl

Im heuti­gen Deutschen haben wir zwei Numeri, den Sin­gu­lar (die Ein­zahl) und den Plur­al (die Mehrzahl). Danach flek­tieren wir Ver­ben (ich gehe vs. wir gehen), Sub­stan­tive (das Kind vs. die Kinder) und Adjek­tive (die kleine Katze, die kleinen Katzen).

Es gibt aber Sprachen, die nicht nur unter­schei­den, ob es um ein Ding/Wesen oder um mehrere geht, son­dern die es auch wichtig find­en, zu markieren, wenn es um exakt zwei geht. Diese Kat­e­gorie nen­nt man “Dual”. In ein­er Vorstufe des Deutschen muss es den Dual ein­stens gegeben haben: im Indoger­man­is­chen. Im Slowenis­chen hat er sich tapfer erhal­ten. Hier ein paar Beispiele (Quelle):

Der Dual beim Verb: Wenn von zwei Per­so­n­en die Rede ist, wird eine andere Verb­form benutzt, als wenn es um min­destens drei geht.

  • gov­orim ‘ich spreche’ – 1. Per­son Sin­gu­lar
  • gov­ori­va ‘wir bei­de sprechen’ – 1. Per­son Dual
  • gov­o­rimo ‘wir (mind. 3 Leute) sprechen’ – 1. Per­son Plur­al

Der Dual beim Sub­stan­tiv: Wenn über zwei Dinge gesprochen wird, wird eine andere Form benutzt, als wenn es um min­destens drei geht.

  • knji­ga ‘Buch’ – Sin­gu­lar
  • knji­gi ‘zwei Büch­er’ – Dual
  • knjige ‘Büch­er (mind. 3)’ – Plur­al

Bei vie­len Sprachen find­et sich der Dual nur in einem Teil des Sys­tems, näm­lich bei den Per­son­al­pronomen. Es gibt also ver­schiedene Wörter für ‘ich’, ‘du’, ‘er’, ‘sie’, ‘wir bei­de’, ‘ihr bei­den’, ‘sie bei­de’, ‘wir’, ‘ihr’, ‘sie’.

So, und jet­zt schwinge ich mich wieder auf mein Zweirad und urlaube weit­er.

Über flauschige Bibbili

Ich bin ger­ade dabei, die Dialek­tauf­nah­men, die ich für meine Mag­is­ter­ar­beit gemacht habe, zu analysieren. Dabei suche ich zu jedem Wort die althochdeutsche Form – auch zu Wörtern, von denen ich gar nicht weiß, ob es sie im Althochdeutschen schon gab.

Momen­tan halte ich mich ger­ade ein bißchen beim Wort Bib­bili auf, dem badis­chen Wort für ‘Küken’.

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Weil die Beze­ich­nung so offen­sichtlich anders ist als die hochdeutsche Form, ver­suchen die Dialek­t­sprecherIn­nen oft eine ety­mol­o­gis­che Erk­lärung dafür zu find­en. Dabei wird meis­tens der Bib­biliskäs ange­führt (laut Duden Bibeleskäs(e)), ein quarkähn­lich­er Rohmilchkäse – er taugt zur Erk­lärung des Wortes allerd­ings nicht, da er nach den Tieren benan­nt ist: Mit ihm wur­den die Küken früher gefüt­tert.

Friedel Scheer-Nahor von der Uni Freiburg hat sich dem Bib­bili 2001 in einem Artikel für die Badis­che Zeitung gewid­met. Sie führt das Wort auf eine Laut­malerei zurück:

Wer ein­mal gese­hen und gehört hat, wie eine Küken­schar hin­ter der Glucke her­läuft, wird sich denken kön­nen, dass sowohl Bib­bili als auch Zib­bili tre­f­fende laut­ma­lerische Bil­dun­gen sind.

Auf ihrer Seite gibt es auch eine schöne Karte zum The­ma, auf der man die Ver­bre­itung des Wortes in Baden sehen kann:

Leserumfrage Badische Zeitung

Leserum­frage Badis­che Zeitung (mit fre­undlich­er Genehmi­gung von Friedel Scheer-Nahor)

Neben Bib­bili gibt es also noch zahlre­iche weit­ere Wörter für Küken im Badis­chen. Was auf­fällt ist, dass sie alle auf -li oder -le enden. Das ist die badis­che Endung, die dem hochdeutschen -lein entspricht, eine Verkleinerungs­form (“Diminu­tiv”). Die Endung -chen gibt es übri­gend im ale­man­nis­chen Sprachge­bi­et nicht – selb­st das Mäd­chen heißt Maid­li. Ich nehme an, dass -l(i|e) auch bei Bib­bili die Verkleinerungsendung darstellt, also nur bib­bi (bzw. zib­bi) laut­ma­lerisch ist. (Im Hochdeutschen haben wir ja auch piep­piep als Vogel­geräusch.)1

Bib­bili ist aber bei Weit­em nicht aufs Badis­che beschränkt. Auf ein­er Seite mit Schu­lauf­sätzen von Schweiz­er Kindern find­en sich z.B. eine Menge Tre­f­fer:

  • Im näch­sten Raum entwick­el­ten sich die Bibili im Ei.
  • Sie haben sehr viel Bibili und Eier. Wir durften ein Frei­land­bibili und zwei gezüchtete Bibili mit­nehmen.
  • Die Bibili sind gelb. Die Bibili sind gewach­sen. Die Bibili haben schon Schwanzfed­ern. Die Bibili piepsen viel.

