Autorarchiv: Anatol Stefanowitsch

Eine Sprache ohne Schimpfwörter

Der TAGESSPIEGEL hat ein neues Jugendmagazin namens „Schreiberling“, und inhaltlich entspricht das, was ich bisher davon gesehen habe, exakt dem, was der Name vermuten lässt. Heute morgen erfahre ich etwa zu meiner Überraschung, dass das Lettische eine „Sprache ohne Schimpfwörter“ sei – eine 15-Jährige Schülerin, die gerade ein Auslandsjahr in Lettland verbringt, gibt als Grund für […]

Wie Medien Wörter machen

Sprache verändert sich nicht von alleine, sondern sie wird von den Mitgliedern der Sprachgemeinschaft verändert. In jedem Gespräch kann es passieren, dass die vorhandenen Ressourcen der Sprache nicht ausreichen, um unsere Gedanken wiederzugeben. Oder, dass uns die vorhandenen Ressourcen nicht gefallen, z.B. weil wir Sprachnörgler sind und keine englischen Lehnwörter mögen, oder weil wir anständige […]

Merkels versaute Raute

Diese Woche twitterte Julia Probst – bekannt durch ihren Twitter– Lippenlesedienst bei Sportereignissen und ihren Aktivismus für Untertitel und gegen Cochlea-Implantate – folgenden linguistisch faszinierenden „Funfact“: Funfact: Die #Merkel-#Raute bedeutet in #Gebärdensprache "Vagina". — Julia Probst (@EinAugenschmaus) 1. Oktober 2014 Nun ist Humor bekanntlich sehr individuell, und so lässt sich natürlich nicht objektiv feststellen, ob dieser […]

Des einen Language ist des anderen Leid

Eigentlich nur aus Spaß und/oder Prokrastination habe ich gerade getwittert, dass ich als Anglist natürlich für die schottische Unabhängigkeit sei, da eine größere Anzahl englischsprachiger Länder ja die Wichtigkeit meines Fachgebietes erhöhen würde. Daraufhin kam die Rückfrage, ob sich denn eine Unabhängigkeit Schottlands auf die Sprachentwicklung auswirken würde. Das ist eine interessante Frage, auf die […]

#Dirndlgate, die Dritte

Eine interessante Eigenschaft der Nachsilbe –gate, die wir im Februar zum Anglizimus des Jahres gewählt haben, ist, dass wir mit ihr Eigennamen schöpfen können (weshalb Kristin, Susanne und (in absentia) ich dieser Tage auf einer Tagung zur Namensforschung [PDF] darüber sprechen werden. Mit anderen Worten, jedes „-gate“ bezeichnet ein ganz bestimmtes Ereignis (anders als z.B. […]

Die „Welt“ entschuldigt sich für Dinge

Die WELT hat mich gestern in einem Artikel über die Nahost-Berichterstattung mehrfach falsch zitiert. Ich habe das hier im Sprachlog umgehend richtig gestellt, habe eine Korrektur der Online-Versionen der Artikel gefordert (die auch zeitnah erfolgte) und habe darum gebeten, in der Druckausgabe eine Richtigstellung zu drucken. Heute erschien dann folgende „Klarstellung“: Im Zusammenhang mit unserer […]

Gegendarstellung zu "Großteil der Medien berichtet voreingenommen" (Die Welt, 23./24. Juli 2014)

In dem am 22.7.2014 auf WELT.de und am 23.7.2014 in der Druckausgabe der WELT und der Berliner Morgenpost erschienenen Artikel „Gaza-Konflikt: Großteil der Medien berichtet voreingenommen“ von Ulrich Clauß werde, bzw. wurde ich unter anderem mit folgenden Aussagen zitiert: “Artikelüberschriften sind oft propagandistisch – gegen Israel ausgerichtet.” Das sei einer der Gründe, “warum es zu […]

Blogspektrogramm 29/2014

Und hier, ohne große Einleitung, unsere dieswöchigen Linkempfehlungen für alle Sprachbegeisterten und solche, die es werden wollen. Im LEXIKOGRAPHIEBLOG klopft Michael Mann das Wort Schland auf seine Wörterbuchtauglichkeit ab. Auf LINGUISTIC PULSE sieht sich Nic Subtirelu Unterschiede in der Berichterstattung von CNN und FOX über den Nahostkonflikt an (Englisch). Im LANGUAGE LOG diskutiert Lauren Squires Weird Al […]

Das Binnen-I ist der Demokratie ihr Tod

Wenn ich mit Büchern, Spielen und Fernsehsendungen zur deutschen Sprache berühmt geworden wäre, ohne besonders viel von der deutschen Sprache zu verstehen; wenn ich dann einen offenen Brief von ein paar österreichischen Reaktionären mitunterzeichnet hätte, in dem die fordern, sprachlichen Sexismus zur Norm zu machen; wenn mich dann die Wiener Zeitung fragen würde, warum ich […]

Die fünf Freunde und die Rückkehr zur sprachlichen Normalität

Österreich ist ja, nach eigener Aussage, die Heimat großer Söhne – so groß, dass für große Töchter neben ihnen kaum noch Platz ist. Aber nicht nur das – es ist auch das Land der Berge, das Land am Strome, das Land der Äcker, das Land der Dome – und das Land der Hämmer. Und einen […]