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Das Weib, das Anna, das Merkel: Wie neutral sind Frauen?

Die Frau, die Mut­ter, die Nonne – der Mann, der Vater, der Mönch: dass fast alle Beze­ich­nun­gen für Frauen auch gram­ma­tisch Fem­i­ni­na und die für Män­ner gram­ma­tisch Maskuli­na sind, dürfte kein Zufall sein. Das gram­ma­tis­che Geschlecht (man beze­ich­net es auch als »Genus«) scheint etwas mit dem biol­o­gis­chen oder sozialen Geschlecht (»Sexus« bzw. »Gen­der«) zu tun zu haben. Das hat neg­a­tive Kon­se­quen­zen für das sog. gener­ische Maskulinum: Weil gram­ma­tis­che Maskuli­na im Deutschen kog­ni­tiv so eng mit dem männlichen Geschlecht ver­bun­den sind, sind sie ungeeignet dazu, gle­icher­maßen auf Män­ner und auf Frauen Bezug zu nehmen.1

Herr – Frau – Fräulein …

Sucht man nach Wörtern, die dieses sog. Genus-Sexus-Prinzip »ver­let­zen«, stößt man dahin­ter auf Per­so­n­en, die den üblichen Rol­len­er­wartun­gen nicht nachkom­men, z.B. auf schwule Män­ner (die Memme, die Schwuch­tel, die Tunte) und auf sich »zu« männlich gerierende Frauen (der Vamp, der Drache). Für nicht rol­lenkon­forme Frauen wird jedoch noch öfter etwas anderes gewählt, und zwar das dritte Genus, das Neu­trum. Es enthält (im Ver­gle­ich zu den bei­den anderen Gen­era) mit Abstand die wenig­sten Per­so­n­en­beze­ich­nun­gen, scheint also tat­säch­lich eine Art »säch­lich­es« Genus zu sein.

In diesem Beitrag stelle ich Ihnen zunächst einige inter­es­sante Forschungsergeb­nisse zum Sta­tus der Neu­tra im deutschen Sprach­sys­tem vor — sie sind näm­lich kaum wert­neu­tral auf erwach­sene Men­schen anwend­bar und ballen sich beson­ders dort, wo man schlecht über Frauen spricht. Wenn Sie aber zum Beispiel von der Mosel, aus der Eifel oder dem Hun­srück kom­men, ken­nen Sie vielle­icht ganz alltägliche, neu­tral gemeinte Wörter für Frauen: Die Ruf­na­men. Da schreibt das Sabine dem Franziska eine SMS, weil das Han­na ihm etwas mit­brin­gen soll, und abw­er­tend ist das nicht gemeint. Benutzt man das Neu­trum allerd­ings für Fam­i­li­en­na­men von Frauen, die mächtig sind, poli­tisch eine große Rolle spie­len, bekommt es einen ganz anderen Beik­lang: Über das Merkel lässt sich nicht ohne böse Absicht sprechen. Wie kommt es, dass Neu­tra ein­er­seits so neg­a­tiv, ander­er­seits aber neu­tral oder gar pos­i­tiv auf Frauen bezo­gen wer­den kön­nen? Bei­des lässt sich auf eine gemein­same Erk­lärung zurück­führen, die in unseren Gesellschaftsstruk­turen wurzelt.

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  1. Das zeigen alle Unter­suchun­gen zum The­ma, eine davon wird hier vorgestellt. []

Der Nikolaus in Namen

Hat­te keinen Fam­i­li­en­na­men: Heiliger Niko­laus. (Rechte: Zen­odot, The Yor­ck Project, GNU FDL)

Hon­ick­el, Nigg, Nitz, Clah­sen, Nück­el, Niggel­er, Köl­la, Glauss, Klaus­mann, Lauser, Mitschke, Läuseli, Gleissle, Kle­sen, Less­ing, Klose, Globus, Klaue, Klages, Klein­lagel, Gläwe, Nitschke, Gleuel, Kleps, Klo­mann, Loes,

All diese Nach­na­men haben eine gemein­same Quelle: Den Ruf­na­men Niko­laus. Er find­et sich, mehr oder weniger ver­steckt, in zahlre­ichen deutschen Fam­i­li­en­na­men wieder – aktuell doku­men­tiert sind rund 4.000 ver­schiedene For­men.1