Und auch son­st scheint es in der Schweiz ein respek­ta­bles Wort zu sein:

  • Banker helfen Bibeli auf die Beine (blick.ch)
  • Brah­ma Hüh­n­er-Bibeli zu verkaufen (tier-inserate.ch)
  • Was macht ihr mit den Bibeli, wenn sie gross sind? Gehen sie zurück auf einen Bauern­hof? (fichten.ch)

Weit­er nördlich und west­lich find­et sich das Wort eben­falls noch:

  • Pfälzisch (Pfälzis­ches Wörter­buch):
    • Bib, Bibi n.: 1. ‘Huhn’, Sprache des Kleinkindes, Bib (bīb), meist in der Wieder­hol­ung Bibib (bibīb) […]
    • Bibilchens-käse m.: ‘weißer Käse’, eigentl. ‘Käse, mit dem man die Bibichen (Hüh­nchen) füt­tert’ […]
  • Mosel­fränkisch & Ripuar­isch (Rheinis­ches Wörter­buch):
    • Bibb […]: 1. Lock­ruf für Hüh­n­er […], 2. Bibb, meist -che (-ī-) Huhn, Kosen., bes. in der Kinderspr[ache …]
  • Elsäs­sisch (Elsäs­sis­ches Wörter­buch):
    • Bibbele­fleisch n. eig. Fl. von einem Hüh­nchen.
  • Lothringisch (Lothringis­ches Wörter­buch):
    • Bible […] pl. 1. Küch­lein. […] – 2. Huhn in der Kinder­sprache […]

Für östlichere Gebi­ete habe ich lei­der keinen Onlinezu­griff auf wis­senschaftliche Wörter­büch­er. (Bairisch? Thüringisch? Säch­sisch? Öster­re­ichisch?) Ein Öster­re­ichisch-Online­pro­jekt führt aber Pip­pale auf, auch sehr ähn­lich.

Wie alt das Wort ist, kon­nte ich lei­der nicht her­aus­find­en – Grimms Wörter­buch hat keinen Ein­trag dafür, Adelung auch nicht. In den mit­tel­hochdeutschen Wörter­büch­ern find­et sich erst recht nichts, genau­sowenig im althochdeutschen (dort ist ein Küken ein huoniklîn, also ein kleines Huhn). Über mögliche Gründe kann ich nur spekulieren:

Es sieht so aus, als habe es zunächst einen Lock­ruf gegeben, mit dem man Hüh­n­er rief, und zwar Bib(i) – ganz ähn­lich wie Miez für Katzen. Daraufhin wurde der Lock­ruf oder das nachgemachte Piepsen als Beze­ich­nung für das Tier ver­wen­det, und zwar zuerst nur in der Kinder­sprache – also wie Wauwau. Irgend­wann begann man, die jun­gen Hüh­n­er mit ein­er Verkleinerungs­form davon zu beze­ich­nen. Diese Verkleinerung wurde wesentlich bere­itwilliger in die Erwach­se­nen­sprache aufgenom­men als Bib(i) selb­st. So find­et sich im Pfälzis­chen Bib(i) als kinder­sprach­lich, aber man bildet For­men wie Bibilchen­skäse, eine Zusam­menset­zung mit offen­sichtlich exis­ten­tem BibilchenKüken’. Für etwas kleines, flauschig-niedlich­es nahm man ein niedlich­es, kindlich­es Wort wahrschein­lich eher an als für ein aus­gewach­senes Nutzti­er.

Ob es das Wort schon “immer” gab, oder ob es in ver­schiede­nen Dialek­ten unab­hängig voneinan­der ent­standen ist, lässt sich wohl nicht fest­stellen. Es scheint zwar keine alten Quellen in mein­er momen­ta­nen Reich­weite zu geben, aber wenn das Wort kinder­sprach­lichen Ursprungs ist, ver­wun­dert das auch nicht weit­er. Wahrschein­lich hat es die alten Beze­ich­nun­gen für ‘Küken’ irgend­wann ver­drängt, die alten Beze­ich­nun­gen für ‘Huhn’ und ‘Hahn’ blieben aber erhal­ten.

So, jet­zt aber Ende der Speku­la­tion. Lokale Beze­ich­nun­gen für Küken sind in den Kom­mentaren hochwillkom­men!

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In eigener Sache

Gestern habe ich meine Mag­is­ter­ar­beit angemeldet: “Flex­ion­sklassen diachron und dialek­tal: Das Sys­tem der Sub­stan­tivk­lassen im Ale­man­nis­chen

Und nicht nur weil der Kom­men­tar der Sach­bear­bei­t­erin im Dekanat lautete “Äh, ja. Schön geschrieben, das kann ich gut abtip­pen”, will ich noch ein bißchen mehr dazu sagen:

1. Flexionsklassen & Substantivklassen

Darum ging es schon ein­mal in Oh Herz Jesu, meine Kasus! Ganz kurz gesagt: Flex­ion­sklassen gibt es für alle flek­tieren­den Wor­tarten.

