Autorarchiv: Anatol Stefanowitsch

Geschlechtergerechte Sprache und Lebensentscheidungen

Das sogenannte „generische“ Maskulinum und die Tatsache, dass es nicht wirklich generisch ist, haben wir im Sprachlog ja schon des Öfteren diskutiert. Eine interessante neue Studie bietet einen Anlass dazu, das Thema wieder einmal aufzugreifen. Im Deutschen hat jedes Substantiv ein grammatisches Geschlecht: Maskulinum (z.B. der Stuhl, der Dill), Femininum (z.B. die Bank, die Petersilie) […]

Passive Prinzessinnen, oder: Die Grammatik der Geburt

Als königliche Familie hast du es ja nicht leicht: du hast nichts Vernünftiges gelernt und bist auf den Job deshalb dringend angewiesen, und den Job hast du halt nur, solange du den Leuten einreden kannst, dass du etwas besonderes bist. Deshalb hängst du in Palästen ab, läufst mit Krone und Zepter durch die Gegend und […]

Laudatio für den Anglizismus des Jahres 2014: Blackfacing

Anders als beim Wort des Jahres und beim Unwort des Jahres geht es bei unserer Wörterwahl nicht darum, ein Wort zu finden, das das vergangene Jahr im positiven oder negativen Sinne charakterisiert. Stattdessen wählen wir ein englisches Lehnwort, das eine interessante Lücke im Wortschatz des Deutschen füllt und das sich (deshalb) messbar im allgemeinen Sprachgebrauch […]

Sexting [Kandidaten für den Anglizismus 2014]

Der letze Wortkandidat auf der Shortlist für unseren Anglizismus des Jahres 2014 bezeichnet die schönste Nebensache der Welt 2.0: Sexting – das Versenden von Texten und erotischen Selfies. Sehen wir uns an, ob dieses Wort den Ansprüchen unseres Wettbewerbs standhält und vielleicht sogar in letzter Minute an Social Freezing, Phablet, Big Data, Internet of Things, Smartwatch, Photobombing, […]

Blackfacing (Kandidaten für den Anglizismus 2014)

Das Wort Blackfacing/Blackface war 2012 schon einmal für den Anglizismus des Jahres nominiert. Die Beleglage war seinerzeit aber zu dünn, um dieses ansonsten sehr interessante Wort in die engere Wahl zu ziehen (mein damaliger Beitrag, aus dem ich im Folgenden einzelne Passagen übernehme, findet sich hier [Hinweis: dieser und andere hier verlinkte Texte enthalten z.T. […]

Kandidaten für den Anglizismus 2014: Big Data

Wie jedes Jahr im Januar beteiligen wir uns an der Wahl zum Anglizismus des Jahres, indem wir die Kandidaten der Endrunde auf ihre Tauglichkeit zum Sieger abklopfen. Bereits abgehandelt haben wir Social Freezing und Phablet, heute ist Big Data an der Reihe. Das Wort Big Data bezeichnet sowohl Datenmengen, die so groß sind, dass sie mit […]

Unwort des Jahres 2014: Lügenpresse

Die „Sprachkritische Aktion“ hat das Unwort des Jahres 2014 bekanntgegeben: Lügenpresse. Mit dieser Wahl setzt die Jury um Nina Janich von der TU Darmstadt ihre exzellente Arbeit der letzen Jahre fort. Um Unwort des Jahres zu werden, muss ein Wort „gegen das Prinzip der Menschenwürde“ oder „Prinzipien der Demokratie verstoßen“ oder „einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren“, und […]

Wort des Jahres: Lichtgrenze

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat ein Problem: Sie heißt nun einmal, nun ja, Gesellschaft für deutsche Sprache und muss deshalb ab und zu etwas zum Thema „deutsche Sprache“ sagen. Das an sich wäre ja auch noch kein Problem. Das Problem ist, dass es ganz offensichtlich bei der Gesellschaft für deutsche Sprache niemanden gibt, der […]

Am Jungwortbrunnen

Das Jugendwort des Jahres 2014 wurde gestern bekannt gegeben. Auch in diesem Jahr sind dem Sprachlog die Aufzeichnungen der Beratungen aus den Redaktionsräumen des Wörterbuchverlags Schlangeneidt zugespielt worden, die wir im Folgenden ungekürzt veröffentlichen. In den Redaktionsräumen des Wörterbuchverlags Schlangeneidt in München. Anwesend sind OBERLEXIKOGRAF DR. WILLHELM WORTWISPERER und ASSISTENZOBERLEXIKOGRAF SIEGFRIED SILBENSÄUSLER. SILBENSÄUSLER. Wortwisperer, Wortwisperer! […]

Die Moschee des Kolumbus

Haben muslimische Seefahrer Amerika entdeckt, wie es der türkische Ministerpräsident Erdoğan behauptet? Nein, natürlich nicht. Die Ureinwohner Amerikas haben Amerika entdeckt, und zwar vor über fünfzehntausend Jahren, als es noch keine Muslime gab. Aber, und das meint Erdoğan ja, haben muslimische Seefahrer Amerika vor Christoph Kolumbus besucht? Erdoğans Beleg für seine Behauptung ist eine Moschee, […]