Leute, die mit Fam­i­li­en­na­men nach dem Niko­laus heißen, sind natür­lich nicht nach dem Niko­laus benan­nt, son­dern nach irgen­deinem. Nikoläuse gab es näm­lich zur Entste­hungszeit der Fam­i­li­en­na­men (ab dem 12. Jh.) Unmen­gen: Es war der zwei­thäu­fig­ste Män­ner­name im deutschen Sprachraum, in den extrem­sten Gegen­den hieß ein Vier­tel der Män­ner so. ((Dräger (2011:270) )) Das hat­te natür­lich mit dem Chris­ten­tum zu tun, das en vogue war: Man benan­nte Kinder enorm gerne nach Heili­gen, und dieser hier war zu allem Über­fluss auch noch ihr Schutz­pa­tron!2

Gerufen wur­den diese ganzen Nikoläuse allerd­ings ganz unter­schiedlich. Heute noch existierende deutsche Ruf­na­men­vari­anten von Niko­laus sind z.B. Claus, Klaas, Niklas, Niko, Nico­las und Nick. Darüber hin­aus gab es noch zahlre­iche weit­ere For­men, die dialek­tal stark vari­ierten.3

Von diesen allen kon­nte man nun also Fam­i­li­en­na­men ableit­en – logisch, dass sich let­ztlich eine große Menge Niko­laus­na­men ergab. Dass ein Ruf­name die Basis für einen Fam­i­li­en­na­men bildete, war keine Sel­tenheit. Der Grund dafür liegt darin, dass Leute zu der Zeit, zu der es noch keine fes­ten Fam­i­li­en­na­men gab, oft einen Beina­men beka­men, um sie klar iden­ti­fizier­bar zu machen. Das war in vie­len Fällen der Ruf­name des Vaters. Später wur­den diese Beina­men dann  unverän­dert weit­ergegeben, ab diesem Zeit­punkt spricht man von Fam­i­li­en­na­men. Fam­i­li­en­na­men, die Ruf­na­men als Quelle haben, nen­nt man in der Ono­mas­tik »Patronyme« (wörtl. ‘Vater­sna­men’). Sie kön­nen ein­fach iden­tisch mit dem Ruf­na­men sein, aber auch anders auf ihn Bezug nehmen, zum Beispiel durch den Bestandteil -sen ‘Sohn’ oder eine (dialek­tale) Verkleinerungs­form. Ein paar aus­gewählte Niko­laus­na­men:

  • Nico­lassen ‘Sohn von Nico­las’, Clasen ‘Sohn von Claas’
  • Kleisle ‘klein­er Klaus, wörtl. Kläuslein’, Nitschke ‘klein­er Nitz (< Nico­laus)’
  • Klausmann – hier wurde das mann zur Beze­ich­nung des Sohnes benutzt (vgl. auch Heine­mann, Till­mann, Ber­tels­mann (von Bartholomäus), Christ­mann (von Chris­t­ian), …)

Klaus­mann

Die ver­schiede­nen Vari­anten sind region­al sehr unter­schiedlich verteilt. Ganz typ­isch für Süd­west­deutsch­land ist zum Beispiel Klaus­mann, der, gemessen an der Bevölkerungs­dichte, im Land­kreis Emmendin­gen am häu­fig­sten auftritt.4

Nitschke

Viel weit­er ver­bre­it­et sind hinge­gen die Nitschkes (und die fast iden­tis­chen Nitsches), die beson­ders in den neuen Bun­deslän­dern wohnen.

Wenn sich Namen so an der Gren­ze ballen, lohnt sich oft ein Blick über ebendiese. In diesem Fall gibt das Reich­stele­fon­buch von 1942 Auf­schluss.5 Tat­säch­lich ging es ein­mal östlich des heuti­gen Nitschke-Kernge­bi­ets weit­er, wie auf der Karte klar zu erken­nen ist.

Schaut man in ein Namen­buch, z.B. Bahlow,  dann wird dort auch bestätigt, dass es sich bei Nitschke um eine schle­sisch-ost­mit­teldeutsche Kurz­form von Niko­laus han­delt.

Eine andere schle­sisch-ost­mit­teldeutsche Vari­ante ist Mitschke. Hier sieht man fremd­sprachi­gen Ein­fluss: In eini­gen slaw­is­chen Sprachen hat der Name näm­lich einen m-Anlaut, so z.B. im Pol­nis­chen.6 Entsprechend heißt Niko­laus Kopernikus in Polen auch Mikołaj Kopernik.