Für Ver­ben heißt die Flex­ion auch Kon­ju­ga­tion. Ver­ben besitzen im Deutschen je nach Numerus (Ein- oder Mehrzahl), Per­son (1., 2., 3.), Tem­pus (Präsens, Prä­ter­i­tum, …), Modus (Indika­tiv, Kon­junk­tiv, Imper­a­tiv) ver­schiedene For­men. Alle ver­schiede­nen For­men eines Verbs zusam­mengenom­men nen­nt man Par­a­dig­ma. Alle Ver­ben, die auf die gle­iche Weise kon­jugiert wer­den, gehören zusam­men zu ein­er Klasse. Das ist für das Deutsche nicht so leicht einzuteilen, bei Sprachen wie Spanisch geht es bess­er: Die Infini­tiven­dung Vokal+r beste­ht bei manchen Ver­ben aus i+r, bei anderen aus a+r oder e+r. Je nach Vokal wird anders kon­jugiert.

Bei Sub­stan­tiv­en spricht man von Dek­li­na­tion. Ein Sub­stan­tiv benötigt im Deutschen die Infor­ma­tio­nen Kasus (Nom­i­na­tiv, Gen­i­tiv, Dativ, Akkusativ), Genus (maskulin, fem­i­nin, neu­trum), Numerus (Sin­gu­lar, Plur­al) und Definitheit (bes­timmt, unbes­timmt). Genus und Definitheit wer­den nur am Artikel markiert, Kasus und Numerus sowohl am Sub­stan­tiv als auch am Artikel.

Die Sub­stan­tivk­lassen wer­den im Deutschen also an Kasus und Numerus fest­gemacht. Im Gen­i­tiv kön­nen Sub­stan­tive z.B. auf -(e)s enden (des Mannes), oder auf -(e)n (des Bären), oder völ­lig endungs­los sein (der Frau_). Im Plur­al gibt es unglaublich viele Möglichkeit­en: die Männer, die Frauen, die Nächte, die Autos, die Nägel, die Wagen, … Die Sub­stan­tivk­lassen teilt man durch die Kom­bi­na­tion von Gen­i­tiv Sin­gu­lar und Nom­i­na­tiv Plur­al ein. Alle Sub­stan­tive, die diese bei­den For­men auf die gle­iche Weise bilden, bilden auch alle anderen For­men iden­tisch. Eine sehr schöne Über­sicht find­et Ihr auf canoo.net.

2. Diachron & dialektal

Diachron (oder diachro­nisch) kommt von griechisch dia ‘(hin)durch’ und chronos ‘Zeit’. Das Adjek­tiv beze­ich­net eine Vorge­hensweise, bei der man Sprache über einen län­geren Zeitraum hin­weg (Jahrhun­derte, nicht Tage) betra­chtet und die Verän­derun­gen unter­sucht. In meinem Fall werde ich schauen, wie die Sub­stan­tive im Althochdeutschen eingeteilt waren und wie und warum sich diese Ein­teilung zum Neuhochdeutschen hin verän­dert hat. Das Gegen­stück zu diachron ist syn­chron, die Betra­ch­tung eines Sprach­sys­tems zu einem bes­timmten Zeit­punkt.

Dialek­tal bezieht sich auf Punkt 3:

3. Alemannisch

Im Ale­man­nis­chen unter­schei­den sich die Klassen sowohl vom althochdeutschen als auch vom neuhochdeutschen Sys­tem. Es gibt zum Beispiel keinen Gen­i­tiv mehr, der Plu­ral­mark­er alleine bes­timmt über die Sub­stan­tivk­lasse. Ich unter­suche zwei Orts­di­alek­te im ale­man­nis­chen Sprachraum und schaue, wie die Klassen da eingeteilt sind.

Ein paar Aspek­te zum The­ma find­et Ihr auch schon auf dem Sch­plock:

Fronleichnam frönt den Leichen

Fron­le­ich­nam als (katholis­chen) Feiertag gibt es seit 1246 immer am zweit­en Don­ner­stag nach Pfin­g­sten. Das Fest ist auf keinen konkreten bib­lis­chen Anlass zurück­zuführen – gefeiert wird die kör­per­liche Gegen­wart Jesu in Hostie und Mess­wein bei der Wand­lung. (Stich­wort Transsub­stan­ti­a­tion)

Es han­delt sich mal wieder um einen Feiertag, dessen Ety­molo­gie im Reli­gion­sun­ter­richt alljährlich durchgekaut wurde – aber den fern vom katholis­chen Glauben Aufgewach­se­nen unter Euch kann ich vielle­icht noch was Neues erzählen. Dazu werde ich das Wort Fron­le­ich­nam ein­mal auseinan­dernehmen …

2009-06-11-fronleichnam2

Das ware noch Zeit­en, als zu Fron­le­ich­nam die Sonne schien …

Fronleichnam und Frondienst

Das Erst­glied Fron gibt es als eigen­ständi­ges Wort kaum noch. Wie das gle­ichbe­deu­tende Fron­di­enstzwangsweise Dien­stleis­tun­gen in Form von kör­per­lichen Arbeit­en für unter­schiedliche Herrschaft­strägerste­ht es zwar im Wörter­buch, wird aber viel sel­tener benutzt als let­zteres. Bei Google habe ich für Fron qua­si keine mod­er­nen Ver­wen­dun­gen gefun­den. Für Fron­di­enst schon:

Der Sam­stag sollte im Bedarfs­fall wieder Werk­tag ohne Zuschläge sein. Die Leute gehen doch eigentlich gern zur Arbeit, das ist doch kein Fron­di­enst”, sagte von Pier­er der “Bild”-Zeitung. (Man­ag­er Mag­a­zin)

