Autorarchiv: Anatol Stefanowitsch

Sprachbrocken 18/2013

Mein wöchentliches Durchkämmen der Presse liefert nicht immer Material für die Sprachbrocken – so auch diese Woche. Ich habe deshalb per Twitter nach Themenwünschen gefragt, die ich im Sprachbrockenformat beantworten könnte. Aus den zahlreichen Wünschen habe ich vier ausgewählt, zu denen mir spontan etwas einfiel (die übrigen Vorschläge habe ich mir notiert und werde vielleicht

Shitstormgeburtstag

Seit wir 2011 Shitstorm zum Anglizismus des Jahres gewählt haben, vergeht kaum eine Woche, in der ich meinen Namen nicht irgendwo in Verbindung mit diesem Wort lesen darf. Wann immer ein Shitstorm diskutiert wird, finden sich in einem Nebensatz oder in einem erklärenden Kasten ein Hinweis auf unsere Wahl und ein oder zwei Zitate von

Sprachbrocken 17/2013

Über die religiösen Mythen exotischer Kulturen kursieren ja die wildesten Gerüchte, was häufig daran liegt, dass sie in ebenso exotischen Sprachen abgefasst sind und dass es keine Übersetzungen gibt. Ein Grund mehr, einen Meilenstein des interkulturellen Verständnisses zu feiern, der diese Woche bekannt wurde: der Mythos „Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung“ (bei Fundamentalisten

Von alten Säcken und alten Damen

Es fällt der taz in letzter Zeit sichtlich immer schwerer, das eigene Niveau noch zu unterbieten, aber Matthias Lohre ist es diese Woche wieder einmal gelungen: Er hat einen Text verfasst, der so unterirdisch verblödet und so unglaublich schlecht recherchiert ist, dass man ernsthafte Zweifel hegen muss, ob Texte bei der taz einen redaktionellen Prozess

Sprachbrocken 16/2013

Während die römisch-orthodoxe Kirche sich mit Jorge Mario Mergoglio aka Franziskus I schon des zweiten twitternden Papstes in Folge rühmen kann, muss ihr russisches Gegenstück wohl auf absehbare Zeit ohne Kurznachrichten ihres Oberhaupts auskommen. Wie die Nachrichtenagentur RIA NOVOSTI berichtet, hält Wladimir Michailowitsch Gundjajew aka Kyril I nichts von der „Twitter-Sprache“, dem „Twitter-Stil“ und vor

Wer ist maskulin, wer ist feminin?

DeuWegen eines nicht besonders guten Blogbeitrags wurde heute in meiner Twitter-Timeline diskutiert, welches grammatische Geschlecht das Fragepronomen wer hat – genauer, ob es sich wie in dem verlinkten Beitrag behauptet, um ein Maskulinum handelt. Sprachwissenschaftlich ist das keine einfache Frage. In einigen Zusammenhängen verhält es sich wie ein sogenanntes Utrum, eine Form die sich auf

Sprachbrocken 15/2013

Viele Universitäten, Behörden und andere staatliche Einrichtungen haben Leitfäden zur geschlechtergerechten Sprache. Nicht, weil sie von linksextremen, sexuell ausgehungerten Gutmenschen (wie mir) geleitet werden, sondern, weil es Gleichstellungsgesetze gibt, die das fordern (und die wiederum, liebe Freunde1 der maximalen Mannigfaltigkeit männlicher Meinungsäußerungen, setzen nur Artikel 3, Abs. 2 eures grenzenlos geliebten Grundgesetzes um). Auch die

Sprachbrocken 14/2013

Sich über die Jugend und ihren Sprachgebrauch zu echauffieren, sei den Sprachnörglern, Kulturfixierern und anderen Veränderungs-verängstigten von Herzen gegönnt – schließlich haben es schon ihre Großeltern so gehalten, und deren Großeltern und die Großeltern der Großeltern von deren Großeltern. Aber spätestens wenn er sich unversehens dabei ertappt, mit Wladimir Putin einer Meinung zu sein, sollte

Von Beamten und Beamtinnen

Die neue Straßenverkehrsordnung ist ja in den letzten Tagen wegen ihrer geschlechtergerechten Sprache von den üblichen Verdächtigen intensiv kritisiert worden. Eine Verlinkung auf die Kritiken erspare ich Ihnen und verlinke stattdessen auf die ausführliche sachliche Diskussion des Lexikografieblogs. Wie dort, und auch in der hier am Freitag diskutierten Pressemeldung des Auto Club Europa angemerkt wird,

Aprilscherz 2013: Auflösung

Und hier die Auflösung des diesjährigen Aprilscherzes: Nominativ, Dativ, Akkusativ und Genitiv — Deutschlernenden fallen oft schon diese vier Fälle schwer. Die Sprecher/innen einer Sprache in Australien können darüber nur müde lächeln: Sie haben gleich zwanzig verschiedene Fälle! Diese Sprache gibt es tatsächlich: Kayardild, gesprochen in Queensland in Austalien. Oder besser: es gibt sie noch,