Die von Niko­laus abstam­menden Fam­i­li­en­na­men sind übri­gens so vielfältig und vari­anten­re­ich, dass man darüber eine ganze Dok­torar­beit schreiben kann. Das hat eine Freiburg­er Kol­le­gin, Kathrin Dräger, auch getan. Wenn ich recht informiert bin, ist sie mit der Pro­mo­tion let­ztes Jahr am 6.12. fer­tigge­wor­den.

Quellen:

  • Bahlow, Hans (1953): Schle­sis­ches Namen­buch. Kitzingen/Main.
  • Dräger, Kathrin (2011): Fam­i­li­en­na­men aus dem Ruf­na­men Niko­laus in Deutsch­land. In: Rita Heuser, Damaris Nübling und Mir­jam Schmuck (Hgg.): Fam­i­li­en­na­men­geo­gra­phie. Ergeb­nisse und Per­spek­tiv­en europäis­ch­er Forschung. Berlin, New York. 269–281.
  • Kun­ze, Kon­rad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Fam­i­li­en­na­men im deutschen Sprachge­bi­et. 5. Aufl. München.
  1. Dräger (2011:270) []
  2. Der belieb­steste Heili­gen­name war übri­gens Johannes. []
  3. Für Bay­ern gibt es den fan­tastis­chen Sprechen­den Sprachat­las, der auf der Karte für Niko­laus und ver­gle­ich­bare Win­tergestal­ten zahlre­iche Hör­beispiele vere­int. []
  4. Karten via Geogen, Dat­en nach Tele­fo­nan­schlüssen. Mehr Geogenkarten im Sprachlog gibt es hier, hier und hier. []
  5. Via gen-evolu.de. []
  6. Nicht aber im Rus­sis­chen, man ken­nt ja genü­gend Zaren namens Niko­lai. []

Remember, remember, the … 11th of September?

Ran­dall Munroe von xkcd hat gestern einen großar­ti­gen Cal­en­dar of mean­ing­ful dates, also einen Kalen­der bedeu­ten­der Dat­en gepostet:
Hin­ter seinen Web­comics steck­en ja oft kleine wis­senschaftliche Pro­jek­te und Spiel­ereien – in diesem Fall mit Sprache.

Für diesen Com­ic hat Munroe im englis­chsprachi­gen Kor­pus von Google ngrams (mehr dazu hier, hier und hier), also ein­er großen Samm­lung dig­i­tal­isiert­er Büch­er, säm­liche Tage eines Jahres abge­fragt und deren rel­a­tive Häu­figkeit für den Zeitraum seit 2000 dargestellt. Man sieht unter anderem sehr schön, dass über den Monat­ser­sten beson­ders häu­fig geschrieben wird und dass der 29. Feb­ru­ar nicht nur in der Real­ität sehr sel­ten vorkommt. Bei­des wenig ver­wun­der­lich.

In der Beispiel­suchan­frage wird Octo­ber 17th als For­mat angegeben. Inter­es­sant wäre zu erfahren, ob auch die britis­che Datum­snen­nung, 17th of Octo­ber, abge­fragt wurde, sie hat eben­falls viele Tre­f­fer (auch im Sub­ko­r­pus des amerikanis­chen Englisch).

September 11th

Im Fall des 11. Sep­tem­bers aber, der mit Abstand das häu­fig­ste Datum ist, geht die Nutzung der bei­den Benen­nungsmöglichkeit­en weit ausein­der. Während 11th of Sep­tem­ber mit 17th of Octo­ber/Octo­ber 17th in ein­er Liga spielt, stellt die amerikanis­che Vari­ante Sep­tem­ber 11th alles in den Schat­ten:

September 11th in Google ngrams

(Klick­en für Orig­i­nal­suche.)

In diesem Fall ist Sep­tem­ber 11th näm­lich kein ein­fach­es Datum mehr, son­dern ein Eigen­name für ein his­torisches Ereig­nis – Prax­onym nen­nt man das. Und Namen vari­ieren nun mal nicht son­der­lich. (Sep­tem­ber 11th hat aber noch einen zweit­en Namen, 9/11.)

Im xkcd-Kalen­der steckt noch ein weit­eres beson­ders Datum, näm­lich

The 4th of July,

auch als US-amerikanis­ch­er Nation­alfeiertag bekan­nt. Hier sind inter­es­san­ter­weise bei­de For­men fast gle­ich fre­quent, zumin­d­est, wenn man sich die heutige Zeit anschaut. Das erscheint erst ein­mal selt­sam, ist die Vari­ante mit der vor­angestell­ten Zahl doch neben Inde­pen­dence Day die reg­uläre Beze­ich­nung des Tages.

Erweit­ert man sowohl den Zeitraum als auch die unter­sucht­en Vari­anten, wird klar­er, woran das wahrschein­lich liegt: Die Zahl wird heute dann, wenn der Nation­alfeiertag gemeint ist, in der Regel aus­geschrieben, also Fourth of July. Die Ver­lauf­skur­ven seit 1776 (dem Jahr der Unab­hängigkeit­serk­lärung) sehen so aus:

Amerik. Nationalfeiertag bei Google ngrams

(Klick­en für Orig­i­nal­suche.)

Hier ist schön zu sehen, dass das nor­male Datums­for­mat (July 4th) nie beson­ders fre­quent war, wahrschein­lich, weil es in der Regel nicht dazu benutzt wurde, auf den Feiertag zu referieren. Die britis­che Ver­sion ist hinge­gen die ganze Zeit sehr fre­quent, wobei zunächst die Schreib­weise mit der Zahl dominiert (4th of July), gegen Ende der 1870er übern­immt dann aber die aus­geschrieben Form (Fourth of July). Die Beze­ich­nung Inde­pen­dence Day ist zwar laut OED seit 1791 belegt, sie hat aber erst seit den 1940ern an Häu­figkeit gewon­nen – vielle­icht vor dem Hin­ter­grund des Zweit­en Weltkriegs patri­o­tisch begrün­det? (Aber ich spekuliere.)

Warum nicht July 4th?

Bleibt noch die Frage, warum sich bei der Benen­nung des Tages die britis­che Vari­ante durchge­set­zt hat, es ging doch um die Unab­hängigkeit von eben denen? Die nahe­liegende Antwort: Auch amerikanis­ches Englisch war ein­mal britisch, das Datums­for­mat hat sich also in den USA in den let­zten 236 Jahren verän­dert. So etwas sollte man aber, egal wie plau­si­bel, nicht ungeprüft behaupten, also habe ich eine weit­ere (recht schnelle, also verbesser­bare) Kor­pus­recherche gemacht – dies­mal bei COHA, dem Cor­pus of His­tor­i­cal Amer­i­can Eng­lish.1

  In der fol­gen­den Grafik sind die bei­den Datums­for­mate seit 1810 im Ver­gle­ich zueinan­der zu sehen, wobei rot das britis­che, blau das amerikanis­che darstellt:DatumsformateEs ist klar zu erken­nen, dass in den COHA-Dat­en bis Anfang des 20. Jahrhun­derts das britis­che For­mat dominierte – es ist also nicht auss­chließlich britis­ches Englisch, son­dern auch älteres amerikanis­ches Englisch. Ab ca. 1900 vol­l­zog sich dann der Wech­sel zur heuti­gen Aus­druck­weise.

Für den 4th of July war es da aber bere­its zu spät: Er hat­te sich als fes­ter Aus­druck einge­bürg­ert und wurde von diesem Wan­del­prozess nicht ergrif­f­en.

Nun wäre es noch span­nend zu erfahren, warum es den Wech­sel gab. Darüber geben die Kor­pus­dat­en lei­der keine Auskun­ft und meine (allerd­ings ober­fläch­lichen) Recherchen haben auch nichts ergeben. Vielle­icht wis­sen ja Ana­tol oder Suz was? Oder jemand anders? Ich wäre sehr neugierig!

  1. Die genauen Suchan­fra­gen waren für sechs der ersten sieben Tage jedes Monats, außer Juni (bei dem habe ich mich ver­tippt und es erst zu spät bemerkt), d.h.:

    Für Xth of Month: 1st|2nd|3rd|5th|6th|7th of JANUARY|FEBRUARY|MARCH|APRIL|MAY|JULY| AUGUST|SEPTEMBER|OCTOBER|NOVEMBER|DECEMBER
    Für Month Xth: JANUARY|FEBRUARY|MARCH|APRIL|MAY|JULY| AUGUST|SEPTEMBER|OCTOBER|NOVEMBER|DECEMBER 1st|2nd|3rd|5th|6th|7th []

[Spieltipp] Hör mal, wo der spricht

Eben bin ich über ein kleines Spiel gestolpert, das ich schon ein­mal kan­nte, aber irgend­wie wieder vergessen habe. Weiß der Teufel warum, es ist näm­lich sehr cool! Bei Hör mal, wo der spricht (IdS) kann man sich stan­dard­deutsche Sprachauf­nah­men (die meis­ten von Ober­stufen­schü­lerIn­nen) anhören und dann ver­suchen, sie aus­gewählten Orten in Deutsch­land, Öster­re­ich und der Schweiz zuzuord­nen. Das ist teil­weise ganz schön knif­flig, vor allem, wenn man sich in einem Gebi­et kaum ausken­nt – ich hat­te zum Beispiel keine Ahnung, ob ich jeman­den, der nord­deutsch klang, nach Old­en­burg oder lieber nach Leer steck­en sollte.

Achtung: Man muss ein bißchen Zeit mit­brin­gen, in jed­er der sieben Run­den erhöht sich die Zahl der Beispiele. Wenn man zu viel Zeit hat, kann man gle­ich noch ein­mal spie­len, mit anderen Beispie­len.

Mein Ergeb­nis: 107/119. Und ihr so?

[Schplock trifft Lehre] Dialekt oder Sprache?

In der Kat­e­gorie [Sch­plock trifft Lehre] halte ich Inhalte und Ergeb­nisse aus dem Sem­i­nar Rhe­in­fränkisch fest, das ich im Som­merse­mes­ter 2012 an der Uni Mainz gebe. (Zum Ein­stiegs­beitrag und zur Über­sicht)

Vielle­icht habe ich es in der ersten Sitzung mit dem Ansatz »spielerisch­er Ein­stieg« ein wenig gut gemeint – aber ander­er­seits, warum nicht? Nach tage­langem Herumge­google und einem exzel­len­ten Tipp von mein­er Kol­le­gin Luise habe ich die fol­gen­den Hör­beispiele aus­ge­graben. Bei welchen davon han­delt es sich um deutsche Dialek­te? Bei welchen um eigene Sprachen? Und welche Dialek­te oder Sprachen sind das jew­eils?

(Zu den Quellen und Lösun­gen.) Weit­er­lesen

[Schplock trifft Lehre] Dialekte: Wo und wie cool sind sie?

In der Kat­e­gorie [Sch­plock trifft Lehre] halte ich Inhalte und Ergeb­nisse aus dem Sem­i­nar Rhe­in­fränkisch fest, das ich im Som­merse­mes­ter 2012 an der Uni Mainz gebe. (Zum Ein­stiegs­beitrag.)

Diese Woche hat das Semes­ter ange­fan­gen, und damit auch mein Ver­such der Sem­i­nar­doku­men­ta­tion hier im Sch­plock. Ein paar grobe Dat­en für die Inter­essierten: Das Rhe­in­fränkisch-Sem­i­nar beste­ht aus zwei Par­al­lelkursen (Don­ner­stag und Fre­itag). Bei­de sind so voll, wie die Räume es zulassen (je ca. 35 Teil­nehmerIn­nen), die Studieren­den sind in der Regel im 6. Semes­ter und studieren im Bach­e­lor of Edu­ca­tion, wollen also ein­mal DeutschlehrerIn­nen wer­den. Daher wer­den wir im Sem­i­nar, und das ist ein weit­eres Exper­i­ment, auch darauf einge­hen, ob und wie sich die The­men für Schü­lerin­nen und Schüler auf­bere­it­en lassen. Ich poste hier im Sch­plock nicht die kom­plet­ten Inhalte des Sem­i­nars, son­dern jew­eils das, was mir davon auch für eine bre­it­ere Öffentlichkeit inter­es­sant erscheint.