Pri­vate Altersvor­sorge im Fron­di­enst für die öffentliche Hand (Yahoo Nachricht­en)

In der Schweiz wird Fron­di­enst ganz neu­tral benutzt, für ‘frei­williger Arbeit­sein­satz’:

Jed­er geleis­tete Fron­di­enst-Halb­tag wird auf unserem Fron­di­enst-Ausweis ver­merkt. Für zehn Fron­di­enst-Halb­tage gibt es eine Gratis-Über­nach­tung in ein­er unser­er Club­hüt­ten für zwei Per­so­n­en. (Schweiz­erisch­er Alpin­club Sek­tion Blüm­lisalp)

Fron­di­enst durch Vere­ins­mit­glieder und weit­ere Inter­essierte ist ein­er der Stützpfeil­er des Typo­ra­mas. (Typo­ra­ma)

Was war aber die ursprüngliche, wörtliche Bedeu­tung?

Die Basis bildet das althochdeutsche frō ‘Herr’1, beziehungsweise dessen Gen­i­tiv Plur­al, frōno ‘der Herren/der Göt­ter’. Diese Gen­i­tiv­form kon­nte auch als Adjek­tiv gebraucht wer­den und hieß dann ‘rechtlich, gerichtlich, öffentlich’ (bezo­gen auf den weltlichen Her­ren und seinen Macht­bere­ich) oder ‘göt­tlich’.

Die weltliche Bedeu­tung führte zu Wörtern wie Fron­bote ‘Gerichts­bote’ und Fron­di­enst ‘Her­ren­di­enst’ (daraus verkürzt dann Fron). Auch das deutsche Wort frö­nen ist mit Fron eng ver­wandt (es hieß ursprünglich ‘dienen, unter­wor­fen sein’).

Die religiöse Bedeu­tung bescherte uns Fron­le­ich­nam.

2009-06-11-fronleichnam

Herzlichen Fronleichnam!

Also heißt Fron­le­ich­nam ‘göt­tlich­er Leichnam/Leichnam des Her­ren’? Nein, das ist noch nicht die ganze Wahrheit. Das Zweit­glied hat­te früher ein­mal eine andere Bedeu­tung: Im Alt- und Mit­tel­hochdeutschen gab es das Wort līch ‘Kör­p­er, Fleisch, Leiche’, und von ihm abgeleit­et die Form līch-hinamo ‘Kör­p­er’. Das hinamo kommt vom west­ger­man­is­chen hamōn ‘Hülle, Klei­dung, Leib’. Die Verbindung der bei­den Wörter war wahrschein­lich ursprünglich poet­isch und hieß so etwas wie ‘Hülle des Fleis­ches’ oder ‘Gefäß des Lebens’ und somit let­ztlich ‘Kör­p­er’.

Das Wort Kör­p­er gibt es erst seit dem Mit­tel­hochdeutschen (denn es hat ja ein p!). Es war eine Entlehnung des lateinis­chen cor­pus und ver­drängte das bis dahin übliche līch. Erhal­ten hat es sich dann nur in der früheren Nebenbe­deu­tung ‘tot­er Kör­p­er, Leiche’.

Fron­le­ich­nam heißt somit ‘Körper/Leib des Her­ren’ und ist eine Teilüber­set­zung der lateinis­chen Fes­t­beze­ich­nung cor­pus christi ‘Körper/Leib Christi’. Der Bezug zum Gefeierten wird sofort klar: Es geht ja um die kör­per­liche Präsenz in der Eucharistie.

Ende gut, alles gut? Ja, aber eines muss ich doch noch schnell loswer­den: Das alte Wort līch ‘Kör­p­er, Fleisch, Leiche’ hat noch eine andere Entwick­lung mit­gemacht. Es kon­nte an ein anderes Wort (x) ange­hängt wer­den, das dann die Bedeu­tung ‘ein­er, dessen Körper/Gestalt x ist’ bekam. Nach und nach wurde -līch dann zu ein­er reinen Adjek­tiven­dung, ‘etwas, das in der Art von x ist’: fröh-lich, fre­und-lich, herz-lich, … Dabei ver­lor es auch sein langes ī und ist heute nur noch ein kurzes -lich. Durch das i in der Endung gab es, wo möglich, Umlaut: gründ-lich, höf-lich, schwärz-lich.

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Von Pentekoste zu Pfingsten: Die 2. Lautverschiebung schlägt zu

Ah, endlich wieder ein kirch­lich­er Feiertag, der der Erläuterung bedarf. Fro­he Pfin­g­sten!

Das Wort kommt von griechisch pen­tēkostē ‘fün­fzig­ster (Tag nach Ostern)’. Im Althochdeutschen gibt es keine belegten For­men davon, son­dern nur die Form fim­fchusti. Bei ihr wurde der erste Bestandteil der griechis­chen Zahl, das pent-, ein­fach über­set­zt: fimf ‘fünf’. Es muss aber auch das entlehnte Wort schon gegeben haben, denn im Mit­tel­hochdeutschen stoßen wir auf pfin­geste(n), einen Nach­fol­ger des griechis­chen Wortes ohne über­set­zte Teile.

Warum kann das Wort nicht zweimal entlehnt wor­den sein? Ein­mal, mit der hal­ben Über­set­zung, im Althochdeutschen, und dann noch ein­mal unüber­set­zt im Mit­tel­hochdeutschen? Dafür gib es einen guten Grund: die “Zweite Lautver­schiebung”.

