Tag-Archive: Eigennamen

Das Weib, das Anna, das Merkel: Wie neutral sind Frauen?

Die Frau, die Mutter, die Nonne – der Mann, der Vater, der Mönch: dass fast alle Bezeichnungen für Frauen auch grammatisch Feminina und die für Männer grammatisch Maskulina sind, dürfte kein Zufall sein. Das grammatische Geschlecht (man bezeichnet es auch als »Genus«) scheint etwas mit dem biologischen oder sozialen Geschlecht (»Sexus« bzw. »Gender«) zu tun […]

Heiße Mohr, will nichts verstehen

Es gibt die ganz normale Denkfaulheit. Es gibt mutwillige Ignoranz. Und dann gibt es noch das deutsche Feuilleton – erfunden, damit Denkfaulheit und mutwillige Ignoranz nicht so schlecht dastehen. Ein Beispiel? Na gut: Gestatten, mein Name ist Mohr. Reinhard Mohr. Mohr mit o-h, wohlgemerkt. Nie habe ich Stammbaumforschung oder Etymologie betrieben, aber soviel weiß ich: Mohr […]

Kandidaten für den Anglizismus des Jahres 2013: –gate

Das Cablegate von 2010 (damals auch AdJ-Kandidat) war vom Wortmaterial her noch ein vollständiger USA-Import, das diesjährige Handygate hingegen zeigt mehr deutsche Anteile: Die deutsche Basis Handy verbindet sich mit der Endung –gate 'Skandal'. Mit letzterer verbindet uns hier im Sprachlog eine innige Freundschaft: Schon für das Jahr 2011 war sie nominiert und wurde gleich […]

Kandidaten für den Anglizismus 2013: instagrammen

Im September 2012 twitterte @PSchydlowski das vielfach im Internet und in Zeitungen weiterverbreitete Foto eines Schildes mit der Aufschrift: BITTE HIER IM RESTAURANT DAS ESSEN NICHT INSTAGRAMMEN! (Diesen Zettel bitte auch nicht!) Unser Kandidatenwort bezeichnet eine kulturelle Praxis, die, jede Wette, in moderne Benimmratgeber eingehen wird: Das Fotografieren mit einem mobilen Endgerät, verbunden mit dem Teilen […]

Auf Kriegsfuß: Die Zeit und die Linguistik

Es ist eigentlich müßig, sich über die »Studium Generale«-Rätselreihe der ZEIT aufzuregen, aber ich kann nicht anders. Diese Woche: »Einführung in die Sprachwissenschaften«.1 Die ZEITlichen Vorstellungen davon, was man so an sprachwissenschaftlichem Grundwerkzeug braucht, sind äußerst simpel: Normgemäße deutsche Rechtschreibung (Groß– und Kleinschreibung, Fremdwortschreibung) Normgemäße deutsche Grammatik (Genitivbildung) Wissen über Sprachfamilien und Amtssprachen (natürlich nur […]

Sprachbrocken 16/2013

Während die römisch-orthodoxe Kirche sich mit Jorge Mario Mergoglio aka Franziskus I schon des zweiten twitternden Papstes in Folge rühmen kann, muss ihr russisches Gegenstück wohl auf absehbare Zeit ohne Kurznachrichten ihres Oberhaupts auskommen. Wie die Nachrichtenagentur RIA NOVOSTI berichtet, hält Wladimir Michailowitsch Gundjajew aka Kyril I nichts von der „Twitter-Sprache“, dem „Twitter-Stil“ und vor […]

Der Nikolaus in Namen

Honickel, Nigg, Nitz, Clahsen, Nückel, Niggeler, Kölla, Glauss, Klausmann, Lauser, Mitschke, Läuseli, Gleissle, Klesen, Lessing, Klose, Globus, Klaue, Klages, Kleinlagel, Gläwe, Nitschke, Gleuel, Kleps, Klomann, Loes, … All diese Nachnamen haben eine gemeinsame Quelle: Den Rufnamen Nikolaus. Er findet sich, mehr oder weniger versteckt, in zahlreichen deutschen Familiennamen wieder – aktuell dokumentiert sind rund 4.000 […]

Remember, remember, the … 11th of September?

Randall Munroe von xkcd hat gestern einen großartigen Calendar of meaningful dates, also einen Kalender bedeutender Daten gepostet: Hinter seinen Webcomics stecken ja oft kleine wissenschaftliche Projekte und Spielereien – in diesem Fall mit Sprache. Für diesen Comic hat Munroe im englischsprachigen Korpus von Google ngrams (mehr dazu hier, hier und hier), also einer großen Sammlung […]

Frauen ruhig beim Vornamen nennen?

Nach einer Erwähnung bei Suz (sowieso lesenswert!) habe ich aufgrund einer akuten Wissenslücke nach “Molly Brown” gegoogelt und bin (eher aus Versehen) auf den deutschen Wikipediaeintrag gestoßen. Sein Aufbau hat mich sowieso etwas irritiert, die gründliche Aufzählung aller Geschwister, Halbgeschwister etc. ohne augenscheinliche Relevanz, … aber naja. So richtig gestutzt habe ich aber, als ich […]

Karibische Umnachtung

Der Verein Deutsche Sprache produziert ja so schnell und ausdauernd so viel Unsinn, dass Deutschland eine Goldmedallie sicher wäre, wenn Unsinn eine olympische Disziplin wäre. Aber dass Sprachnörgelei (noch) nicht olympisch ist, hindert die Sprachnörgler natürlich nicht daran, die Olympischen Spiele trotzdem zu nutzen, um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen.