Autorarchiv: Anatol Stefanowitsch

Pack, Vertriebene und die verunsicherte Mitte

Da ich dieser Tage immer noch viele Anfragen zum Unwort Asylkritik bekomme, hier aus der Ferne ein paar kurze Notizen zu anderen Untiefen des aktuellen Sprachgebrauchs. Mitte, verunsicherte. Von Sigmar Gabriel ins Spiel gebrachte Bezeichnung für Menschen, die zwar weder verunsichert noch Mitte sind, die man aber nicht mehr als „asylkritisch“ oder als „besorgt“ bezeichnen […]

Begattungsängste und homophobe Etymologie

Argumente gegen die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare lassen sich am Ende immer auf eine einzige Behauptung reduzieren: Die Ehe diene der Zeugung von Kindern und da homosexuelle Paare keine Kinder zeugen können, könne man die Ehe für sie keinesfalls öffnen. Dieses Argument hat eine offensichtliche Schwäche: Die Zeugung von Kindern ist einerseits auch […]

Kurze Geschichte eines Unworts: Asylkritiker

Die Wörter asylkritisch, Asylkritik und Asylkritiker haben sich in den letzten Monaten zu euphemistischen Oberbegriffen für alle möglichen Spielarten rechten und/oder rassistischen Denkens und Handelns entwickelt. Zunächst geschah das fast unbemerkt, aber seit ein paar Wochen bekommen die Wörter endlich die kritische Aufmerksamkeit, die ihnen zusteht: Schon im Juni kritisierte die Beratungsstelle für Betroffene rechter […]

Geschlechtergerechte Sprache und Lebensentscheidungen

Das sogenannte „generische“ Maskulinum und die Tatsache, dass es nicht wirklich generisch ist, haben wir im Sprachlog ja schon des Öfteren diskutiert. Eine interessante neue Studie bietet einen Anlass dazu, das Thema wieder einmal aufzugreifen. Im Deutschen hat jedes Substantiv ein grammatisches Geschlecht: Maskulinum (z.B. der Stuhl, der Dill), Femininum (z.B. die Bank, die Petersilie) […]

Passive Prinzessinnen, oder: Die Grammatik der Geburt

Als königliche Familie hast du es ja nicht leicht: du hast nichts Vernünftiges gelernt und bist auf den Job deshalb dringend angewiesen, und den Job hast du halt nur, solange du den Leuten einreden kannst, dass du etwas besonderes bist. Deshalb hängst du in Palästen ab, läufst mit Krone und Zepter durch die Gegend und […]

Laudatio für den Anglizismus des Jahres 2014: Blackfacing

Anders als beim Wort des Jahres und beim Unwort des Jahres geht es bei unserer Wörterwahl nicht darum, ein Wort zu finden, das das vergangene Jahr im positiven oder negativen Sinne charakterisiert. Stattdessen wählen wir ein englisches Lehnwort, das eine interessante Lücke im Wortschatz des Deutschen füllt und das sich (deshalb) messbar im allgemeinen Sprachgebrauch […]

Sexting [Kandidaten für den Anglizismus 2014]

Der letze Wortkandidat auf der Shortlist für unseren Anglizismus des Jahres 2014 bezeichnet die schönste Nebensache der Welt 2.0: Sexting – das Versenden von Texten und erotischen Selfies. Sehen wir uns an, ob dieses Wort den Ansprüchen unseres Wettbewerbs standhält und vielleicht sogar in letzter Minute an Social Freezing, Phablet, Big Data, Internet of Things, Smartwatch, Photobombing, […]

Blackfacing (Kandidaten für den Anglizismus 2014)

Das Wort Blackfacing/Blackface war 2012 schon einmal für den Anglizismus des Jahres nominiert. Die Beleglage war seinerzeit aber zu dünn, um dieses ansonsten sehr interessante Wort in die engere Wahl zu ziehen (mein damaliger Beitrag, aus dem ich im Folgenden einzelne Passagen übernehme, findet sich hier [Hinweis: dieser und andere hier verlinkte Texte enthalten z.T. […]

Kandidaten für den Anglizismus 2014: Big Data

Wie jedes Jahr im Januar beteiligen wir uns an der Wahl zum Anglizismus des Jahres, indem wir die Kandidaten der Endrunde auf ihre Tauglichkeit zum Sieger abklopfen. Bereits abgehandelt haben wir Social Freezing und Phablet, heute ist Big Data an der Reihe. Das Wort Big Data bezeichnet sowohl Datenmengen, die so groß sind, dass sie mit […]

Unwort des Jahres 2014: Lügenpresse

Die „Sprachkritische Aktion“ hat das Unwort des Jahres 2014 bekanntgegeben: Lügenpresse. Mit dieser Wahl setzt die Jury um Nina Janich von der TU Darmstadt ihre exzellente Arbeit der letzen Jahre fort. Um Unwort des Jahres zu werden, muss ein Wort „gegen das Prinzip der Menschenwürde“ oder „Prinzipien der Demokratie verstoßen“ oder „einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren“, und […]