Die “Zweite Lautverschiebung” schlägt zu

Die “Zweite Lautver­schiebung” ist ein Prozess, infolgedessen bes­timmte Laute sich in andere Laute ver­wan­del­ten. An seinem Ende ste­ht der Beginn der deutschen Sprache: Das Althochdeutsche.

Was da im Detail passiert, ist ziem­lich kom­plex. Abhängig von ihrer Posi­tion im Wort und ihrer laut­lichen Umge­bung ver­wan­deln sich die ger­man­is­chen Laute p, t und k sowie das d:

2009-06-01-2LV

Die genauen Bedin­gun­gen ers­pare ich Euch heute, sie sind aber prob­lem­los ergoogle­bar.

Deutsch vs. Englisch: Pfffff!

Die Zweite Lautver­schiebung passierte nur im Hochdeutschen. Alle anderen ger­man­is­chen Sprachen haben sie nicht mit­gemacht.1 Entsprechend find­et man z.B. im Englis­chen noch die “alten” Laute:

Englisch(ohne 2. LV)Deutsch(mit 2. LV)

p: pound Pfund
ship Schiff
t: to zu
to eat essen
k: cook Koch
d: daugh­ter Tochter

Woher kommt die Pistazie?

Cle­vere Sch­plock-LeserIn­nen wer­den sich natür­lich sofort fra­gen, wie es sein kann, dass wir heute den Laut /p/ im Deutschen haben, wenn doch immer entwed­er /pf/ oder /f/ draus wurde. Die logis­che Antwort: In der Regel sind das Fremd­wörter. Viele stam­men aus dem Niederdeutschen (das kein hochdeutsch­er Dialekt ist!), wie Stapel, viele aus dem Lateinis­chen, wie Pistazie, und eine Menge natür­lich auch aus dem Englis­chen, wie Computer.

Eines haben sie dabei alle gemein­sam: Sie kamen erst nach der Zweit­en Lautver­schiebung ins Deutsche. Wären sie schon vorher dagewe­sen, hätte die Ver­schiebung sie gnaden­los ver­wan­delt, ohne Rück­sicht auf ihre Herkun­ft. Pfaffe z.B. geht auf lateinisch papa zurück, wan­derte aber so früh ein, dass es von der Zweit­en Lautver­schiebung ergrif­f­en wurde.

Pinksteren, Pentecost und Päischten

Und damit sind wir bei Pfing­sten: Wir wis­sen, dass es auf ein griechis­ches Wort mit p zurück­ge­ht (pentēkostē). Da heute kein p mehr im Wort zu find­en ist, son­dern ein pf, muss das Wort schon vor der Zweit­en Lautver­schiebung entlehnt wor­den sein. Also vor dem Althochdeutschen. Entsprechend muss es die Form im Althochdeutschen schon gegeben haben – wahrschein­lich hat sich nur kein­er die Mühe gemacht, es aufzuschreiben.

Wie oben vorherge­sagt, hat das Wort in allen anderen ger­man­is­chen Sprachen sein p behal­ten:

  • Englisch: Pente­cost (auch: Whit­sun­day ‘weißer Son­ntag’)
  • Nieder­ländisch: Pinksteren
  • Afrikaans: Pinkster
  • Lux­em­bur­gisch: Päis­cht­en, Péngscht­en
  • Dänisch: Pinse
  • Nor­wegisch (Nynorsk & Bok­mål): Pinse
  • Schwedisch: Pingst
  • Färöisch hat nicht entlehnt, son­dern nutzt: hví­tusun­na ‘weißer Son­ntag’
  • Isländisch genau­so: Hví­ta­sun­nudagur ‘weißer Son­ntag’

Luxemburgisch???

Komisch, ne? Lux­em­bur­gisch ist doch fast ein deutsch­er Dialekt? Warum ben­immt es sich nicht wie das Hochdeutsche?

Ich habe Euch oben nicht die ganze Wahrheit gesagt. Ich habe behauptet, dass die vier Laute im kom­plet­ten Althochdeutschen zu den sieben neuen Laut­en wur­den. Nun ist das Althochdeutsche aber ein Kon­strukt. Das gab es so gar nicht. Es gab ganz viele ver­schiedene ger­man­is­che Dialek­te, alle eng ver­wandt, aber es gab keinen Stan­dard. Und diese Dialek­te haben sich nicht alle gle­ichzeit­ig auf die gle­iche Weise verän­dert.

Das deutsche Sprachge­bi­et lässt sich in drei große Unterge­bi­ete ein­teilen: Oberdeutsch (braun), Mit­teldeutsch (türkis) und Niederdeutsch (gelb).

2009-06-01-Heutige_deutsche_Mundarten-Ausschnitt

Michael Post­mann (Wikipedia)

Die Zweite Lautver­schiebung tobte nur im ober- und mit­teldeutschen Sprachraum, dem hochdeutschen Gebi­et. Dabei war sie aber unter­schiedlich erfol­gre­ich. Die Ver­schiebung von p, t und k erfol­gte näm­lich mit abnehmender Inten­sität von Süden nach Nor­den. In Ben­rath bei Düs­sel­dorf ver­siegte sie ganz, daher nen­nt man die Gren­ze zwis­chen Türkis und Gelb die “Ben­rather Lin­ie”. Nördlich davon sprach man ursprünglich kein Hochdeutsch mehr.

