Tag-Archive: Wortbildung

Sprachdatenrätsel: 's Gribbili un's Gripfli

Nun hatten wir es erst vorgestern von der Krippen, da geht es schon heute mit dem selben Wort in eine ganz andere Richtung: Zum Fest hat mein Vater die Weihnachtskrippe vom Speicher geholt und entstaubt — wir hatten die seit sicher 15 Jahren nicht mehr aufgestellt. Da mein Vater gelernter Elektromeister ist, besitzt unsere Krippe […]

Vom Beck und der Bäckerin

Bei der deutschen Debatte über geschlechtergerechte Sprache geht es oft um eine bestimmte Wortbildungsendung: das –in. Es ist ein sogenanntes »Movierungssuffix«, das aus einer Männer– eine Frauenbezeichnung macht: Ministerin, Wirtin, Klempnerin. Die männliche Form bildet also das Grundmaterial, das durch einen Zusatz angepasst wird. Das ist aber nicht die einzige formale Beziehung, in der Formen […]

Kandidaten für den Anglizismus des Jahres 2013: –gate

Das Cablegate von 2010 (damals auch AdJ-Kandidat) war vom Wortmaterial her noch ein vollständiger USA-Import, das diesjährige Handygate hingegen zeigt mehr deutsche Anteile: Die deutsche Basis Handy verbindet sich mit der Endung –gate 'Skandal'. Mit letzterer verbindet uns hier im Sprachlog eine innige Freundschaft: Schon für das Jahr 2011 war sie nominiert und wurde gleich […]

Kandidaten für den Anglizismus 2013: Fake–

Nach dem größten Fakefake 2014 überhaupt, den Twitter letzte Woche unter ungefakter Anteilnahme des Postillon mit sich und dem Rest der Welt ausgefochten hat, knöpfen wir uns heute Fake–Konzept und –Morphologie vor. Wenn Ihnen das jetzt zu viel Meta war — gut aufpassen! Nominiert ist Fake–, nennen wir es vorläufig ein Präfix. Das ist keine triviale Feststellung. […]

[Anglizismus des Jahres] Greift –gate um sich?

Unter den Vorschlägen für den Anglizismus des Jahres 2011 gab es auch ein Wortteil von nicht so recht bestimmbarem Charakter, nämlich –gate. Das will ich mir heute genauer anschauen – parallel zu suz, die zeitgleich mit mir ihre Beobachtungen zum Thema postet. Vorgeschlagen wurde es von Patrick Schulz, der letztes Jahr den Gewinner leaken nominiert […]

Anglizismus des Jahres: Soll man adden adden?

adden ist ein schwieriger Kandidat für den Anglizismus des Jahres 2011. Wie von vielen Seiten schnell bemerkt wurde, ist das Wort in gewissen Kreisen schon seit langem recht verbreitet – so zum Beispiel für das Hinzufügen von Kontakten bei ICQ (danke für den Hinweis, Katrin! Kennt und nutzt das noch wer? Und wann und wie […]

Zur Erlustigung was über frühneuhochdeutsche Grammatikschreibung

(Hinweis: Die orangen Passagen wurden nachträglich geändert/hinzugefügt.) Hach, wie schön es sich über Sprache schwärmen lässt … hier aus Der Hóchdeutsche Schlüszel zur Schreibrichtigkeit oder Rechtschreibung (Samuel Butschky, Leipzig 1648), weitgehend wortwörtlich von Herrn Schottelius geklaut: Sehr wohl vergleicht Herr Schottel / unsere Hóchdeutsche Haupt= und Heldenspráche / einem ansehlichen/fruchtbringendenBau= me / welcher seine saftreiche […]

Fremde Wörter, fremde Schrift

Beim Stöbern in alten Drucken stößt man immer mal wieder auf interessante Dinge. Recht bekannt ist ja die funktionale Schriftartenteilung: Während gebrochene Schriften für den deutschen Text eingesetzt wurden, wurden in vielen Drucken Antiquaschriften (unsere heutiger Normalfall) für Fremdwörter benutzt. Ein willkürlich gewähltes Beispiel: Schon spannender wird es, wenn man sich anschaut, wo die Grenzen […]

Frühstück auf Türkisch

Ich versuche mich mal wieder am Türkischlernen und kämpfe mit Siebgedächtnis gegen einem riesigen Vokabelberg. Dabei habe ich einen Zusammenhang zwischen drei Wörtern festgestellt, die ich mir jetzt prompt merken kann. Und zwar ‘Kaffee’, ‘Frühstück’ und ‘braun’: kahve kahvaltı kahverengi

Witwe vs. Witwerin

Im Sprachlog geht es zur Zeit um die Form Witwerin (statt Witwe) und ihre möglichen Ursachen. (Kurzversion: Es handelt sich um eine Analogiebildung zu all den anderen abgeleiteten Formen auf –in, die an Personenbezeichnungen auf –er angehängt werden.) In den Kommentaren kam die Frage auf, ob Witwe und Witwerin einmal gleichberechtigt nebeneinander existierten: Waren damals […]