Tag-Archive: Politische Sprache

Unwort des Jahres 2016: Volksverräter.

Die „Sprachkritische Aktion“ hat gerade das Unwort des Jahres 2016 bekanntgegeben: Volksverräter. Damit setzt die Jury unter Leitung meiner Darmstädter Kollegin Nina Janich konsequent die Kritik an rechter und rechtes Handeln verharmlosender Sprache fort, die sie 2013 mit dem Unwort Sozialtourismus begonnen und seither mit Lügenpresse (2014) und Gutmensch (2015) fortgesetzt hat. Die zunehmende Normalisierung […]

In der Wahrheit liegt die Lüge

Eine Arbeits– und Sozialministerin, die Bestechungsgelder annimmt, um ihre Heroinsucht zu finanzieren, muss sofort zurücktreten. Wenn wir uns so etwas aus falsch verstandenem Gutmenschentum heraus gefallen lassen, spaltet das unsere Gesellschaft, und die Stimmung kippt sowieso. Nein, gleiche Regeln für alle, da kann es keine Diskussion geben. Natürlich kommen jetzt gleich die Einwände aus der […]

Laudatio für den Anglizismus des Jahres 2015: Refugees Welcome

Beim Anglizismus des Jahres geht es uns nicht um eine inhaltliche Charakterisierung des abgelaufenen Jahres, sondern darum, englisches Lehngut auszuzeichnen, das die deutsche Sprache und den deutschen Sprachgebrauch auf besonders interessante Weise ergänzt hat. Der diesjährige Sieger – von Jury und Publikum übereinstimmend gewählt – erfüllt aber beide Kriterien: Refugees Welcome. Besser als durch diesen […]

Jenseits des Gastrechts: Sprachbilder und ihre Grenzen

Als Sahra Wagenknecht letzte Woche vom „Gastrecht“ der Flüchtlinge sprach, und davon das derjenige, der es missbrauche, irgendwann dann auch verwirkt habe, war die Empörungswelle vorprogrammiert. Erstens, weil sie eben Sahra Wagenknecht und Linke nichts lieber tun als andere Linke allgemein, und Wagenknecht im Besonderen, mit Empörung zu überschütten. Schließlich hatten sowohl die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende […]

Unwort des Jahres 2015: Gutmensch

An der Arbeit der Sprachkritischen Aktion „Unwort des Jahres“ habe ich ja selten etwas auszusetzen, und auch dieses Mal hätte sie es schlechter treffen können, als sie es mit der Wahl des Wortes Gutmensch getan hat. Die Verachtung und spöttische Delegitimation anständigen Verhaltens, die in diesem Wort zum Ausdruck kommt, hat nicht erst, aber auch […]

Flüchtlinge zu Geflüchteten?

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat in der Begründung zu ihrer Wahl von Flüchtlinge zum Wort des Jahres am Rande thematisiert, dass das Wort „für sprachsensible Ohren tendenziell abschätzig“ klinge, und das deshalb „neuerdings … öfters alternativ von Geflüchteten die Rede sei. Es bleibe aber abzuwarten, ob sich diese Alternative „im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen“ würde. […]

Revolutionär*innen, die auf Sternchen starren

Die Grünen haben am Wochenende auf ihrer Bundesdelegiertenkonferenz unter anderem beschlossen, in Parteitagsbeschlüssen in Zukunft verbindlich den Gender-Stern (Student*innen, Kindergärtner*innen, Terrorist*innen) zu verwenden. Angesichts der Empfindlichkeit, mit der die deutsche Öffentlichkeit auf geschlechtergerechte Sprache reagiert, wurde diese Satzungsänderung natürlich vor, während und nach dem Parteitag in den Medien diskutiert. Die Fronten waren dabei vorhersehbar verteilt: […]

Asylgegner und Asylbefürworter

Eins der Unwörter, das mir in der Berichterstattung über Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte bisher entgangen ist, ist das Wort Asylbefürworter. Tatsächlich konnte ich zunächst kaum glauben, dass es wirklich verwendet wird, als ich es heute früh in diesem Tweet des MDR Sachsen las: Polizei: Angriff auf #Asyl–Befürworter in #Chemnitz–Markersdorf. Insgesamt 5 Verletzte. Auseinandersetzungen […]

Kulturkämpfe

Ein Kampf der Kulturen tobt in unserem Land. Nicht so sehr zwischen Christen und Muslimen oder Abend– und Morgenland, sondern vielmehr unter Politiker/innen, die sich darin überschlagen, ständig neue Komposita mit dem Zweitglied –kultur zu erfinden und in Pokémon-Manier gegeneinander in den Kampf zu schicken. Angefangen hat der Kulturkampf ganz unauffällig und noch wenig kämpferisch: Seit […]

Pack, Vertriebene und die verunsicherte Mitte

Da ich dieser Tage immer noch viele Anfragen zum Unwort Asylkritik bekomme, hier aus der Ferne ein paar kurze Notizen zu anderen Untiefen des aktuellen Sprachgebrauchs. Mitte, verunsicherte. Von Sigmar Gabriel ins Spiel gebrachte Bezeichnung für Menschen, die zwar weder verunsichert noch Mitte sind, die man aber nicht mehr als „asylkritisch“ oder als „besorgt“ bezeichnen […]