Zum Ein­stieg, und weil ich neugierig war, welche Vorken­nt­nisse meine Studieren­den besitzen, habe ich einen kleinen wahrnehmungs­di­alek­tol­o­gis­chen Test gemacht, der sich ganz grob am Kiel­er DFG-Pro­jekt Der deutsche Sprachraum aus der Sicht lin­guis­tis­ch­er Laien ori­en­tiert (das auch ein Blog besitzt!), allerd­ings wesentlich kürz­er. Wer mag, kann ihn hier eben­falls machen. Weit­er­lesen

[Schplock trifft Lehre] Rheinfränkisch

Ich jam­mere ja nun schon seit einiger Zeit darüber, dass ich kaum mehr Zeit fürs Sch­plock habe. Das liegt vor allem daran, dass ich so viel unter­richte. Schon let­ztes Semes­ter habe ich aber immer wieder über­legt, ob einzelne Sem­i­narthe­men nicht auch sch­plock­fähig wären, und dieses Som­merse­mes­ter will ich die Verblog­gung von Unter­richtsin­hal­ten nun ern­sthaft ange­hen.

Ver­such­sob­jekt wird mein Sem­i­nar zum Rhe­in­fränkischen. Das geht näch­ste Woche los, und dann will ich jede Woche einen kurzen Artikel über das Phänomen schreiben, das wir besprochen haben. Schlau wie ich bin, kündi­ge ich euch das jet­zt an, damit ich keinen Rückzieher mehr machen kann. Los geht es dann übernäch­ste Woche, denn das, was ich näch­ste Woche machen will, erledi­ge ich größ­ten­teils in diesem Post schon.

Das Sem­i­nar gebe ich nicht, weil ich unglaublich viel über den rhe­in­fränkischen Dialek­traum weiß, son­dern weil ich gerne unglaublich viel darüber wis­sen würde. Wird also auch für mich span­nend. Ich denke, ich habe jet­zt einen ganz guten Überblick für den Anfang. Was ich auch habe, ist eine viel zu lange Liste mit möglichen The­men, deshalb werde ich die Studieren­den darüber abstim­men lassen, was sie beson­ders inter­essiert. Heute will ich euch diese Liste ganz kurz vorstellen. Weit­ere Ideen sind natür­lich her­zlich willkom­men!

Rhe­in­fränkisch; CC-BY-SA 3.0 Hans Erren (Wikipedia)

Zunächst ein­mal aber: Wo befind­en wir uns eigentlich? Das Rhe­in­fränkische ist ein Dialek­t­ge­bi­et des West­mit­teldeutschen, Mainz liegt drin, allerd­ings ist man sich son­st nicht ganz einig, was alles dazuge­hört. Die klas­sis­che Ein­teilung (Beispiele bei der Wikipedia, im dtv-Atlas Deutsche Sprache) set­zt einen bre­it­en Streifen von Saar­brück­en bis Kas­sel an, die Unterteilung von Wiesinger nimmt hinge­gen das Hes­sis­che (d.h. das dunkellila Gebi­et auf der Karte rechts) weit­ge­hend aus. Was wir uns im Sem­i­nar dann let­ztlich anschauen wer­den, hängt von den einzel­nen Phänome­nen ab.

Die Ein­teilung der west­mit­teldeutschen Dialek­te erfol­gt meis­tens anhand des Durch­führungs­grads der 2. Lautver­schiebung. Unter der Über­schrift Rheinis­ch­er Fäch­er find­et ihr hier etwas dazu. Im Rhe­in­fränkischen sagt man also, abwe­ichend von der hochdeutschen (und süd­deutschen) Lau­tung, Abl ‘Apfel’ und Pund ‘Pfund’, aber übere­in­stim­mend damit das, Dorf und machen (statt der nördlicheren Vari­anten dat, Dorp, mak­en). Das ist ein The­ma, das defin­i­tiv im Sem­i­nar drankom­men wird. Eben­falls schon sich­er ist die Koronal­isierung (ch wird zu sch), ein generell mit­teldeutsches Phänomen, das ich im Sch­plock mal am Beispiel von Kirsche ‘Kirche’ besprochen habe und sei­ther innig liebe. Hier gibt es auch ein paar Beispielka­rten aus dem Atlas der deutschen All­t­agssprache.

Die weit­eren möglichen The­men liste ich euch jet­zt auf, immer mit einem Beispiel­satz, ein­er kurzen Erk­lärung und eventuell Links. Die Beispiel­sätze stam­men, sofern nicht anders angegeben, aus “Kud­del­mud­del ums Kup­perdibbe”, dem Mainz­erischen Aster­ixband: Weit­er­lesen

[Schplock goes English] Last names in Germany

This is a (slight­ly mod­i­fied) trans­la­tion of a text I wrote in Jan­u­ary on the dis­tri­b­u­tion of last names in Ger­many. It was request­ed by Petra and I hope it meets your expec­ta­tions! My heart­felt thanks go to Robert for proof­read­ing, all remain­ing errors are of course my own.

