Autorarchiv: Anatol Stefanowitsch

Blogspektrogramm 14/2016

Und hier die sprachlichen Lektüretipps zum Sonntag, diesmal mit Vokabeln der neuen Rechten, geschlechtsneutral erzogenen Katzen, den beliebtesten Vornamen und leichter Sprache. Pegida und die AfD verändern nicht nur die politische Landschaft sondern auch den öffentlichen Diskurs. In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG werden einige Kampfbegriffe der neuen Rechten – von „Lügenpresse“ bis „Genderwahn“ – unter […]

In der Wahrheit liegt die Lüge

Eine Arbeits– und Sozialministerin, die Bestechungsgelder annimmt, um ihre Heroinsucht zu finanzieren, muss sofort zurücktreten. Wenn wir uns so etwas aus falsch verstandenem Gutmenschentum heraus gefallen lassen, spaltet das unsere Gesellschaft, und die Stimmung kippt sowieso. Nein, gleiche Regeln für alle, da kann es keine Diskussion geben. Natürlich kommen jetzt gleich die Einwände aus der […]

Laudatio für den Anglizismus des Jahres 2015: Refugees Welcome

Beim Anglizismus des Jahres geht es uns nicht um eine inhaltliche Charakterisierung des abgelaufenen Jahres, sondern darum, englisches Lehngut auszuzeichnen, das die deutsche Sprache und den deutschen Sprachgebrauch auf besonders interessante Weise ergänzt hat. Der diesjährige Sieger – von Jury und Publikum übereinstimmend gewählt – erfüllt aber beide Kriterien: Refugees Welcome. Besser als durch diesen […]

Jenseits des Gastrechts: Sprachbilder und ihre Grenzen

Als Sahra Wagenknecht letzte Woche vom „Gastrecht“ der Flüchtlinge sprach, und davon das derjenige, der es missbrauche, irgendwann dann auch verwirkt habe, war die Empörungswelle vorprogrammiert. Erstens, weil sie eben Sahra Wagenknecht und Linke nichts lieber tun als andere Linke allgemein, und Wagenknecht im Besonderen, mit Empörung zu überschütten. Schließlich hatten sowohl die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende […]

Unwort des Jahres 2015: Gutmensch

An der Arbeit der Sprachkritischen Aktion „Unwort des Jahres“ habe ich ja selten etwas auszusetzen, und auch dieses Mal hätte sie es schlechter treffen können, als sie es mit der Wahl des Wortes Gutmensch getan hat. Die Verachtung und spöttische Delegitimation anständigen Verhaltens, die in diesem Wort zum Ausdruck kommt, hat nicht erst, aber auch […]

Flüchtlinginnen und Flüchtlinge

Dass das Wort „Flüchtling“ bezüglich seiner Wortbildung und vor allem seiner Verwendung im allgemeinen Sprachgebrauch nicht unbedingt abschätzig ist, habe ich ja im vorangehenden Beitrag gezeigt, aber anlässlich der Wahl zum Wort des Jahres greift mein Kollege Peter Eisenberg (bis zu seiner Emeritierung an der Universität Potsdam, also gleich um die Ecke, tätig), in der […]

Flüchtlinge zu Geflüchteten?

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat in der Begründung zu ihrer Wahl von Flüchtlinge zum Wort des Jahres am Rande thematisiert, dass das Wort „für sprachsensible Ohren tendenziell abschätzig“ klinge, und das deshalb „neuerdings … öfters alternativ von Geflüchteten die Rede sei. Es bleibe aber abzuwarten, ob sich diese Alternative „im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen“ würde. […]

Wort des Jahres 2015: Flüchtlinge

Die Gesellschaft für deutsche Sprache versucht mit dem „Wort des Jahres“ jedes Jahr, Wörter zu präsentieren, die „das zu Ende gehende Jahr besonders gut charakterisieren“. Das gelingt nur selten: Im letzten Jahr war es das schnell verflogene Lichtgrenze, im Jahr davor das bleiern-ansgestrengte GroKo, und im Jahr davor das völlig abstruse Rettungsroutine. In diesem Jahr […]

Revolutionär*innen, die auf Sternchen starren

Die Grünen haben am Wochenende auf ihrer Bundesdelegiertenkonferenz unter anderem beschlossen, in Parteitagsbeschlüssen in Zukunft verbindlich den Gender-Stern (Student*innen, Kindergärtner*innen, Terrorist*innen) zu verwenden. Angesichts der Empfindlichkeit, mit der die deutsche Öffentlichkeit auf geschlechtergerechte Sprache reagiert, wurde diese Satzungsänderung natürlich vor, während und nach dem Parteitag in den Medien diskutiert. Die Fronten waren dabei vorhersehbar verteilt: […]

Wörterwahl mit Freudentränen

Die Entscheidung der Oxford Dictionaries, ein Emoji zu ihrem Wort des Jahres zu machen, begrüße ich selbstverständlich (schließlich bin ich ja zumindest nebenberuflich der „Emoji-Professor“, wie mich eine Journalistin des Berliner Kurier gestern am Telefon begrüßte). Emoji sind ein wichtiger Teil der Online-Kommunikation geworden, und wozu sonst sollte eine Wörterwahl gut sein, wenn nicht dazu, […]