Der Rheinische Fächer

Das langsame Ver­sick­ern der Lautver­schiebung im west­mit­teldeutschen Raum führt zu einem inter­es­san­ten Phänomen: Man kann das Gebi­et in Längsstreifen ein­teilen, und je nördlich­er der Streifen liegt, desto weniger macht sich die Zweite Lautver­schiebung bemerk­bar. Wenn man das auf ein­er Karte einze­ich­net, entste­ht eine Art Fäch­er­struk­tur, daher nen­nt man das auch den “Rheinis­chen Fäch­er”. Hier eine schema­tis­che Darstel­lung von mir:

2009-06-01-Rheinischer-Fächer-Tutorium

Eine viel schönere Karte gibt’s z.B. hier: Uni Tri­er [9.8.16: Link erset­zt].

Dialek­t­ge­bi­et A hat also mehr Ver­schiebung als B, B mehr als C, und so weit­er. Jen­seits von D hat die Zweite Lautver­schiebung so wenig gewirkt wie in den anderen ger­man­is­chen Sprachen.

Unter den Lin­i­en­na­men seht ihr Beispiel­wörter: Südlich der Ger­m­er­sheimer Lin­ie heißt es also Pfund, nördlich davon Pund. Das Lux­em­bur­gis­che ist nun his­torisch eng ver­wandt mit den mosel­fränkischen Dialek­ten. Manche Leute sagen auch, es sei ein­er, aber da werde ich mich nicht in ide­ol­o­gis­che Grabenkämpfe stürzen. Es liegt auf jeden Fall nördlich der Lin­ien 1, 2 und 3, man sagt dort also Pond ‘Pfund, Apel ‘Apfel und dat (ohne 2. LV), aber Duerf ‘Dorfund maachen (mit 2. LV).

Ihr seht also, dass p im Anlaut p bleibt, denn alle Wörter, die wie Pfund gehen, ver­hal­ten sich auch so. Die p>pf-Regel hat es also nicht ins Mit­teldeutsche geschafft.

Und so bleibt Pfin­g­sten Päis­cht­en.

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Ein Rohling muss kein Wüstling sein

Das ver­sproch­ene zweite Com­put­er­wort − dies­mal viel alltäglich­er: Rohling. Eine unbeschriebene CD oder DVD. Ich kenne das Wort schon ewig und habe noch nie darüber nachgedacht, aber kür­zlich war mir med­i­ta­tiv zumute:

Rohling ist eine Wort­bil­dung auf -ling wie Abkömm­ling, Erstling, Son­der­ling, Gün­stling, Däum­ling, Schädling, Flüchtling

Wen mögen die Linge?

Das Suf­fix -ling sorgt dafür, dass das Wort, an das es ange­hängt wird, ein Sub­stan­tiv wird. Dabei ist die Aus­gangs­ba­sis ziem­lich egal, das -ling gibt es bei vie­len Wor­tarten:

Sub­stan­tiv Hof Höfling
Adjek­tiv schwach Schwäch­ling
Verb saugen Säugling

(Wie man sieht, gibt es in der Regel Umlaut, wegen dem [i] in -ling.)

Wirklich jeden?

Jein. Sub­stan­tivierun­gen mit -ling gibt es zwar zu ver­schiede­nen Wor­tarten, aber ganz wichtig für die Zunei­gung der Linge ist natür­lich, welche Wor­tarten sie heute noch mögen. Neu­bil­dun­gen nach dem Muster von Häuptling oder Lehrling gibt es heute qua­si nicht mehr1, die Schwäch­linge hinge­gen blühen auf: Das Suf­fix kann mit­tler­weile (fast) nur noch an Adjek­tive treten. Der Duden-Newslet­ter gibt z.B. Naivling und Prim­i­tivling als Neuschöp­fun­gen an.

Und wer sind sie überhaupt?

Die Linge sind viel­seit­ig. Es gab sie schon im Althochdeutschen und sie bilde­ten damals laut Kluge “Zuge­hörigkeitssub­stan­tive”. Der Häftling gehört also in die Haft, der Hän­fling in den Hanf, der Fremdling in die Fremde und der Fäustling an die Faust. Jagut. Sehr all­ge­mein.

Die Bil­dun­gen gehen auf ein -ing zurück, z.B. in edil+ing, lant­sidil+ing ‘Land­sasse’. Das l im Aus­laut solch­er Wörter wurde dann als Teil der Endung reanalysiert, -ing wurde zu -ling.

Die ent­stande­nen Sub­stan­tive sind größ­ten­teils Men­schen (Sprössling, Liebling, Fremdling, Ein­drin­gling, Zögling), es sind aber auch Tiere dabei (Schmetter­ling, Frischling, Nestling, Sper­ling), gele­gentlich Pflanzen (Pfif­fer­ling < mhd. pfef­fer­linc zu Pfef­fer, Schößling, Schier­ling < ahd. sker­il­ing zu *skar­na- ‘Mist’) und sog­ar Dinge (Schilling, Fäustling) und Abstrak­ta (Früh­ling).

Linge sind doof!