Dur­ing the Christ­mas hol­i­days I noticed once more how names can shape a region. When I’m trav­el­ling south, I real­ize that I’ve arrived home not only because the Ale­man­nic dialect creeps into people’s speech but also because peo­ple are sud­den­ly named Him­mels­bach, Göp­pert and Ohne­mus: Names that are, to my ear, deeply root­ed in the region.

And sure enough: All of them can be shown to have the high­est fre­quen­cy in “my” or one of the neigh­bor­ing dis­tricts (“Land­kreise”). I then dis­cov­ered an excel­lent strat­e­gy to find more of these last names: I scrolled through the face­book friends of my rel­a­tives. (And I got lots of ideas doing that – you could ana­lyze pub­lic face­book pro­files that spec­i­fy the place of res­i­dence in order to cre­at­ed a city’s “name pro­file”. You could put more weight on names of high school stu­dents, because they tend to live were they were born. Major cities would have to be ignored because peo­ple move a lot, etc. How­ev­er that research strat­e­gy might bor­der on ille­gal­i­ty and would set a rather bad exam­ple con­cern­ing pri­va­cy.)

So, what to do if you sus­pect that a last name is typ­i­cal for a cer­tain region? How can you local­ize it? Weit­er­lesen

[Lesetipp] Mobile Gesellschaft? Ach was!

Nach­dem meine Beiträge zur Fam­i­li­en­na­men­geografie recht inter­essiert aufgenom­men wur­den, find­en vielle­icht einige von euch auch diesen Artikel aus der FAZ lesenswert (gedruckt erschienen let­zten Son­ntag in der FAS). Es geht um das Pro­jekt Deutsch­er Fam­i­li­en­na­me­nat­las, das ich schon erwäh­nt habe, mit vie­len bun­ten Karten (die in der Druck­aus­gabe größer sind als im Atlas selb­st!) und eini­gen span­nen­den Details im Text.

Sprachkontakt im Deutschen? *gähn*

So, der Anglizis­mus des Jahres 2010 ist gekürt und heute geleakt wor­den. Das möchte ich zum Anlass nehmen, ein bißchen über Sprachkon­takt nachzu­denken und zu zeigen, welche For­men und Inten­sitäts­grade es dabei geben kann. Um es schon mal vor­wegzunehmen: Das Deutsche kann beim Kon­takt eigentlich ein­pack­en. Wirk­lich viel haben wir nicht zu bieten.

Kulturkontakt bringt Sprachkontakt

Sprachkon­takt ist eine natür­liche Begleit­er­schei­n­ung von Kul­turkon­takt und je inten­siv­er dieser Kul­turkon­takt, desto inten­siv­er kön­nen sich auch die beteiligten Sprachen bee­in­flussen. Diese Kon­tak­t­si­t­u­a­tion ist meist irgend­wie asym­metrisch, das heißt eine der Sprachen hat mehr Pres­tige, wird von mehr Men­schen gesprochen, wird von den Men­schen mit den gefährlicheren Waf­fen gesprochen o.ä. – da gibt es einen ganzen Haufen mehr oder weniger voneinan­der abhängiger Fak­toren. Und damit auch eine War­nung vor­weg: Sprachkon­takt ist weitaus kom­plex­er, als ich ihn hier darstelle, es gibt eine Vielzahl von Kon­tak­t­szenar­ien mit den wildesten Resul­tat­en.

Änderungswillig: Wort- und Namenschatz

Es lässt sich grob sagen, dass eine Sprache Teil­bere­iche hat, die auf­nah­me­bere­it­er für Neuerun­gen sind und welche, die sich stärk­er sträuben. Ein­er dieser sehr auf­nah­me­bere­it­en Teile ist der Wortschatz (das “Lexikon”). Hat eine ander­ssprachige Kul­tur ein nüt­zlich­es Ding, das man selb­st nicht besitzt, dann will man nicht nur das Ding haben, nein, man will es auch benen­nen kön­nen. Dazu gibt es einige Strate­gien, die sich in lexikalis­che und seman­tis­che Entlehnun­gen teilen lassen. Weit­er­lesen