Die heute noch pro­duk­tiv­en Sub­stan­tive auf -ling sind i.d.R. abw­er­tende Per­so­n­en­beze­ich­nun­gen (fast auss­chließlich für Män­ner ver­wend­bar), meis­tens sucht man sich für sie auch gle­ich neg­a­tive Basen aus, wie Aggres­sivling, Auf­drin­gling, …

Diese neg­a­tive Wer­tung ist sehr stark, es gibt keine pos­i­tiv­en neuen Linge. Das böse Vorurteil wird aber natür­lich nicht von allen älteren Bil­dun­gen geteilt, die Beze­ich­nun­gen für Nicht-Men­schen sind neu­tral, die für Men­schen kön­nen neg­a­tiv sein, müssen es aber nicht. (Ein net­ter Dia­log zum The­ma.) Vielle­icht ist die abw­er­tende Bedeu­tung über den Zwis­chen­schritt der Verkleinerung ent­standen (wie bei Säugling oder auch den Tier­jun­gen – Frischling – oder kleinen Tieren – Sper­ling, Bläul­ing). Wein­rich et al. (2003) sind der Mei­n­ung, dass die neg­a­tive Bedeu­tung zunächst nur im neg­a­tiv­en Adjek­tiv steck­te und von dort aus qua­si auf die Endung überg­ing, die sich dann auch an neu­trale Wörter hän­gen kon­nte, um sie schlecht zu machen: Schreiber­ling. Lei­der erschöpfen sich meine kur­sorischen Nach­forschun­gen aus Zeit­grün­den hier.

Ist ein Rohling brutal?

Jet­zt aber endlich zur unbeschriebe­nen CD! Das Wort Rohling gab es schon lange vor den CDs in Nicht-Com­put­erbe­deu­tung, und zwar gle­ich dop­pelt:

  1. ein bru­taler Men­sch
  2. Guß- oder Schmiede­teil, der zum Werk­stück weit­er­ver­ar­beit­et wird.” (aus: Das neue Taschen­lexikon in 20 Bän­den, 1992)

Hier ist schön zu erken­nen, dass das Wort ein­mal neg­a­tiv ist (wenn es einen Men­schen beze­ich­net) und ein­mal neu­tral (bei einem Ding).

Ob die bei­den Bedeu­tun­gen auf eine Ursprungs­form zurück­ge­hen (d.h. von einem Objekt auf einen Men­schen über­tra­gen), kon­nte ich nicht her­aus­find­en, sie kön­nen dur­chaus unab­hängig voneinan­der gebildet wor­den sein. Grimms Wörter­buch ken­nt nur den groben Men­schen (und gle­ich­namige Pilze und Frösche), was aber wegen der tech­nis­cheren Beze­ich­nung des Met­all­teils nicht viel heißen muss:

RÖHLING, m., auch rohling, homo rud­is, gebildet wie frischling, neul­ing. bei MAALER der ihm eige­nen form rouw entsprechend röuwl­ing (der) ferus (vgl. roh I): die witwe merk­te wohl, wo es den rohling drück­te. KLINGER 6, 215;

Trotz Unergiebigkeit der Lit­er­atur (Das Taschen­lexikon ken­nt ihn noch nicht, Wikipedia ist ungewöhn­lich kurz ange­bun­den und Kluge gibt erst recht nichts her) wage ich es zu behaupten, dass der CD-Rohling wohl von der zweit­en Bedeu­tung herkommt. Eben­so wie das Met­all­teil ist die unbeschriebene CD für unsere Zwecke “form­bar” und erhält erst so ihre Bedeu­tung. Erscheint mir sehr plau­si­bel. Auch wenn die gewalt­tätige Erk­lärung irgend­wie schön­er wäre.

Welche Linge ken­nt Ihr?

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Tagesmus und Gezirkumfixe

Mein HiWi-Job mit Otfrid neigt sich dem Ende zu – eines mein­er Fund­stücke zum Abschluss:

Verse: 95 Innan thés batun thár thie jún­goron then méis­tar,
Verse: 96 tház er thar gisázi zi dága­muase inti ázi.

[Indessen bat­en da die Jünger den Meis­ter, dass er sich dort zum Früh­stück hin­set­zen und essen möge.]

(Otfrid von Weis­senburg, Evan­gelien­buch 2, Kapi­tel 14)

Das Früh­stück war ein “Tagesmus” und bietet einen schö­nen Anlass dafür, sich mit dem Wort Mus ein­mal näher zu befassen. Im Althochdeutschen hieß muos (oder, wie hier, muas geschrieben) noch ‘Essen, Speise, Mus’, vom west­ger­man­is­chen *môsa- ‘Zukost’. Wahrschein­lich war es eine Ableitung von *mati- Speise’ (darauf geht z.B. das englis­che meat ‘Fleisch’ zurück). Heute beze­ich­net es in der Stan­dard­sprache ‘Obst­brei’, region­al kann es aber auch für ‘Gemüse’ ste­hen.

Gemüse ist ein Mus(s)

Ja, genau, Gemüse … das kommt auch von Mus und hieß zuerst ‘Brei, zerklein­erte Nahrung’, dann ‘pflan­zliche Nahrung, ess­bare Pflanzen’. Von Mus zu Gemüse kommt man übri­gens ganz leicht, näm­lich mit dem Zirkum­fix gi-X-i.

Ein “Zirkum­fix” ist ein Ele­ment, das ein Wort von bei­den Seit­en umk­lam­mert. Da wo ich das X einge­set­zt habe, kon­nten vor langer, langer Zeit ein­mal alle möglichen Sub­stan­tive einge­set­zt wer­den. Das so neuge­bildete Wort hat­te auch eine neue Bedeu­tung: ‘Menge/Gruppe/Gesamtheit von X’. Solche Wörter nen­nt man daher “Kollek­tiv­bil­dun­gen” oder “Kollek­ti­va” und man kann sie auch heute noch massen­weise im Deutschen find­en.1

Berg – Gebirge
Fed­er – Gefieder
Feld – Gefilde
Schwest­er – Geschwis­ter
Stern – Gestirn
Wet­ter – Gewit­ter
Mauer – Gemäuer
Ast – Geäst
Wass­er – Gewäss­er
Bau – Gebäude
Blut – Geblüt
Fall – Gefälle
Faß – Gefäß
Haus – Gehäuse
Hag – Gehege
Land – Gelände
Pack – Gepäck
Wurz – Gewürz
Zucht – Gezücht

Durch die lange Zeit, die seit ihrer Bil­dung ver­gan­gen ist, haben viele dieser Kollek­ti­va allerd­ings mit­tler­weile ganz andere Bedeu­tun­gen.

Wenn man sich die bei­den Grup­pen rechts anschaut, fällt schnell etwas auf: In der ersten Gruppe find­et sich im Kollek­tivum immer ein i, wo in der Aus­gangs­form ein e ste­ht. Das hat einen ein­fachen Grund:

Lustiges Lauteheben bei den Westgermanen

Die West­ger­ma­nen hat­ten ein lustiges Laut­ge­setz namens “West­ger­man­is­che Hebung” (oder i-Umlaut”), das besagte: Wenn in der beton­ten Silbe ein e ste­ht und in der darauf­fol­gen­den Silbe ein i, j oder u, dann wird das e zum i.

  1. berg → wird abgeleit­et mit dem Zirkum­fix: gi-berg-i
  2. gi-berg-i enthält in der beton­ten Silbe ein e und in der Fol­ge­silbe ein i
  3. Das i ver­wan­delt das e eben­falls in ein i
  4. Das Ergeb­nis: gibirgi

Wem das verdächtig nach Assim­i­la­tion klingt, der hat recht: Das Laut­ge­setz nen­nt sich nicht umson­st Hebung. i, j und u, die aus­lösenden Laute, wer­den ganz oben im Mundraum gebildet, 2009-04-29-wghebunge, wie man sieht, etwas weit­er unten.

Jet­zt üben aber die Fol­ge­laute einen enor­men Druck auf das e aus, sie brüllen unun­ter­brochen “Komm her zu mir, komm her zu mir!” und schließlich gibt das e nach. Es lässt sich nach oben heben und wird damit zum i. Ein klar­er Fall von vorau­seilen­dem Gehor­sam und ein tri­umphaler Sieg für die faule Zunge.

Was ihr könnt, können wir schon lange!

Ein Blick auf die zweite Gruppe von Wörtern zeigt, dass die West­ger­man­is­che Hebung nicht alles erk­lären kann: Woher kom­men all die Umlaute? Aus dem Althochdeutschen! Auch a, o und u woll­ten sich verän­dern, also kam es, schwup­ps, zum Primär- und Sekundärum­laut.2
Die Regel war ganz ähn­lich: Wenn in der beton­ten Silbe a, o oder u standen und in der darauf­fol­gen­den Silbe ein i oder j, wur­den die Laute zu ä, ö oder ü.

Dies­mal ist aber das u kein Aus­lös­er, weshalb man auch nicht von ein­er Hebung spricht,2009-04-29-umlaut son­dern von ein­er “Palatal­isierung”. Das bedeutet, dass die Laute sich in Rich­tung des Pala­tums (das ist der harte Gau­men) ver­schieben, also nach vorne – dahin, wo die aus­lösenden Laute (i und j) sitzen. Es wird also aus einem hin­teren oder zen­tralen Vokal (rechts der grauen Lin­ie) ein vorder­er Vokal (links der grauen Lin­ie), weil ein vorder­er Vokal (das i) laut nach Gesellschaft brüllt.

Wir haben also wieder:

  1. ast → wird abgeleit­et mit dem Zirkum­fix: gi-ast-i
  2. gi-ast-i enthält in der beton­ten Silbe ein a und in der Fol­ge­silbe ein i
  3. Das i ver­wan­delt das a in ein ä
  4. Das Ergeb­nis: giästi

Wie leicht zu erken­nen ist, gab es im Althochdeutschen keine totale Assim­i­la­tion: ä, ö und ü sind dem i nur ähn­lich­er als a, o und u, sie sind nicht mit ihm iden­tisch. Daher nen­nt man den Vor­gang auch “par­tielle Assim­i­la­tion”.

Das e in Gehege war übri­gens auch mal ein a, es liegt also auch ein Umlaut vor. Warum man es nicht als ä schreibt, ist aber eine andere Geschichte.

Der Narr hat seine Schuldigkeit getan …

Jaja, das aus­lösende i in der Fol­ge­silbe – wo ist es eigentlich hin? Im Mit­tel­hochdeutschen gab es in den unbe­ton­ten Sil­ben ein großes Vokalster­ben: Nach und nach wur­den alle Vokale abgeschwächt, bis sie am Ende nur noch [ə] waren, wie in gesagt. In vie­len Fällen ist dieser reduzierte Laut dann völ­lig wegge­fall­en. Der Prozess heißt Neben­sil­ben­ab­schwächung und hat­te weitre­ichende Fol­gen für das kom­plette Sprach­sys­tem, aber dazu ein ander­mal. Jet­zt gehe ich mein Nacht­mus essen.

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